Radwegplanung in Flensburg : Radler wollen das Tempo rausnehmen

Gestern Nachmittag auf der Glücksburger Straße am Lautrupsbach: Hier entsteht offenbar ein neuer Schutzstreifen für Fahrradfahrer – in beiden Richtungen.
Gestern Nachmittag auf der Glücksburger Straße am Lautrupsbach: Hier entsteht offenbar ein neuer Schutzstreifen für Fahrradfahrer – in beiden Richtungen.

ADFC fordert Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer im Mischverkehr und hält Flensburgs Radverkehrspolitik für gescheitert

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19. September 2017, 06:18 Uhr

Die jetzt von der Stadt angekündigte Fortführung des Schutzstreifens entlang der Mürwiker Straße zwischen Kelmstraße und Bismarckstraße kommt bei der Radfahrer-Lobby nicht gut an. In einer Pressemitteilung kritisiert der Allgemeine Deutsche Fahrradfahrer-Club (ADFC) das Vorhaben als suboptimal. Der Schutzstreifen vermittele Radfahrenden ein „trügerisches Sicherheitsgefühl“.

Wird neben Schutzstreifen geparkt, so muss ein ausreichender Sicherheitsabstand von 1,50 Metern zu den jeweiligen Fahrzeugen eingeplant und markiert werden, denn sich öffnende Fahrzeugtüren beinhalten ein erhöhtes Gefahrenpotenzial für Radfahrende, heißt es in der Mitteilung. Bei einem „Dooring“-Unfall drohen erhebliche Verletzungsrisiken. Ferner befreien Schutzstreifen überholende Fahrzeugführende auch nicht von der Einhaltung eines Mindestabstands. Dieser beträgt nach geltender Rechtsprechung ebenfalls mindestens 1,50 Meter. Schutzstreifen werden – dies zeigen Erfahrungen aus anderen deutschen Städten – wegen der fehlenden baulichen Trennung häufig auch zum Halten oder Parken missbraucht, was eine dauerhafte und konsequente Verkehrsüberwachung erfordert.

Der ADFC sieht die oft zögerliche Radverkehrspolitik der letzten Jahrzehnte als generell gescheitert an. Er fordert im Interesse der Radverkehrssicherheit die generelle Einführung von Tempo 30 innerorts als Regelgeschwindigkeit bei Mischverkehr. Auch die seit Jahresbeginn bestehenden Möglichkeiten zur vermehrten Anordnung von Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten und Seniorenheimen habe die Stadt bislang noch nicht in vollem Umfang ausgeschöpft, heißt es weiter. Darüber hinaus empfiehlt der ADFC ab Tempo 50 entlang von Straßen einen baulich von Fußweg und Autoverkehr getrennten Radweg. Der ADFC befürwortet für den Radverkehr an Kreuzungen vorgezogene Aufstellflächen. Diese können das Linksabbiegen erleichtern und gewährleisten eine gute Wahrnehmung im unmittelbaren Sichtbereich der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Grundsätzlich fordert der ADFC eine verteilungsgerechte Anpassung des städtischen Investitionsvolumens an das Bestandsverhältnis bei den Verkehrsflächen welches für den Radverkehr bei derzeit rund 25 Prozent liege.

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