Generationen in Flensburg : Quartiers-Projekte: 102.000 Euro fließen in die Stadtteile

Sieht aus der Vogelperspektive freundlicher aus als aus der Nähe: Der Geschäftskomplex am Hafermarkt steht nach nur 26 Jahren vor dem Totalabriss.
Sieht aus der Vogelperspektive freundlicher aus als aus der Nähe: Der Geschäftskomplex am Hafermarkt steht nach nur 26 Jahren vor dem Totalabriss.

Einstimmiger Beschluss: Sozialausschuss will Verantwortung für Stadtteilfonds vor Ort ansiedeln

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12. Dezember 2017, 06:24 Uhr

Erstmals gibt Flensburg finanzielle Verantwortung direkt in die Stadtteile: Bislang stellt die Stadt jedes Jahr für die offene Altenhilfe 102 000 Euro als freiwillige Leistung zur Verfügung. Doch vom Ertrag sind Dezernentin Maria-Theresia Schlütter und der Sozialfachbereich nicht überzeugt. Denn ab Januar soll das Geld nicht mehr als institutionelle Förderung in Begegnungsstätten und betreutes Wohnen fließen, sondern auf Antrag in alle möglichen Projekt in den 13 Stadtteilen. „Bisher werden die Angebote überwiegend vom Menschen im Alter von 75 plus genutzt, meist in festen Gruppen“, erklärte Schlütter gestern vor der Sitzung des Sozialausschusses, der das Vorhaben später einstimmig absegnete.

Deshalb führt die Stadt ab Januar ein ganz neues Verfahren ein. Alle Einwohner dürfen für 2018 Anträge für einzelne Projekte bis maximal 3000 Euro im Quartier stellen. Diese müssen vier Kritierien erfüllen: sie sollen generationenübergreifend sein, Aspekte der Inklusion abdecken, multikulturell sein und nachbarschaftsstärkend.

Zweiter zentraler Aspekt ist, dass über die Projektanträge nicht mehr im Rathaus entschieden wird. Diese Aufgabe übernehmen im neuen Jahr vier Förderbeiräte, die eigens dafür geschaffen werden und zweimal jährlich tagen sollen. Die Stadtverwaltung soll dann nur noch unterstützen und beraten.

Die Einwohner sollten künftig ihre eigenen Experten sein, erklärte Heidi Lyck aus dem Fachbereich, eine der Initiatorinnen der neuen Förderidee: „Das ist mutig und kein einfacher Weg. Aber das ist Demokratie.“ Die Lebensqualität für ältere Menschen steige vor allem dann, wenn Begegnung über Generationen in den Quartieren stattfinde, sagte Sozialfachbereichsleiter Thomas Russ.

Welche Ideen die Bürger haben könnten jenseits von Sommerfesten und Chorprojekten? Erste Hinweise darauf ergab eine Befragung in Mürwik und auf dem Friesischen Berg, die Gesa Enguari von der Europa-Uni vorstellte: 51 Prozent der befragten Senioren fehlen zum Beispiel öffentliche Toiletten in den Stadtteilen. Viele vermissen auch überdachte Sitzgelegenheiten an Bushaltestellen. Und etlichen wird in den Tempo-30-Zonen viel zu schnell gefahren.

Neuer Stadtteilfonds

Der neue „intergenerative Stadtteilfonds“ soll mit jeweils einem eigenen Förderbeirat für vier Gebiete entscheiden:

1. Mürwik, Engelsby, Tarup mit zusammen 8106 Personen über 60 Jahre und anteilig rund 33000 Euro

2. Fruerlund, Jürgensby, Sandberg (5127 Personen /21000 Euro)

3. Neustadt, Nordstadt, Westliche Höhe, Altstadt (6042 Personen/ 25000 Euro)

4. Weiche, Südstadt, Friesischer Berg (4379/18000)

Dem Förderbeirat soll jeweils ein Mitglied der im Gebiet aktiven Stadtteilforen angehören sowie je ein Vertreter von Seniorenbeirat, Stadtjugendring und des Runden Tisches Integration)

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