Kunst in Flensburg : Quallen und Wellen aus Holz

Bildhauer und ihre Werke: v. l. Katharina Bergmann, Johannes Caspersen, Silke Heintzmann-Menzel und Bettina Schwarze im Museumswerk-Hof.
Bildhauer und ihre Werke: v. l. Katharina Bergmann, Johannes Caspersen, Silke Heintzmann-Menzel und Bettina Schwarze im Museumswerk-Hof.

Bildhauer-Symposium „Hands on Board“ im Museumswerk: Ausstellung der maritimen Werke ab Freitag

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16. Juli 2018, 06:25 Uhr

Die Idee hatte Gustav Winkler von einem Besuch im dänischen Højer mitgebracht: Dort treffen sich regelmäßig Bildhauer, um ihren natürlichen Werkstoff Holz in künstlerische Form zu bringen. „Die wollte ich dieses Jahr in meinen Hof einladen, doch aus zeitlichen Gründen hat das nicht geklappt“, sagt der erblindete Senior (und Dampfbootbesitzer), der Kunstwerke mittlerweile tastend wahrnimmt.

Johannes Caspersen griff die Idee auf und initiierte das 1. Flensburger Relief-Bildhauer Symposium – im Hof von Winklers ‚Museumswerk‘ direkt neben dem Schifffahrtsmuseum. Ein Wochenende im Juni ging der Bildhauer mit drei anderen örtlichen Kunstschaffenden in Klausur, um Werke unter dem Motto ‚Hands-On-Board‘ zu kreieren. „Während unsere dänischen Kollegen große Eichenskulpturen erschaffen, haben wir uns auf Reliefs konzentriert. Der maritime Aspekt liegt in der Hafenstadt Flensburg nahe, hatten doch auch die früheren Frachtsegler meist ein geschnitztes Reliefschild am Heck“, sagt er. Die Aktion, die vom Kulturbüro der Stadt unterstützt wird, hat bewusst klein angefangen, soll fortgesetzt werden und „darf sich gern entwickeln.“

Mit dabei war Bildhauerin Silke Heintzmann-Menzel: Einen großen Balken von der Museumswerft hat sie mit erhabenen Reliefs wie Fischen und einem ‚AHOJ‘ verziert, weitere Ideen werden noch umgesetzt. „Es war schön, mal etwas Anderes als eine Auftragsarbeit herzustellen. Atypisch war das Arbeiten mit Kiefer, das Holz ließ sich wegen des Alters jedoch gut schnitzen.“

Auch Kollegin Katharina Bergmann empfand das konzentrierte Teamwork über drei Tage als sehr inspirierend. In ihrer Jellyfish Manufactory fertigt sie Quallen aller Formate und Materialien. Dem Thema ist sie treu geblieben, hat eine solche jedoch mit Kupfer- und Messingdraht über zahllose ‚Blaunägel‘ reliefartig in ‚String Art‘ gewunden. „Symbiotisch mit anderen Materialien zu arbeiten, war überraschend spannend.“ Bildhauerin Bettina Schwarze, wie alle anderen ebenfalls aus Flensburg, hatte die Holzverkleidung eines alten Herdes von zu Hause mitgebracht. Unter Integration vorhandener Lüftungslöcher hat sie als spontanes Motiv darauf eine Reihe von ‚Figuren am Wasser‘ geschaffen, „die viel Interpretationsspielraum lassen.“

Alle vier Künstler profitieren vom gemeinsam-kreativen Arbeiten im Hof des ‚Museumswerk‘, bei dem sie zudem viel Zuspruch von Gästen des Schifffahrtmuseums erhielten. „Die traditionelle Umgebung und unsere moderne Bildauffassung haben ein lebendiges Spannungsfeld erzeugt, in dem wir uns künstlerisch und mit Anspruch entfalten konnten“, so das Fazit von Johannes Caspersen, der selbst ein großformatiges Relief „Wellen“ gestaltet hat. Er ist auch Ansprechpartner für weitere interessierte Künstler oder mögliche Sponsoren (Stichwort Holz).


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