Ungenutzte Trasse in Flensburg : Radeln auf dem Bahndamm

Fotomontage einer Vision: Ein Regionalexpress der Bahn am Zob. Foto: Montage: Dewanger
Fotomontage einer Vision: Ein Regionalexpress der Bahn am Zob. Foto: Montage: Dewanger

Die ungenutzte Bahntrasse in der Flensburger Innenstadt könnte bald ein Rad- und Spazierweg werden. Denn die Schienen werden nur noch alle zwei Jahre genutzt.

shz.de von
03. Dezember 2012, 11:00 Uhr

Flensburg | Die Zeichen werden markanter, die auf ein Ende für die Gleise auf dem Innenstadt-Bahndamm hindeuten. In einer Diskussion um die Zukunft der Trasse zeigten Mitglieder der Flensburger Grünen viel Sympathie für die Idee, in Zukunft den nicht mehr genutzten Schienenweg als innerstädtischen Spazier- und Radweg zu nutzen. Dabei soll die Strecke allerdings nicht verbaut, sondern die Möglichkeit für einen Bahnverkehr werden offen gehalten werden, wenn sich irgendwann einmal Bedarf abzeichnen sollte. Eine Umgestaltung der Trasse läuft also auf eine Zwischenlösung hinaus.
Die Grünen hatten zu der Diskussion Chef-Stadtplaner Peter Schroeders eingeladen, der klipp und klar darauf hinwies, dass seine Äußerungen keine Beschlussvorgaben sein könnten, sondern eine Sammlung von Fakten und Einschätzungen aus der Stadtplanung im Rathaus. Die politische Vorgabe über die Zukunft des Bahndammes liege bei den Kommunalpolitikern.

Werft und die Stadtwerke brauchen die Schienen nicht

Schroeders verwies darauf, dass im Jahr 2014 der Erhaltungsvertrag für die Gleistrasse ausläuft, die Stadtwerke und Deutsche Bahn AG abgeschlossen haben. Daher werde es Zeit für eine Entsheidung. Außerdem soll für Fußgänger und Radfahrer dringlich eine sichere Verbindung vom NDR-Studio in die Heinrichstraße geschaffen werden, die das gefährliche Nadelöhr ablöst.
Auf dem Innenstadt-Bahndamm - der "Hafenbahn" - rolle schon seit Jahren kein Güterverkehr mehr. Die früheren Kunden wie die Fahrzeugwerke, die Werft und die Stadtwerke hätten signalisiert, dass sie für den Transport per Schiene keinen Bedarf mehr sähen. Ohnehin habe das Gleis auf der Ostseite keine Verbindung mehr zum Schienennetz und nach mehreren Baumaßahmen gebe es dort keinen intakten Gleisstrang mehr. Einziges Zugaufkommen auf der Westseite seien alle zwei Jahre die Museumszüge zum Dampf Rundum.

Keine Züge bis zum Zob

Bleibt die Frage nach Personenzügen auf dem Bahndamm - konkret nach einem Bahndamm am ZOB für Züge des Nahverkehrs aus Richtung Neumünster, Niebüll und Kiel. Schroeders stellte klar: Zugverkehr von Süden zum ZOB könne funktionieren, Bahnverkehr von Niebüll stehe in den Sternen, die Einfädelung von Kiel sei kompliziert und teuer. Zudem: Es fehle an Platz für die nötigen Bahnanlagen, und der ZOB selbst sei heute schon an der Obergrenze seiner Kapazität. Mehr könne er kaum noch aufnehmen.
Schroeders entwarf dann die Vision eines Rad- und Fußweges in geschützter Lage mitten durch die Stadt - ein "grünes Band" von der Rude bis an den Hafen. Überall an der Strecke sollten Anschlüsse in die Umgebung geschaffen werden: zu den Berufsschulen, zur Bahnhofstraße, zum ZOB. Für diesen Weg seien die Brücken an der Heinrichstraße und am ZOB zu erhalten. Ohnehin bestehe keine Notwendigkeit, sie abzureißen. Schroeders: "Die halten noch zehn bis 15 Jahre." Der Rad- und Fußweg könne geschaffen werden, indem die Bahntrasse so abgedeckt werden, dass sie freizulegen sei, wenn es wieder Bedarf für Zugverkehr geben sollte. Nach dieser Übersicht spielte das Thema Bahnhof am ZOB in der Diskussion der Grünen keine Rolle mehr.
Blieb noch das Argument, die Lage des heutigen Bahnhofes zur Stadt sei unattraktiv für Bahnbenutzer. Dies hält Schroeders eher für eine eher gefühlte denn reale Tatsache bei 800 Metern Entfernung vom Bahnhof zum Südermarkt. Eine Verbesserung sei denkbar, indem Busse auf der Brücke der Schleswiger Straße über dem Bahnhof halten und Fahrstühle die Verbindung zu den Bahnsteigen herstellen.

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