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Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 07:24 Uhr

Glücksburg : Quellental: Umbau statt Neubau

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Lange kämpften Ute und John Witt für die große Lösung – doch die Behörden machten ihnen einen Strich durch die Rechnung.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2016 | 07:30 Uhr

Glücksburg | Das bereits drei Jahre andauernde Ringen um eine neue Gaststätte in Glücksburg Quellental fand letzte Woche ein vorläufiges Ergebnis: Vom Glücksburger Bauausschuss wurde ein Bauantrag genehmigt, der es ermöglicht, das Gebäude zu sanieren. Der Antrag liegt jetzt beim Bauamt in Schleswig. Der Grund für die langwierige Planungsphase ist das sensible Terrain, auf dem die Gaststätte liegt. Mehrere Behörden haben dort Mitspracherecht.

Auf einer ihrer Joggingrunden sah Ute Witt, Ehefrau des damaligen Stadtrates John Witt, das Verkaufsschild eines Immobilienunternehmers an dem idyllisch gelegenen Ausflugslokal. Dieses wieder herzurichten, erschien ihr eine viel versprechende Aufgabe zu sein. Hätte sie gewusst, was alles auf sie zukommt, hätte sie es lieber gelassen, sagt sie heute. Aber sie sagt auch: „Wir haben gelernt, viele Planungshürden zu überspringen.“

Die Witts dachten zunächst an eine Sanierung des Gebäudes. Doch während der Vorgespräche mit dem Land, dem Kreis, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Forst empfahl man ihnen eine zeitgemäßere Lösung: einen großzügigen Neubau im Sinne moderner Gastronomie. Statt wie bisher maximal 50 Personen sollten bis zu 180 Personen im Innenraum bewirtet werden können. „Das war ausdrücklich der Wunsch der Landesplanung“, betont John Witt. Zudem sollte eine Wohnung über dem Restaurant entstehen. Das Gebäude sollte näher ans Wasser rücken. „Man empfahl uns, mehr Abstand zum Hang zu wahren“, so Witt.

Wegen der komplexen Bausituation ließen sich Witts vom Planungsbüro Pro Regione beraten. Wer neu bauen möchte, muss einen B-Plan aufstellen und den Flächennutzungsplan ändern, erläutert ProRegione-Geschäftsführer Manfred Demuth. Manche witterten einen Skandal, denn John Witt, damals noch Stadtrat, hatte nach Meinung einiger Bürger Einfluss auf die Planung, die bei der Gemeinde liegt. „Über das Planverfahren entscheidet jedoch allein die Stadtvertretung“, stellt Witt klar. Sein Amt sei damals für die Entwicklung des Projektes eher ein Hindernis gewesen.

So liefen die Planungen monatelang auf Hochtouren – die Witts glaubten im Sinne aller Beteiligten. Doch dann sei ein Mitarbeiter der Forstbehörde in den Ruhestand gegangen, und der Nachfolger habe seine Zustimmung verweigert. „Ein Stein fiel um, und alles brach zusammen“, sagt Demuth. Schade für Glücksburg findet er das, denn mit einer Gaststätte in Quellental hätte man in Ort bald eine komplett neue Gastronomie-Zeile über Sandwig bis nach Schwennaustrand gehabt.

„Es war keine Frage des Wollens“, sagt der zuständige Mitarbeiter von der Unteren Forstbehörde in Flintbek, Kornelius Kremkau. „Wir müssen die Gesetze einhalten.“ Seine Kollegin Julia Thiele von der Außenstelle in Flensburg ergänzt: „Es gab zu keiner Zeit eine Aussage der Forstbehörde, wonach ein Neubau gestattet werden sollte.“ Eine Zustimmung hätte nur erteilt werden können, wenn der Mindestabstand vom Neubau zum Wald 30 Meter betragen hätte. Das Gefährdungspotenzial durch umstürzende Bäume sei sonst einfach zu groß. Bäume zu fällen, kam nicht in Frage, denn das Grundstück liegt an einem Flora-Fauna-Habitat.

Ein Missverständis? Witt ist anderer Ansicht: „Der Forst hat uns die ganze Zeit seine Genehmigung in Aussicht gestellt.“ Nun haben er und seine Frau umsonst Gutachten und Pläne in Auftrag gegeben. „Wir nehmen nach drei Jahren Zeitverlust die eigentlich immer angedachte Ursprungsplanung wieder auf“, sagt er. „Ein Koch, der seine Familie von der Gaststätte hätte ernähren wollen, wäre jetzt pleite“, ergänzt Ute Witt.

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