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Tierische Ermittlerin : Polizeihündin Tara: Die Kommissarin Rex von Flensburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Personenspürhündin Tara stellte schon mehrere Straftäter. Ihr Frauchen Kathrin Nörtemann war von der Hundedame anfangs nicht überzeugt. Nun ist sie aber eine von fünf spezialisierten Spürhunden in Schleswig-Holstein.

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2015 | 14:15 Uhr

Flensburg | In dieser Parzelle der Gartenkolonie in Fruerlund muss der Tatverdächtige auch gewesen sein. Christian Witt, Aus- und Fortbilder der Polizei in Eutin und zuständig für die Personenspürhunde, weist das mittels GPS nach. Tara schnüffelt kreuz und quer über den Rasen und läuft durchs Tor hinaus auf den Hauptweg durch die Kleingärten. Die Flensburger Polizistin Kathrin Nörtemann folgt an der langen Leine. Die Schäferhündin fegt um ein paar Ecken und findet den Gesuchten. Nörtemann hat ihr eingangs eine Geruchskopie des Vermissten kurz in einer Plastiktüte über die Nase gestülpt. Und einen Ball mit Seil gezeigt, der nun zur Belohnung für eine Spieleinlage herausgeholt wird.

Dieser Fall ist fingiert, eine Polizei-Übung. Doch Tara ist tatsächlich eine Heldin. Mehrere Straftäter hat sie in jüngster Zeit aufgespürt. „Tara ergreift Taxiräuber nach brutalem Übergriff im Versteck“, war die Überschrift der letzten Erfolgsmeldung von der Polizei. Unlängst hat die Hündin außerdem zwei besonders schlimme Verkehrsrowdies nach einer wilden Verfolgungsjadg durch Flensburg gestellt. Dabei befindet sich Tara vom Klinkenhagen, wie sie richtig heißt, noch in der Ausbildung. Mehr als die Hälfte der acht Mal zwei Wochen dauernden Spezialisierung vom Schutzhund zum Personenspürhund haben Kathrin Nörtemann und ihre viereinhalbjährige Schäferhündin absolviert.

Gerade mal eine Handvoll dieser spezialisierten Such- beziehungsweise Spürhunde gibt es derzeit in Schleswig-Holstein, weiß Christian Witt und ordnet den fünf jährlich 200 Einsätze zu. Die Kunst bestehe darin, dass die Hundeführer ihrem Vierbeiner zeigen, „jetzt suchen wir“ (und fassen nicht). Die duale Ausbildung – erst zum Schutzhund, dann zum Spezialisten – sei einzigartig. Andere Bundesländer würden sich zwei Jahre Zeit nehmen, bis aus einem Welpen ein Mantrailer wird. Doch auch für die vergleichsweise kurze Spezialisierung, die mit dem Fehlen des menschlichen Kollegen für den alltäglichen Polizeidienst einhergeht, bedarf es viel Überzeugungskraft, um sie genehmigt zu bekommen. Sagt Henri Krüger.

Der 51-Jährige ist Leiter der Diensthundestaffel der Polizei-Direktion Flensburg und Herrchen über 16 Schutzhunde, zumeist belgische oder deutsche Schäferhunde. Eine Freistellung der Polizisten wäre ideal, wünscht er sich. Real aber geht viel Freizeit drauf. Fürs vorige Jahr zählt er mindestens 150 reguläre Einsätze von 13 Diensthunden. Zwei Drittel davon passieren zur Nachtzeit, wenn jedoch nur ein Drittel der Teams zur Verfügung steht.

Kathrin Nörtemann hofft, dass die Ermittlungserfolge, etwa mit Tara, „vielleicht Türöffner“ werden. Anfangs war die 43-Jährige von der Schäferhündin nicht überzeugt. Doch dann jagte Tara einen Verbrecher nach einem Einbruch in Selk so hartnäckig über Felder und Wiesen, dass der Täter nicht mal mehr die Hände hochheben konnte. „Ich musste lernen, dem neuen, jungen Hund eine Chance zu geben“, erinnert sich Nörtemann. Beim Taxiraub sind die beiden aus einem freien Tag gerufen worden. „Man ist immer bemüht, zu helfen“, sagt Nörtemann. An jenem Dienstagabend setzte sie ihre Hündin dort an, wo der Taxiräuber das Fahrzeug verlassen hatte. Tara pendelte zwischen zwei Häusern und zeigte den Verdächtigen in einem abgeschlossenen Kelleraum an, der sonst nie verschlossen war. Unter Kollegen werde Tara mittlerweile „Taritara“ genannt, verrät Staffelleiter Henri Krüger.

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