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Neue Hotline : Psychische Probleme häufen sich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburg ist führend bei Krankschreibungen aufgrund von seelischen Erkrankungen – eine Beratungshotline soll jetzt helfen

„Wir waren sehr erschrocken, wie viele Betroffene mit psychischen Problemen es in Flensburg eigentlich gibt“, sagt Katharina Petersen. Sie berät Betroffene in der Beratungsstelle Frau und Beruf. Petersen zu folge komme es durch die hohe Anzahl von psychisch erkrankten Menschen zu einer Überlastung der Beratungsstellen. Ein regionaler Verbund will die Situation nun verbessern und startet im Februar mit einer Beratungshotline.

Psychische Probleme seien sehr oft die Ursache für längerfristige Krankschreibungen, sagt Dieter Schulz. Er ist Niederlassungsleiter der AOK Flensburg und kann Zahlen nennen: In Flensburg seien 40 Prozent der langfristig krankgeschriebenen Arbeitnehmer, dies aufgrund von psychischen Problemen. In absoluten Zahlen betrifft es zwar nur einige hundert Personen, der Anteil der Langzeitkranken mit psychologischen Problemen ist dabei aber doppelt so hoch wie in Niebüll (22,9), Rendsburg (16,7) oder Schleswig (25,9). „Der prozentuale Anteil ist schon sehr auffällig“, sagt Schulz.

Einen möglichen Grund für die hohe Zahl nennt Psychologin Marietta Blaue: „Vielleicht liegt es daran, dass es in Flensburg viele problematische Arbeitsplätze gibt, die nur wenig Erfüllung bieten.“ Nach Erfahrungen der Beratungsstelle Frau und Beruf würden besonders Menschen aus dem Pflege- und Erziehungsbereich Hilfe suchen: „In Flensburg haben prekäre Arbeitsbedingungen und steigende Arbeitsbelastungen stark zugenommen“, sagt Petersen.

Bei einem runden Tisch im Herbst 2012 trafen sich Vertreter von 20 Institutionen, um sich über die Problematik der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz auszutauschen. Als Folge des Treffens gründete sich der „Verbund Flensburg für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“: Im Verbund versammelt sind neben Vertretern von Krankenkassen, Psychologen, Diakonischem Werk, Haus der Familie und der Universität Flensburg auch Gewerkschaften und der Arbeitgeberverband.

„Das Thema geht uns alle an, und ich sehe es als gesamtgesellschaftliche Verantwortung“, sagt Fabian Geyer vom regionalen Arbeitgeberverband. Er sieht keine Unterschiede zwischen den Arbeitsbedingungen in der Stadt und im Kreis und kann sich die Zahlen nicht erklären: Möglicherweise würden in Flensburg aber mehr Menschen mit finanziellen Problemen oder in Hartz IV leben. Menschen in dieser Situation würden dann vielleicht eher psychische Probleme bekommen.

Um Betroffenen schnell zu helfen, soll ab dem 3. Februar eine telefonische Beratung eingerichtet werden. Jeweils zwei Mitarbeiter des Verbunds werden dann Montags eine telefonische Erstberatung anbieten. Das Angebot gelte aber nicht nur für Arbeitnehmer, sondern solle auch Personalverantwortlichen helfen. Die Zusammenarbeit von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband macht das Beratungsangebot zu etwas besonderem.

Arbeitspsychologin Marianne Resch von der Uni Flensburg wird ebenfalls beraten und das Projekt wissenschaftlich begleiten. Dadurch will sie Erkenntnisse über die Ursachen der psychischen Belastung am Arbeitsplatz gewinnen. Durch die Hotline wird es auch möglich sein, Termine bei anderen Beratungsstellen zu organisieren. Die Wartezeit für einen Termin könne sich dadurch stark verkürzen. Deutlich wird hier ein weiteres Problem: „Wer heutzutage psychische Probleme hat, braucht sehr lange bis er Hilfe bekommt“, sagt Petersen. In Flensburg müssten Betroffene bis zu sechs Monate auf einen Termin warten.

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erstellt am 15.Jan.2014 | 19:01 Uhr

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