Frühschoppen im Borgerforeningen Flensburg : Premiere für neuen Ober-Handwerker

Kreishandwerksmeister Günther Görrissen
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Kreishandwerksmeister Günther Görrissen

Günther Görrissen fordert von der Stadt mehr Tempo bei Hotel-Planung, Wohnmobil-Stellplatz, vier Spuren am Hafen und Gaststätte Bellevue.

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26. Januar 2015, 08:16 Uhr

Vier Landtagsabgeordnete, Stadtpräsidentin und Oberbürgermeister, weitere regionale Bürgermeister und Abgeordnete sowie Vorstände aus Verbänden und Wirtschaft waren da. Keine Frage: Der Handwerkerfrühschoppen ist auch in seinem 28. Jahr ein politisch-gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Zum ersten Mal seit seiner Wahl im vergangenen Herbst hielt der neue Kreishandwerksmeister Günther Görrissen die Festansprache im Borgerforeningen. Im Unterschied zur Ära des Amtsvorgängers Albert Albertsen kamen gestern Vormittag neben dem Kreishandwerksmeister auch zwei Innungsobermeister mit lebhaften Einblicken in den täglichen Arbeitsablauf gelebten Handwerks zu Wort. Vor und nach den Reden gab es für die zahlreichen regionalen Entscheidungsträger reichlich Raum für konstruktive Kontakte und Gespräche.

In seinen Ausführungen sprach Görrissen zahlreiche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen an, die das Handwerk in der Region betreffen. Das abgelaufene Jahr sei mit hohem Auftragsbestand und bei großer Investitionsbereitschaft von Unternehmen und privaten Kunden insgesamt gut verlaufen. Er beklagte jedoch „Begehrlichkeiten“ der Verwaltungen auf allen Ebenen, die der positiven Entwicklung im Handwerk abträglich seien (Stichwort Steuern und Abgaben). In Hinblick auf die Ausbildung des Nachwuchses sei das Handwerk ein starker und verlässlicher Partner: „Die etwa 600 Handwerksbetriebe unserer Kreishandwerkerschaft bilden zurzeit 1056 Lehrlinge in vielen Berufen aus“, sagte er. Auch jungen Menschen aus allen Ländern der Welt, die nach Deutschland kämen, biete das Handwerk eine Chance, „die Voraussetzungen sind für alle Jugendlichen gleich, das sagt schon unser Grundgesetz.“ Für seine Forderung, den Begriff ‚Migrationshintergrund‘ aus dem deutschen Wortschatz zu verbannen, erhielt Görrissen starken Beifall des Plenums. Das Handwerk wünsche ein friedliches Europa, unabhängig von Hautfarbe oder Religion.

Den neuen, gesetzlichen Mindestlohn begrüßte er als grundsätzlich richtig; er sei für das Handwerk gar kein Thema, denn „gut ausgebildete Mitarbeiter verdienen auch gutes Geld.“ Zu beklagen seien jedoch die vielfältigen und teils aufwändig-komplexen Aufzeichnungspflichten, die das Prädikat „Verwaltungsmonster“ verdienten.

Auf regionaler Ebene bat der Kreishandwerksmeister Flensburgs Rat und Verwaltung, die Themen Tagungshotel, einen repräsentativen Wohnmobil-Platz nach Vorbild Stadthafen Schleswig oder Maasholm sowie die Beibehaltung der vierspurigen Verkehrsführung Kielseng zu forcieren. Auch müsse die derzeitige Situation um das Restaurant an der Hafenspitze aufgelöst werden. Außerdem mahnte er einen generellen, ernsthaften Bürokratie-Abbau an, der jeden selbstständig Wirtschaftenden mit grundsätzlich langen Arbeitszeiten zusätzlich unnötig belaste.

Zu den zahlreichen Repräsentanten aus Verwaltung und Wirtschaft gehörte auch Ulrich Mietschke, Präsident des schleswig-holsteinischen Handwerks und Vorsitzender der bundesweit organisierten Kreishandwerkerschaften. Auch er forderte eine Reduzierung des immensen Verwaltungsaufwands im Kontext Mindestlohn. „Für Asylsuchende wünschen wir uns bessere Rahmenbedingungen. Ermöglicht man ihnen, schneller die deutsche Sprache zu lernen, haben viele eine berufliche Chance im Handwerk, und das Handwerk die Chance, dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken.“

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