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Hochschule Flensburg : Praktikant auf Augenhöhe: Ein Syrer im International Office

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hasan Kahwaji berät an der Hochschule Studieninteressierte mit Fluchthintergrund – seine Sprachkenntnisse sind wertvoll.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 15:52 Uhr

Hasan Kahwaji ist gerade mal etwas länger als ein Jahr in Deutschland und spricht die Sprache schon erstaunlich gut. Er sagt Sätze wie: „Ich bin aus verschiedenen Gründen geflohen. Ausschlaggebend war, dass ich den Wehrdienst umgehen wollte.“ Hasan Kahwaji kommt aus der Stadt Masyaf im Westen Syriens, keine 50 Kilometer von der Küste entfernt. Die letzten zwei Jahre hat der 21-Jährige in Damaskus gelebt. Seit März und bis August ist Hasan Kahwaji Praktikant im International Office der Hochschule Flensburg.

Er ist der erste Praktikant und setzt Maßstäbe. Die Leiterin des Bereichs International Relations bezeichnet Hasan Kahwaji schon jetzt als „Bereicherung“. Wer könnte besser verstehen, fragt Janntje Böhlke-Itzen, er wisse, was gebraucht werde und informiere auf Augenhöhe. Mit der Muttersprache Arabisch sei der Syrer eine große Hilfe und nimmt sich im International Office der Anfragen Studieninteressierter mit Fluchthintergrund an. „Ich kann Probleme benennen“, bringt Hasan Kahwaji den entscheidenden Vorteil seiner Zweisprachigkeit auf den Punkt. Insbesondere Fragen zu Anerkennung und Übersetzung von Zeugnissen und Fragen zur Finanzierung des Studiums haben ihn bislang erreicht. Gerade letzteres Thema sei besonders relevant für Geflüchtete.

Sprachkurse gebe es an der Hochschule, Studieninteressierte können als Gasthörer ins Angebot reinschauen, sagt Janntje Böhlke-Itzen und benennt damit erste mögliche Wege für Flüchtlinge, sich einen Eindruck vom Studium zu verschaffen. Aus Hochschul-Sicht habe man noch mal einen anderen Blick für diese Biographien, Talente, Fachkräfte. Böhlke-Itzen denkt etwa an eine Verfahrenstechnikerin aus Syrien, die an einem vielversprechenden Verfahren arbeitet, Wasser mittels biologischer Materialien zu klären. Für die derzeit schwer einzuschätzende Zahl Studieninteressierter, die geflüchtet sind, plane die Hochschule Infoveranstaltungen, „summer lectures“, um ihnen Einblick ins Studienangebot zu gewähren.

Kahwaji selbst hat in seiner Heimat angefangen, Geologie zu studieren. Einmal, so erzählt er, fielen Schüsse, während er im Hörsaal eine Prüfung ablegte. Gerade fanden Wahlen statt; trotz der bedrohlichen Situation seien die Studenten gezwungen worden, in die Wahlkabine zu gehen und ihre Stimme abzugeben. „Und auf dem Weg haben wir zum zweiten Mal gewählt“, berichtet der junge Syrer, Soldaten sorgten dafür.

Hasan, der seine Flucht mit einem Boot „nicht dramatisieren“ will, wie er selbst sagt, zählte in Damaskus zu einer oppositionellen Gruppe. Deren Mitglieder demonstrierten auch mit Graffiti und indem sie Lebensmittel-Transporte unterstützten. Nacheinander seien die Mitglieder geflüchtet. „Ich weiß nicht, ob es Zufall ist oder nicht: Leute aus meiner Stadt haben schon erfolgreich Deutsch gelernt.“ Der Praktikant aus dem International Office hat mit einem Integrationskurs begonnen und dann Monate lang zu Hause gebüffelt, um die B1-Prüfung zu bestehen.

Jetzt besuche er einen C1-Kurs. In Flensburg möchte er das Studium fortsetzen, jedoch legt er sich noch nicht auf ein Fach fest. Er habe die „Qual der Wahl“, eine solche Auswahl gebe es in Syrien nicht. Nach Deutschland zu gehen, habe er selbst entschieden. „Den Eltern habe ich es erklärt“, sagt er ganz sachlich. Zu ihnen hält er Kontakt, telefoniert ein bis zwei Mal in der Woche. Seine Schwester lebt im Libanon; für sie versucht er, bei der Beschaffung eines Visums zu helfen, auch wenn der erste Antrag abgelehnt wurde. Damit sie hier studieren kann.

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