Prima Klima für Energie-Gründer

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17. März 2011, 07:10 Uhr

Flensburg/Schleswig | Das Klima für junge Firmen und Existenzgründer auf dem Feld der erneuerbaren Energien scheint nirgendwo so gut zu sein wie im äußersten Norden der Republik: Einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW Mannheim) zufolge gibt es im IHK-Bezirk Flensburg die bundesweit höchste Gründungsintensität im Bereich "Bergbau/Energie". Und da die Nord-Region bislang nicht großartig im Unter-Tage-Geschäft auffällig geworden ist, sind die Gründungen fast ausschließlich der Branche der neuen Energien zuzurechnen. Fast zehn Prozent der Gründungen hat das ZEW für die rege kleine Energiebranche im hohem Norden errechnet. Diese hohe Quote sei auch auf die Gründung von Unternehmen zur Projektierung und zum Betrieb von Windkraft- und Solaranlagen zurückzuführen.

Bei der Industrie- und Handelskammer Flensburg sind 2010 insgesamt 6077 Gewerbeanmeldungen registriert worden. Würde man nun alle Wind- und Solaranlagenbetreiber mitzählen, wäre sogar fast jeder vierte Betrieb ein Energiegründer. Ulrich Spitzer von der IHK hat für 2010 nämlich allein 1442 Neuanmeldungen von Photovoltaikanlagen im IHK-Bezirk gezählt, zusätzlich über 150 neue Biogas-, Wind- und Solaranlagen: "Die hohe Zahl neuer Energieerzeuger in der Region zeigt die große Akzeptanz der erneuerbaren Energien im Norden", findet der IHK-Vize. Zwar sei der Schub bei den Photovoltaikanlagen nicht zuletzt Folge der Veränderung bei der Einspeisevergütung. "Doch auch ohne diese Effekte überwiegen die Gewerbeanmeldungen im Bereich der regenerativen Energien die anderen Branchen bei Weitem", so Spitzer weiter. Und von der Einspeisevergütung für den Solarstrom profitierten Solar-Unternehmen von Konstanz bis Flensburg gleichermaßen. Da sie Strom ins öffentliche Netz einspeisen, wird jeder Häuslebauer mit einer Sonnenstromanlage auf dem Dach oder Carport als energieerzeugendes Unternehmen gerechnet.

"Interessant sind aber wohl eher die Firmen, die nicht nur eine Anlage betreiben", sagt Olav Hohmeyer, der an der Uni Flensburg Energie- und Ressourcenmanagement lehrt. Besonders aufgefallen seien etwa die Firmen im Zusammenhang mit dem Haus für Zukunftsenergien in Husum , die Windplaner von GEO oder Energie aus Wind und Sonne (EWS) in Handewitt. Ein echter Faktor in der Branche ist mittlerweile auch Lorenz Feddersen mit seiner Firma Fecon. Dort werden Wechsel- und Frequenzumrichter für Wind- und Solaranlagen gefertigt, die erfolgreich exportiert werden. Bei einer Besichtigung an der Eckernförder Landstraße in Flensburg sticht insbesondere der innovative Batteriespeicher ins Auge, der bereits als Prototyp vorhanden ist und zukünftig zur Bereitstellung von Regelleistung oder aber für Insel-Lösungen

interessant sein könnte.

Zu den hoffnungsvollen und ganz frischen Gründern wird der Flensburger Bioverfahrenstechniker Holger Schneider mit seiner Firma Conviotec gezählt, die er im vergangenen Sommer gegründet hat. Conviotec, eine Ausgründung aus der Fachhochschule, will aus Gülle und Abwasser in einem Standard-Container Biogas erzeugen. Noch neuer ist eine Gründung aus dem Flensburger Technologiezentrum: Das im Februar 2011 gestartete Unternehmen C und K Energiemanagement um Dirk Carstensen und Jan Krebs beschäftigt sich mit der energetischen Verbesserung von Bestandsimmobilien. Die beiden Gründer sind Fachleute für Gebäudeökonomie und versprechen hersteller- und produktunabhängige Beratung.

Die Zeichen stehen auch bei Easywind aus Langenhorn auf Wachstum, die die bisher einzige zertifizierte Kleinwindkraftanlage im Land haben - in Kooperation mit der FH Flensburg.

Noch eine ungewöhnliche Firma der Branche hat ihren Sitz in Flensburg: Die KWKon Kraft-Wärme-Konzepte GmbH um Geschäftsführer Christian Janout beschäftigt sich mit Blockheizkraftwerken, die mit Pflanzenöl betrieben werden.

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