Fachhochschule Flensburg : Professor arbeitet auf eigene Rechnung

<strong>Viele Fenster</strong> werden im Rahmen des Konjunkturpakets II  an FH und Uni Flensburg erneuert. Foto: grafikfoto.de
Viele Fenster werden im Rahmen des Konjunkturpakets II an FH und Uni Flensburg erneuert. Foto: grafikfoto.de

Ausgefallene Kurse, kopierte Prüfungsaufgaben, nicht nachvollziehbare Noten: Private Engagements eines Hochschullehrers in der Kritik.

shz.de von
28. Juli 2014, 15:15 Uhr

Flensburg | Im Konflikt um den Rückzug des Motorenkompetenzzentrums MCC der Firma Secop vom FH-Campus und private Beraterverträge eines Professors der Antriebstechnik hat sich Fachhochschul-Präsident Herbert Zickfeld eingeschaltet. Er will untersuchen, ob der Hochschullehrer mit zahlreichen privaten Engagements womöglich Dienstpflichten vernachlässigt hat: „Sie können davon ausgehen, dass die Nebentätigkeitsgenehmigungen sehr sorgfältig geprüft werden“, erklärte der FH-Chef am Wochenende dem sh:z. In besonderem Fall könnten diese entzogen werden.

Es geht um die Frage, ob der Professor vom Institut für Elektrische Energiesystemtechnik seine Lehr- und Prüfungsverpflichtungen vernachlässige. Es gibt Klagen, dass Klausuren nicht ordentlich korrigiert, Anfragen von Studierenden nicht beantwortet werden und Benotungen nicht nachvollziehbar seien. Erst vor zwei Wochen hätten sich gleich zwei Studierendengruppen „bitterlich beklagt“, räumt FH-Präsident Zickfeld ein. Damit stehen die Studierenden nicht allein. „Man hat den Eindruck, dass er nicht mit gleichen Maßstäben misst“, sagt ein FH-Dozent, der ungenannt bleiben möchte und ergänzt: „Er ist in seiner Beurteilung nicht ganz nachvollziehbar.“

Wirft man einen Blick in die – allerdings generell eher kritischen – Studierendenbewertungen, liest sich das noch drastischer: „Man hat das Gefühl, die Vorlesung sei eine nervige Nebensache und muss nur gemacht werden, um die Vorteile des Standortes nutzen zu können“, heißt es dort etwa. „Mails werden nicht beantwortet, und die Vorlesungen sind wohl ein notwendiges Übel, um weiter die FH für sein eigenes Unternehmen auszunutzen“, steht an anderer Stelle. Viele Kursausfälle, anderswo kopierte Skripte und Prüfungsaufgaben – die Liste der Kritiker ist lang.

Insgesamt geht es bei dem Konflikt zwischen der FH-Spitze und ihrem 57-jährigen Hochschullehrer auch um Vertrauensschutz und Wirtschaftsspionage. Denn mit der Trennung zwischen MCC und dem Professor sind mindestens drei FH-Ingenieure zum Anfang Juli gestarteten Wettbewerber Moteg in die frühere Bundesbank-Filiale Waitzstraße gewechselt. „Hier werden Fachkräfte abgezogen, und der Professor arbeitet für die Konkurrenzfirma“, schimpft ein FH-Mitarbeiter. Auch er möchte aber nicht genannt werden. Nach Tageblatt-Informationen beinhaltete der private Beratervertrag von MCC mit dem Professor Geheimhaltungsverpflichtungen und Konkurrenzschutz. Die spannende Frage: Was davon gilt noch nach der fristlosen Kündigung des Professors durch MCC? Der Professor äußerte sich auf Tageblatt-Anfrage nicht. FH-Chef Zickfeld indes sorgt sich noch mehr um etwas anderes: „Wir sind der natürliche Partner der kleinen und mittleren Unternehmen.“ Da darf das Vertrauen in die Hochschule nicht verletzt werden.

Thomas Schunck, Sprecher des Wissenschaftsministeriums erklärte zur Tatsache, dass nur private Verträge zwischen dem Professor und der Firma MCC existierten – zumal Geld aus dem Ministerium floss: Das Land habe 2011 für die Kooperation zwischen FH und Secop/MCC Räume der FH Flensburg für 55 000 Euro hergerichtet, die die FH dann für 1425 Euro an Secop vermietet habe. Wobei Schunck einschränkt: „Die Umbauten wären aber auf Sicht ohnehin erforderlich geworden, um die Räume für Lehr- und Forschungszwecke herzurichten, auch wenn Secop/MCC nicht oder nur kurz eingezogen wäre.“

Die Geschichte reiht sich nahtlos ein in allerlei Seltsamkeiten. Schon der Start von MCC an der FH stand in keinem guten Licht. Am gleichen Tag im Januar 2012, als Secop und die FH dem damaligen Wissenschaftsminister Jost de Jager das neue Motorkompetenzzentrum MCC in einer Pressekonferenz präsentierten, mussten die Secop-Betriebsräte die Ankündigung entgegennehmen, dass die Hälfte der damals noch fast 200 Jobs gestrichen würden. Da schließt sich noch ein Kreis. Gerade verhandelt MCC-Mutterfirma Secop mit ihrem Betriebsrat über die Streichung von 25 Labor-Jobs.

Professoren  und Nebenjobs

Was darf ein Professor neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit?
Das regelt § 3 Abs. 1 Hochschulnebentätigkeitsverordnung (HNTVO). Zulässig eine eine freiberufliche Tätigkeit, wenn

•    sie grundsätzlich in der Form einer Beteiligung an einer Gesellschaft oder der Mitarbeit in einem Büro ausgeübt wird,

•    das Büro in vertretbarer Nähe zum Dienstort liegt,

•    eine Trennung der Aufgaben und sachlichen und personellen Ausstattung des Büros von den Einrichtungen der Hochschule gewährleistet ist und

•    sichergestellt ist, dass  der Beamte durch die Ausübung der Nebentätigkeit nicht daran gehindert wird, der Hochschule an vier Tagen wöchentlich für Dienstaufgaben uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen.

Das gilt entsprechend für die selbstständige Tätigkeit in einem Unternehmen, das Betreiben eines Labors, eines Instituts oder einer ähnlichen Einrichtung. Liegen die o.g. Voraussetzungen nicht vor, ist die Ausübung einer freiberuflichen Tätigkeit zu versagen.

Gibt es Obergrenzen?
Obergrenzen sind in der HNTVO nicht geregelt. Allerdings besteht nach § 5 HNTVO auf Anforderung Auskunftspflicht.

Antworten: Thomas Schunck, Pressesprecher im Kieler WissenschaftsministeriumDanfoss/Secop-Historie

Danfoss/Secop-Historie:
12. Juli 2010:  Danfoss und die Industrieholding Aurelius vereinbaren den Verkauf der Kompressoren-Sparte. Ab November firmiert sie unter Secop.

18. Juli 2011: Motor-Kompetenzzentrum MCC von Secop zieht an die FH. Es wird aber kein Vetrag zwischen Secop/MCC und der FH geschlossen, sondern ein privater Beratervertrag zwischen  einem FH-Professor und der Firma MCC

November 2011: Trotz großer Platzprobleme in der FH werden Secop/MCC mehr als 400 Quadratmeter Räume zur Verfügung gestellt.  Teile der FH-Motorenhalle weichen für Motormusterbau, ein Teil der Elektromotorenhalle wird  zurückgebaut.

1. Juli 2014: Moteg GmbH unter Führung von  Ex-Secop-Forschungschef Siegfried Götz nimmt in der Waitzstr. 6, der früheren Bundesbank, die Geschäftstätigkeit auf – mit drei früheren MCC-Ingenieuren.

Zur Berichterstattung über  die  eingeworbenen Forschungsmittel (Drittmittel) des Flensburger FH-Professors, die nach dessen Angaben 2,7 Millionen Euro  betragen sollen, erklärt FH-Präsident Herbert Zickfeld: „Unser Controlling weist für den Zeitraum von 2006 bis 2015 einen Drittmittelbetrag von insgesamt 490.012 €. Dies entspricht einem Jahresmittel von 49.001,20 €.

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