Glücksburg : Quellental hat neuen Eigentümer

Der Restaurantbau von 1909 wird wohl einem Neubau weichen. Foto: Windmann
Der Restaurantbau von 1909 wird wohl einem Neubau weichen. Foto: Windmann

Die Glücksburgerin Ute Witt will neu bauen und im Schatten des Ruheforstes ein Café betreiben. Wasserläufe könnten das Projekt verhindern.

shz.de von
01. März 2013, 07:39 Uhr

Glücksburg | Das frühere Restaurant Quellental ist seit drei Wochen im Besitz der Familie Witt. Eigentümerin Ute Witt erfüllt sich mit dem Kauf des maroden aber historisch bedeutenden Gebäudes einen kleinen Traum, wie John Witt sagt. Die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin und Ehefrau des noch amtierenden Stadtrats will an der Adelheidquelle ein Café betreiben.

Das allerdings ist gar nicht so einfach umzusetzen, wie John Witt berichtet. Der Forst bei Quellental ist seit den 60er-Jahren Landschaftsschutzgebiet. Zudem gehört ein Teil des an das Gebäude grenzenden Waldes dem Fauna-Flora-Habitat "Natura 2000" an, wie Bettina Koch von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg sagt. Damit ist der Wald ein besonders zu schützender Lebensraum (prioritär), dem nichts entnommen werden darf. Das bedeutet, die Bäume müssen stehen bleiben. Ein bestimmter Abstand bis zum Waldsaum muss eingehalten, aber vor allem "dürfen die Wasserläufe nicht beeinträchtigt werden", erklärt Koch. Um die genauen Wasserläufe zu kennen, muss Ute Witt ein Hydrologisches Gutachten in Auftrag geben. Sollte dabei heraus kommen, dass ein Neubau die Läufe verändern würde, "dann haben wir ein Problem", sagt John Witt. Der Kaufvertrag lasse keine Rücktrittsmöglichkeit zu.

Seit Sommer 2012 hatte das Immobilienmaklerbüro Densch und Schmidt das Objekt angepriesen. Etliche Interessenten hätten aufgrund der verschiedenen Hürden jedoch dankend abgelehnt. Anfangs wollte die langjährige Eigentümerin Miroslava Feliciusova noch 300 000 Euro haben. Ende des vergangenen Jahres lagen die Preisvorstellungen dann bei 150 000 Euro. Der nun gezahlte Kaufpreis betrug etwa 100 000 Euro, wie von verschiedenen Seiten zu hören ist.

Das Gebäude sei marode, sagt Witt. Eine Trinkwasserleitung gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Das Wasser soll der Adelheidquelle entnommen werden, was bei einem prioritären Lebensraum - wenn überhaupt - nur eingeschränkt passieren kann. Dazu seien im neuen Objekt ein Wasserwerk und eine Druckstation nötig. Für das Abwasser muss eine Leitung bis zur Straße gelegt werden. Kostengünstiger ist die bisher übliche Variante, die Leitung des Flensburger Segelclubs zu nutzen. Makler Herman Densch rechnet mit einer Investition von 500 000 Euro.

Quellental ist ein einfaches Kulturdenkmal, wie Ulrich Schwarz, Leiter des Fachdienstes Bauaufsicht beim Kreis Schleswig-Flensburg kürzlich erklärte. Es unterliege deshalb keinen Auflagen des Denkmalschutzes. Einem Abriss stehe nichts im Wege.

Die Planungshoheit über das Gelände hat die Gemeinde, dessen Verwaltungschef John Witt ist. Sein Vertrag läuft mit Jahresende aus. Die Entscheidungshoheit bezüglich der Einhaltung von Landschaftsschutzbestimmungen liegt beim Kreis. Dem Innenministerium in Kiel obliegt es, den Flächennutzungsplan zu genehmigen.

Eine Überschneidung seines Amtes als Verwaltungschef mit seiner privaten Verbindung als Ehemann der Eigentümerin sieht Witt nicht. Die einzige Aufgabe des Glücksburger Bauamts in dem Prozess sei es, die Pläne des Architektenbüros in die ordnungsgemäße Vorlagenform zu bringen. Über den B-Plan entscheidet die Stadtvertretung.

Der Bauausschuss stimmte bereits kürzlich dem Aufstellungsbeschluss zu. Damit ist der Weg frei, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 44 "Sondergebiet Tourismus Quellental" zu erarbeiten, der als Grundlage dienen soll.

Ute Witt war bis Redaktionsschluss gestern persönlich nicht zu erreichen.

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