Radfahrer raus aus der Angelburger?

Fußgängerzone: Doch Radfahrer dürfen die untere Angelburgerstraße seit November sogar in beide Richtungen befahren - aber wie lange noch? Foto: Melissa Bertelsen
Fußgängerzone: Doch Radfahrer dürfen die untere Angelburgerstraße seit November sogar in beide Richtungen befahren - aber wie lange noch? Foto: Melissa Bertelsen

Seltsame Diskussion im Technischen Rathaus über erneute Zulassung von Taxen und Mietwagen für Arztfahrten in Richtung Südermarkt.

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07. April 2011, 09:22 Uhr

Flensburg | Erst im November 2010 schloss die Stadt eine seit Jahren klaffende Lücke im Radverkehrsnetz der Stadt: Sie öffnete die untere Angelburgerstraße vom Südermarkt bis zur Friedrich-Ebert-Straße für Radfahrer. Vorher mussten sie absurde Umwege in Kauf nehmen, ihr Fahrrad schieben oder illegal den direkten Weg fahren.

Doch jetzt bringen Grüne, Linke, Akopol und FDP diese substanzielle Verbesserung der Fahrradsituation in Flensburg in Gefahr: Sie wollen die untere Angelburgerstraße wieder für Taxen und Mietwagen in Richtung Südermarkt öffnen; das gehe aus Sicherheitsgründen nur bei einem Ausschluss der Radfahrer, erläuterte Planungschef Michael Draeger auf der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses.

Erst gingen Die Linke, Akopol und FDP in Vorlage und legten einen Antrag vor, der das Ziel hatte, den fraglichen Abschnitt wieder für Taxen, die mit ihren Fahrgästen eine Arztpraxis ansteuern, zu öffnen. Die Fraktion der Grünen legte noch eins drauf und forderte "ein umfassendes Verkehrskonzept für die Verkehrsführung für den Bereich Südermarkt, untere Angelburgerstraße und Dr.-Todsen-Straße". Bis zu dessen Fertigstellung sei die untere Angelburgerstraße wieder für Taxen und Mietwagen zu öffnen.

In der Tat ist die Lage an der Südostecke des Südermarktes oft unübersichtlich. Hier fahren Busse im Minutentakt in verschiedene Richtungen und kreuzen wie Taxen und Radfahrer die oft unüberschaubaren Routen der Fußgänger; hinzu kommen verirrte Pkw, meist mit dänischem Kennzeichen.

Doch im Ausschuss stellte sich heraus, dass alle vier Fraktionen offenbar über das Ziel hinausschießen. Denn schon heute können ältere Menschen und solche mit Behinderungen oder Einschränkungen der Gehfähigkeit ihren Arzt mit dem Auto erreichen - egal ob per Taxi, Mietwagen oder mit dem von einem Angehörigen gesteuerte Privat-Pkw. "Dafür gibt es eine Ausnahmegenehmigung", machte Draeger deutlich; sie könne unbürokratisch im Rathaus beantragt werden, auch per Telefon oder E-Mail. Dies sei sowohl den Arztpraxen als auch dem Taxi-Gewerbe bekannt. Zudem seien die Praxen darauf eingestellt, den betroffenen Personengruppen Termine vor 10 Uhr zu geben; erst dann tritt das Fahrverbot in Kraft.

Die seit 17. November 2010 geltende Regelung sei "sehr intensiv überlegt worden", betonte Olaf Carstensen, Fachbereich Umwelt und Planen. Ein umfassendes Verkehrskonzept erfordere ein neues Gutachten, mahnte Michael Draeger, und das koste Geld. Die Einwände zeigten Wirkung bei den Fraktionen; zwar wurden die Anträge nicht zurückgezogen, aber man einigte sich darauf, spätestens vor den Sommerferien noch einmal über das Thema zu diskutieren - und bis dahin intensiv darüber nachzudenken.

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