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Ostseeschule Flensburg : Premiere auf der Rum-Regatta

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Restaurierung abgeschlossen: Kutter-Ewer „Providentia“ der Ostseeschule ist jetzt ganz offiziell ein Traditionsschiff mit Brief und Siegel

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2017 | 06:30 Uhr

Jetzt aber wirklich! Wenn am Sonnabend der Startschuss zur Rum-Regatta fällt, ist die „Providentia“ zwar nicht das erste Mal im Feld der Gaffelsegler unterwegs, feiert aber als echtes Traditionsschiff Premiere. An ihrem Liegeplatz vor dem Hafenwerk am Ostufer geben unter Leitung von Kapitän Kees van den Boos Handwerker und Freiwillige dem Schiff der Ostseeschule den letzten Schliff. Diesen Sommer wird der Ewer erstmals als Schulschiff unterwegs sein.

Nach der erfolgreichen Abnahme durch die BG Verkehr im April erfüllt der 1895 gebaute Finkenwerder Kutter-Ewer (HF 42) die Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe – damit erreicht das ambitionierte Projekt der Flensburger Modellschule die nächste Stufe. „Providentia“ soll Schülerinnen und Schülern in den nächsten Jahren eine seegehende Wissens- und Erlebnisplattform sein.

Schon diesen Sommer geht es los. Für die gemeinnützige Hamburger Lighthouse-Foundation sticht der Zweimaster von Schleimünde aus mit jungen „Küstenwächtern“ in See. In dem Projekt geht es um konkrete Forschungsarbeit mit Jugendlichen – teils auf der „Providentia“, teils in der Forschungsstation auf der Lotseninsel vor Schleimünde. Daneben, so Ostseeschulleiter Ulrich Dehn, wurde das Schiff bereits für Fahrten in Tagescharter auf der Kieler Woche gebucht.

Das entspricht exakt dem Konzept, das die Ostseeschule mit dem Traditionsschiff verfolgt. „Providentia muss Geld verdienen. Nicht um Gewinne zu erzielen, sondern, um seine Kosten einzufahren“, sagt Dehn. Zu diesen Kosten zählt auch der Schulbetrieb auf Decksplanken. Junge Menschen sollen so vom „Team-Building“ auf dem Meer profitieren – und zwar nicht nur Schüler der Ostseeschule. Auch andere sollen sich angesprochen fühlen, betont Ulrich Dehn.

Bislang mussten die jungen Schul-Teams hauptsächlich schuften. Der Ewer war gerade erst zur Hälfte restauriert, als die Ostseeschule ihn 2012 übernahm. Fünf Jahrgänge waren mit Teerkratzen, Deckölen, Grundieren, Schleifen, Drechseln, Pumpen, Pönen, Werkeln, Aufräumen gut beschäftigt. „Das waren mit Sicherheit nicht die attraktivsten Arbeiten, die die Schule im Rahmen ihrer Projekte zu vergeben hat“, meint der Schulleiter. Jetzt geht der Blick nach vorn. Wozu eine geräumige Providentia zu gebrauchen ist, zerstob als Traum in diesem Monat: ein deutsch-schwedisches Schulprojekt mit der Samskola in Göteborg, die übrigens schon Rilke begeisterte, wie Dehn beiläufig beisteuert. Mit den Schweden verbindet die Ostseeschüler eine Partnerschaft, die sie aufs Meer führen sollte, nur war leider Providentia nicht rasch genug bereit. Doch diese Fahrt mit Jugendlichen nach Göteborg und zurück wird nachgeholt – versprochen.

Die nordischen Gewässer sind dem Ewer nicht unbekannt, in ihrer langen Laufbahn hat die sich „Providentia“ erst, wie es ihre Bestimmung war, auf der Doggerbank und anderen rauen Revieren herumgetrieben, danach auch im Trüben gefischt. 1923 wurde sie als Alkohol-Schmuggelschiff vor Norwegen aufgebracht, zwangsversteigert, nach Schweden verkauft, wurde zum Bunkerboot degradiert, tuckerte als Küstenfrachter umher, war Privatyacht und wurde dann, erst in Hamburger Privathand, ab 2012 in Regie der Ostseeschule, wieder dem Ewer ähnlich, der 1895 bei J.C. Wriede vom Stapel lief.

Damals war sie Teil der riesigen Hamburger Fangflotte, die auch einen gewissen Johann Friedrich Kinau faszinierte – ein 1880 geborener Finkenwerder Jung, der als Gorch Fock „Providentia“ und ihren Schwestern mit dem Buch „Seefahrt ist Not“ ein literarisches Denkmal setzte. Im 21. Jahrhundert sind jetzt die Hamburger Ewer denkmalswürdig geworden. Nur noch vier aus jener Zeit sind übrig. Kapitän Kees hat versprochen, gut auf „Providentia“ aufzupassen.

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