zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 02:00 Uhr

Polizist soll ins Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wegen Urkundenfälschung angeklagter Beamter erschien nicht zur Verhandlung: Schöffengericht erließ Haftbefehl

Acht Zeugen und die gleiche Anzahl von Prozessbeobachtern waren vergebens gekommen. In Saal 216 am Flensburger Landgericht fiel gestern früh ein Verfahren aus, das besonders in Polizeikreisen mit einer gewissen Spannung erwartet worden war. Verständlich. Denn der Angeklagte vor dem Schöffengericht war einst einer der Ihren gewesen: T. M. – ein Polizist.

Bei der Wasserschutzpolizei dürfte M. zu aktiven Zeiten auf der Förde eine ganze Reihe von Führerscheinen und Patenten kontrolliert haben. Was ihn vor Gericht brachte, hat auch mit Patenten zu tun. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat M. in sechs Fällen dafür gesorgt, das ausschließlich für den Polizeidienst gültige Patente auch in der „zivilen“ Schifffahrt eingesetzt werden konnten. Und zwar durch Urkundenfälschungen.

Wie das im Detail gelaufen ist, wollte das Schöffengericht um Dr. Roland Stolle gestern klären. Allein – T.M. ließ sich entschuldigen. Das Stolle vorliegende Attest beschied , der 47 Jahre alte Beamte sei reiseunfähig. Er könne nicht aus Lübbecke in Nordrhein-Westfalen nach Flensburg kommen – eine Behauptung, die Richter Roland Stolle eindeutig in Zweifel zog. Ihm lagen nämlich andere Informationen vor. Der Mann sei beim Möbelpacken und auf Reisen gesichtet worden, grummelte Stolle verstimmt.

Das änderte nichts daran, dass statt der acht Zeugenvernehmungen im Gerichtssaal Telefongespräche geführt wurden. M’s Anwalt Jan Smollich („Ich finde das auch nicht gut“) versuchte (vergeblich) seinen Mandanten zu erreichen, Stolle (erfolgreich) den in Lübbecke zuständigen Amtsarzt. Der wird jetzt die Stichhaltigkeit des Attestes überprüfen. Dem Angeklagten aber bringt das Flensburger Intermezzo mehr Ärger als erwartet. Stolle erließ gegen den momentan vom Dienst suspendierten Gesetzeshüter Haftbefehl. Der Richter sah keine andere Möglichkeit, ein einwandfreies Verfahren zu gewährleisten. Gut möglich, dass der Polizist jetzt für längere Zeit in Haft bleibt, denn das gestern vorerst geplatzte Verfahren muss neu anberaumt werden. Und das kann angesichts der (auch) polizeibekannten Überlastung der Gerichte dauern.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 24.Aug.2013 | 00:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen