Theater in Flensburg : Quirlige Szenen einer jungen Beziehung

Man kommt sich langsam näher: Gesa Retzlaff und Ralf Behrens brauchen als Sonja und Bernhard etwas, bis es soweit ist.
Man kommt sich langsam näher: Gesa Retzlaff und Ralf Behrens brauchen als Sonja und Bernhard etwas, bis es soweit ist.

Premierenpublikum begeistert von der neuen NDB-Produktion „Veer linke Hannen“ / Gesa Retzlaff und Ralf Behrens als ungleiches Paar

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19. Dezember 2017, 12:21 Uhr

Das erste Aufeinanderprallen der beiden Singles ist so katastrophal, dass eine künftige Liebesbeziehung so gar nicht in der Luft liegt: Die attraktive Sonja (Gesa Retzlaff) feiert deprimiert ihren 40. Geburtstag. Eine ganze Schachtel Tabletten und eine einlaufende Badewanne lassen das Schlimmste befürchten. Wenn da nicht Nachbar Bernhard (Ralf Behrens) im durchnässten Schlafanzug Sturm klingeln würde!

Mit der Premiere der ursprünglich französischen Komödie „Veer linke Hannen“ von Pierre Chesnot bereitete die Flensburger Niederdeutsche Bühne ihrem Publikum einen heiteren Abend. Nach stehenden Ovationen verließen viele Zuschauer sichtlich vergnügt das Stadttheater: „War das gut!“ „Es ist schön, mal wieder so unbeschwert zu lachen“.

Mit gekonnt leichter Hand setzt Regisseurin Birgit Bockmann den von Wolfgang Kirchner ins Deutsche, vom hiesigen Bühnenchef Rolf Petersen ins Plattdeutsche übersetzten Zwei-Personen-Stoff in quirlige Szene. Einen „Traumhafenblick“ auf Schiffbrückstraße und Nordermarkt bieten die von Katja de Vries konzipierten „übereinander liegenden“ Bühnenwohnungen. Vom schwarzen Negligé bis zum Frotteebademantel ist Barbara Büsch verantwortlich für die Kostüme. Mit unglaublicher Spontaneität und Leichtigkeit in Spiel, Gestik und Mimik glänzen Ralf Behrens und Gesa Retzlaff, die gerade erst die Leitung des Niederdeutschzentrums im Landesteil Schleswig in Leck übernommen hat.

Per Telefon jedenfalls hat Sonja der Freundin das Versprechen gegeben, ab jetzt alles genau anders zu machen als bisher: „Geven statt jümmers blots nehmen, jemanden glücklich machen, und zwar den erst besten Mann, der ihr über den Weg läuft“. Das ist ausgerechnet dieser pedantisch langweilige Einsiedler Bernhard. Sonja ist schnell bereit, den „Kampf anzunehmen“, alle Register zu ziehen. Allzu unglaubwürdig lang widersetzt sich Bernhard den Gefühlen, die sich seiner doch schon längst bemächtigt haben. Dafür gibt es viele lustige Szenen und Wortgefechte zu genießen, „gefährliche“ Balkon-Kletterpartien inklusive. Beide haben eben ganz schön „linke Hannen“ für ein Leben zu zweit.

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