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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 21:52 Uhr

Promi-Plagiate hinterlassen Spuren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Studenten der beiden Hochschulen achten stärker auf korrektes Zitieren bei wissenschaftlichen Arbeiten / Dozenten prüfen mit spezieller Software

von
erstellt am 30.Jan.2014 | 17:01 Uhr

Karl-Theodor zu Guttenberg spukt ihr immer noch im Kopf herum. Gerade jetzt zur Prüfungszeit. „Ich schaue dann auf jeden Fall noch genauer hin, ob die Quellen stimmen“, sagt Lehramtsstudentin Marleen Wittmaack. Die Plagiatsaffäre um den ehemaligen Verteidigungsminister löste eine ganze Welle von aberkannten Doktortiteln bei prominenten Politikern aus – und rückte das Thema auch an den beiden Flensburger Hochschulen in den Fokus.

Das bestätigt der Präsident der Fachhochschule (FH), Herbert Zickfeld: „Die Plagiatsfälle der Vergangenheit haben sicherlich auch unser Problembewusstsein geschärft.“ Dies trifft auch auf die Universität zu. „Es gab zuletzt einen leichten Anstieg von Plagiatsverdachtsfällen, meist in Hausarbeiten, seltener in Abschlussarbeiten“, berichtet Berthold Hass vom Internationalen Institut für Management und ökonomische Bildung. Er leitet den Prüfungsausschuss der Bachelor- und Masterstudiengänge in den Fächern European Studies und International Management.

Von Panikmache könne aber keine Rede sein, versichern Zickfeld und Hass. Der Uni-Professor sagt: „Es handelt sich um weniger als zehn Fälle pro Jahr – bei rund 1000 Studierenden, die wiederum zum Teil mehrere Hausarbeiten pro Jahr schreiben.“ Ähnlich sieht es Zickfeld: „Die Wahrscheinlichkeit von Plagiaten ist relativ gering.“

Dieses Bild zeichnet auch Robert Krugmann, Asta-Vorstandsmitglied der FH. „Die Plagiatsaffären haben uns Studenten deutlich mehr für dieses Thema sensibilisiert.“ Er stelle durchaus fest, dass die studentische Selbstkontrolle zugenommen hat. „Es gibt die Tendenz, dass die Quellen vor dem Abgeben einer Hausarbeit ganz genau überprüft werden.“

Bei vielen Uni-Studenten ist es nicht anders. „Klar redet man mit Kommilitonen und Dozenten darüber“, bestätigt Lehramtsstudentin Anna Grahmann. „Aber wir achten ohnehin sehr genau auf die Quellenangaben, weil die Zitierweise vom jeweiligen Dozenten abhängt.“

Doch die Plagiatsaffären der prominenten Politiker haben praktische Änderungen im Prüfungsalltag zur Folge. Hass: „Die Suche nach Plagiaten ist systematischer geworden, etwa durch eine standardmäßige Vorprüfung mittels Plagiatssoftware.“

Einen Schritt eher setzen die vier Lehrkräfte von Uni und FH für besondere Aufgaben an: Seit anderthalb Jahren bieten sie Kurse und Workshops rund um das wissenschaftliche Schreiben auf Deutsch und Englisch an, bei denen das Zitieren eine Rolle spielt. Allein dieses Semester sind es rund 25. „Die Nachfrage ist insgesamt leider noch immer gering“, bedauert Regine Theuerkauf, die zu dem Lehrkrafts-Quartett gehört. „Bei denen, die zu uns kommen, stellen wir eine große Unsicherheit fest, ,aus Versehen‘ zu plagiieren.“ Auch ihnen dürfte Karl-Theodor zu Guttenberg im Kopf herumspuken.

Weitere Informationen: www.zhb-flensburg.de

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