Schleswig-Flensburg : Private Hilfe für mobile Büchereien

Spenderin aus Schafflund schenkte dem Büchereiverein 20 000 Euro / Rücklage für neuen Bücherbus kann wieder aufgefüllt werden

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27. Februar 2013, 06:49 Uhr

Schleswig-Flensburg | Zunächst glaubte Joachim Schreier nicht richtig gehört zu haben. 20 000 Euro als private Spende nur für den Bücherbus? Doch die Anruferin machte ernst. Nachdem sie ihre Geschichte erzählt und erklärt hatte, warum ausgerechnet die fahrende Bücherei neben beispielsweise SOS-Kinderdörfern in den Genuss einer solch stattlichen Summe kommen sollte, dauerte es nur wenige Tage, bis das Geld auf dem Konto des Büchereivereins einging - zweckgebunden für die beiden Bücherbusse im Kreis Schleswig-Flensburg. Für Schreier fast wie ein Sechser im Lotto, denn den in Tarp für die beiden Bücherbusse zuständigen Mitarbeiter plagen seit dem Ausstieg des Kreises aus der Finanzierung im Jahr 2011 erhebliche finanzielle Sorgen.

Die Spenderin, eine Mitfünfzigerin aus Schafflund, die unbedingt anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber Schreier, dass sie schon als Kind begeisterte Leserin war und den Bücherbus regelmäßig nutzte. Auch im Beruf als Lehrerin habe sie mit dem Bücherbus gute Erfahrungen gesammelt. Vor allem Kinder in den Landgemeinden sollten dieses Angebot auch in Zukunft nutzen können, begründete sie ihr Engagement.

Das Geld kann der Büchereiverein gut gebrauchen. Denn nach dem heftig umstrittenen Rückzug des Kreises aus der Finanzierung vor zwei Jahren müssen Gemeinden und Büchereinutzer auch für den Bücherbus deutlich mehr bezahlen, ohne dass dadurch alle Löcher zu stopfen wären. "Im vergangenen Jahr konnten wir unseren Haushalt nur ausgleichen, indem wir 40 000 Euro aus der Rücklage für einen neuen Bus genommen haben", sagt Schreier. Damit waren die Sparbemühungen von vier Jahren zunichte gemacht, denn pro Jahr werden 10 000 Euro zurückgelegt. Die gleiche Summe soll nun aus der Spende für einen neuen Bus zur Seite gelegt werden. Zumindest einer der zwei Busse, die von Tarp aus im Kreisgebiet unterwegs sind, ist aus Sicht Schreiers bereits altersschwach. "Wie lange macht es der Alte noch?" Eine Frage, die ihn ständig bewege, sagt er angesichts eines Fahrzeugs, das bereits 20 Jahre auf dem Buckel hat. "Der Motor würde sicher noch 500 000 Kilometer schaffen, aber der Rest nicht." Zuletzt mussten die maroden Federaufhängungen erneuert werden, Kostenpunkt: 5000 Euro. Der zweite Bus ist auch schon 16 Jahre alt. Insofern bedeute die Spende der Schafflunderin einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung, so Schreier.

Ein weiterer Teil des Geldes soll eingesetzt werden, um das Angebot der Bücherbusse attraktiver zu gestalten. Registrierte Nutzer im Kreisgebiet sollen künftig an der "Onleihe zwischen den Meeren" teilnehmen können. Auf dieser Internetplattform können sie auf 4000 digitale Bücher, Zeitschriften, Hörbücher und vieles mehr zugreifen - diese Medien werden also online ausgeliehen.

Durch dieses neue Angebot möchten die Fahrbüchereien auch die Kunden ansprechen, die bisher den Bücherbus nicht nutzen konnten - etwa aus zeitlichen Gründen oder weil sie gehandicapt sind. So wie die Spenderin der 20 000 Euro, die auf den Rollstuhl angewiesen ist.

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