"Gorch Fock" : Premiere an der Blücherbrücke

Festmachen: Das Anlegemanöver  der 'Gorch Fock' an der Blücherbrücke nahm einige Zeit in Anspruch. Foto: pohl
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Festmachen: Das Anlegemanöver der "Gorch Fock" an der Blücherbrücke nahm einige Zeit in Anspruch. Foto: pohl

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13. August 2010, 06:33 Uhr

Flensburg | Punkt 10 wurde die Gangway an der Blücherbrücke ganz unfeierlich herunter gelassen, und wenig später gingen Flottillenadmiral Thomas Ernst, Kommandeur der Marineschule Mürwik (MSM), und sein Stellvertreter Kapitän zur See Schmidt-Skipiol an Bord der "Gorch Fock". Dabei war das Anlegemanöver des Segelschulschiffes ein historisches: Nach der Verlängerung der Blücherbrücke im vergangenen Winter konnte die knapp 90 Meter lange Bark erstmals direkt an der Brücke anlegen; bei früheren Besuchen an der Marineschule lag das Schiff stets auf Reede und konnte nur mit Booten erreicht werden.

Beobachtet wurde das Manöver von der künftigen Crew der "Gorch Fock". Im Innenhof hatten die 270 Kadetten der aktuellen Crew VII/2010 für das offizielle Crew-Foto Aufstellung genommen und hatten einen guten Blick auf die Förde: Die einlaufende "Gorch Fock" stoppte vor der Schule ab, wurde dann um 180 Grad gedreht und legte mit der Steuerbordseite an der Blücherbrücke an. Schulchef Ernst und Kapitän zur See Norbert Schatz, Kommandant des Schiffes, hatten danach viel zu besprechen: Der heutige Besuch des Bundespräsidenten anlässlich der Vereidigung der Crew und die Sonntag beginnende große Ausbildungsfahrt standen auf der Agenda.

"Das Schiff bleibt jetzt bis Sonnabend 10 Uhr in Flensburg", berichtete Fregattenkapitän Tim Gabrys, Sprecher der MSM. Die letzte Etappe der Anreise war vergleichsweise kurz: In der Nacht auf Donnerstag hatte das Schulschiff in der Geltinger Bucht vor Anker gelegen und wurde fein gemacht: Messing putzen, Deck schrubben, Segel hafenmäßig packen - Großreinschiff heißt das auf dem Dienstplan. Denn heute gibt es hohen Besuch. Der Maat der Wache darf dem Bundespräsidenten, wenn dieser an Deck kommt, "eine Seite pfeifen". Zuvor wird das Staatsoberhaupt an der Vereidigung der aktuellen Crew auf dem Admiralsplatz vor der Schule teilnehmen. Gestern wurde die Aufstellung bei einsetzendem Nieselregen fleißig geübt.

Für jeden Dritten der jungen Kadetten, die erst am 1. Juli ihren Dienst angetreten haben, heißt es dann jedoch packen und Abschied nehmen. Ein Drittel der Crew geht an Bord und wird während einer mehrwöchigen Reise nach Las Palmas an Bord seemännisch ausgebildet. Bevor die jungen Frauen und Männer jedoch in die Takelage aufentern, erhalten sie ab Sonntag eine Segelvorausbildung an Bord. Heute in einer Woche geht es dann aber wirklich los. Erster Stopp ist Bremerhaven, und dann weiter in den Atlantik. Auf Gran Canaria ist Wechsel: Das zweite Drittel der Crew wird eingeflogen und löst das erste ab. Dann geht es über den großen Teich nach Salvador de Bahia (Brasilien). Hier kommt das verbleibende Drittel der Crew VII/2010 hinzu und bestreitet den Rest der elfmonatigen Ausbildungsfahrt. Stationen sind Buenos Aires, Montevideo, dann rund um Kap Hoorn nach Ushuaia und weiter nach Valparaiso (Chile). Nach Lima-Callao (Peru) und Acapulco geht es durch den Panama-Kanal wieder zurück an die Ostseite des Kontinents und nach Cartagena (Kolumbien), Fort Lauderdale (Florida) und Hamilton (Bermudas). Die erneute Querung des Atlantiks wird durch einen Stopp in Ponto Delgada auf den Azoren unterbrochen. Exakt zur Großseglerparade der Kieler Woche 2011 wird das Segelschulschiff der Marine wieder in heimischen Gewässern erwartet.

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