1. Polizeirevier Flensburg : Polizist feuert auf Messerstecher

Spurensicherung vor dem Polizeirevier: Der 44-Jährige hatte hier mit zwei Schälmessern auf seinen Bauch eingestochen.  Fotos: Sörensen
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Spurensicherung vor dem Polizeirevier: Der 44-Jährige hatte hier mit zwei Schälmessern auf seinen Bauch eingestochen. Fotos: Sörensen

Lebensrettender Schuss stoppt autoaggressiven Mann: 44-jähriger Pole sticht mit zwei Messern auf sich ein

shz.de von
29. August 2018, 21:20 Uhr

Er war blutverschmiert, hatte zwei Messer in der Hand und die Kontrolle verloren. Vor dem 1. Polizeirevier spielten sich gestern früh dramatische Szenen ab. Ein offenkundig geistesverwirrter Mann mit nacktem Oberkörper begann gestern auf den Norderhofenden mit zwei Küchenmessern auf seinen Bauch einzustechen. Erst der gezielte Schuss eines Polizeibeamten ins Bein konnte ihn stoppen. Vermutlich rettete das dem autoaggressiven Mann das Leben.

Um 6.20 Uhr ging auf dem 1. Revier der Anruf einer Passantin ein. Sie hatte beobachtet, wie eine männliche Person den Oberkörper freimachte und begann, auf sich einzustechen. Die sofort am vor der Haustür gelegenen Tatort eintreffenden Polizeibeamten konnten den Mann nicht stoppen. Ein Versuch, ihn mit Reizgas von den lebensgefährlichen Selbstverletzungen abzubringen, scheiterte. Als der stark blutende Mann sich mit den Messern den Polizisten zuwandte, traf einer der Beamten die schwere Entscheidung. Er zog seine Waffe und gab einen Schuss auf das Bein des Mannes ab. Daraufhin sei der Täter überwältigt und sofort ärztlich versorgt worden, so Polizeisprecherin Sandra Otte. Wegen der schweren Verletzungen, die er sich mit den beiden Küchenmessern im Bauchbereich zugefügt hatte, musste er sofort in die Diako gebracht werden, wo ein Ärzteteam in einer mehrstündigen Notoperation die Wunden versorgte.

Bei der Person handelt es sich um einen 44-jährigen Mann mit polnischer Staatsbürgerschaft, der in Flensburg lebt, teilte Polizeisprecherin Sandra Otte gestern Nachmittag mit. Die Motive seines Verhaltens sind noch nicht bekannt, der Pole war nach der Operation nicht vernehmungsfähig. Ein politisches Motiv für den Vorfall schloss die Polizeisprecherin aber aus.

Für die Beamten am Ort des Geschehens sei die schwere Entscheidung, eine Waffe einzusetzen, am Ende zwingend gewesen, so Sandra Otte gestern. Die Kollegen hätten zunächst versucht, den Täter anzusprechen, als das nicht funktionierte, Reizgas eingesetzt, schließlich blieb aus zwei Gründen keine Wahl, als ihn mit einem Schuss zu stoppen: Der Täter gefährdete sein eigenes Leben und später auch das der Beamten. Der Kollege, der den Schuss abgegeben habe, sei aus dem Dienst genommen worden und werde professionell betreut.

Für die Aufklärung des Zwischenfalls sucht die Polizei Zeugen, die den Mann am Tatort und bereits vorher in der Innenstadt gesehen haben und eventuell auffällige Beobachtungen gemacht haben. Die Beschreibung: etwa 180 cm groß, kräftig, kurze, graumelierte Haare; blaue Jeans, graue Turnschuhe, grau-schwarz gestreifte Fleece-Jacke. Er hatte einen schwarzen Rucksack und eine Plastiktüte bei sich.

Der Schusswaffengebrauch macht einmal mehr deutlich, dass der Polizeiberuf mit unberechenbaren Gefahren und Gewalt verbunden ist, meinte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Torsten Jäger gestern. „Solche dramatischen Situationen machen immer wieder fassungslos! Sie zeigen aber auch die sehr hohen Anforderungen und Belastungen an die Kolleginnen und Kollegen im Funkstreifen- und Einsatzdienst überaus deutlich!“

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