zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

23. September 2017 | 04:18 Uhr

Segeln : Projekt Karu: Drei Mann und ihr Boot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Ingenieur, ein Bootsbauer und ein Segellehrer bauen ihr Traumschiff. Ihr Prototyp soll bis zur Marktreife entwickelt werden .

Flensburg | Benjamin Stoelck, Malte Momme Schmidt und Marinus Liebherz – ein Arzt, ein Bootsbauer und ein Schiffbauingenieur – teilen seit vielen Jahren die Leidenschaft für das Segeln. Aber sie fanden immer etwas zu bemängeln an den Booten, mit denen sie segelten. Nach vielen Man-müsste-mal-Gedankenspielen haben sich die drei im vergangenen Herbst dazu entschossen, eine Jolle nach ihren Vorstellungen zu bauen. Der Prototyp ist so gut wie fertig und hat auch schon einen Namen: Karu.

Malte Schmidt und Benjamin Stoelck waren bis vor kurzem an der Hanseatischen Yachtschule beschäftigt, der eine als Technischer Leiter, der andere als Segellehrer. „Die Segelanfänger kamen vom Optimisten auf den Piraten. Das ist die Einsteigerjolle Nummer eins“, sagt Segellehrer Stoelck, der im Hauptberuf Chirurg am Franziskus-Krankenhaus ist. Der aus den 30er Jahren stammende Pirat ist seiner Meinung nach „nicht in allen Bereichen optimal und teilweise einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Wir wollen die Vorteile des Piraten übernehmen und ins 21. Jahrhundert bringen“, fügt Marinus Liebherr hinzu. Die Innovationen seien bitte nicht falsch zu verstehen, betont Malte Schmidt: „Wir sind absolute Piraten-Fans! Aber wir wollen eine leicht zu handhabende Gleitjolle mit Gennaker für drei schwere Männer und zwei davon im Trapez!“

Angestrebt ist ein eher kleines Boot, 5,45 m lang, mit einem Schwert, das in den Rumpf eingezogen werden kann. Schnell soll die Jolle ins Gleiten kommen und dabei einfach in der Bedienung sein. „Das Cockpit soll übersichtlicher werden. Außerdem sollte heutzutage eher das Segeln mit einem Gennaker anstelle des Spinnakers möglich sein“, so Marinus Liebherz. Der Gennaker sei einfacher zu bedienen und bringe mehr Geschwindigkeit auf dem Wasser, so Stoelck. Das Boot sei für Menschen gedacht, die keine Leistungssportler sind, aber trotzdem Spaß und eine gute Zeit auf dem Wasser suchen.

Die drei Freunde sitzen mit einem ausgedruckten 3-D-Modell in der Wasserflugstation von Sonwik, die ab dieser Saison von Malte Schmidt betrieben wird. Äußerlich fallen an dem Modell runde, breite Seitenränder auf. „Ergonomisch sind die bei Schräglagen viel besser zum Sitzen oder Stehen im Trapez geeignet als scharfe Kanten“, sagt der Mediziner Stoelck. Schmidt gibt einen Überblick über die nächsten Schritte: „Im Augenblick schleifen wir in einer Halle den Rumpf. Der wird dann dunkelblau lackiert. Parallel wird am Rigg gebaut.“ Noch in diesem Sommer soll das Boot an die Wasserflugstation gelegt werden. Dort soll es dann ausgiebig von Segel-Enthusiasten getestet werden. „Wir wollen Karu genauso kritisch betrachten wie die Boote, an denen wir in der Vergangenheit etwas auszusetzen hatten.“ Darum zeigen die drei auf Facebook ihre Arbeit. Unter dem Titel „Drei Mann ein Boot“ kann man den Entstehungsprozess von Karu verfolgen.

Kritisch sieht eine neue Jolle zum Beispiel Steffen Radtke von der Hein Bootswerft in der Nähe von Elmshorn. Er hat vor kurzem mit dem Deutschen Hochseeverband Hansa (DHH) einen Vertrag über 12 neue Piraten für die Glücksburger Dependance abgeschlossen, Schmidts und Stoelcks alter Wirkungsstätte. Radtke sieht ein großes Problem darin, eine neue Bootsklasse zu etablieren. „Da muss es erstmal genug Boote geben, damit man auch Regatten in Gang bekommt.“ Die drei Flensburger wissen um diese Schwierigkeiten. Und ob sie die Herstellungskosten, die sie komplett selber tragen, jemals zurückbekommen, steht in den Sternen. Aber Karu ist ein Herzensprojekt. Ans Geldverdienen denkt erstmal noch keiner.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen