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„Gaunerzinken“ in Flensburg : Polizei warnt vor Einbrüchen mit Ankündigung

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Es sieht nach konkreter Planung und Absprache aus: Rund um Flensburg verzeichnet die Polizei in den vergangenen Wochen Wohnungseinbrüche, bei denen die Täter die Häuser im Vorfeld mit Geheimzeichen markierten.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2013 | 16:53 Uhr

Flensburg | Die Flensburger Polizei schlägt Alarm – es geht unter anderem um Kreise, Striche und Rechtecke: Seit einigen Wochen verzeichnet sie Einbrüche in Häusern und Wohnungen in und um Flensburg herum, in deren unmittelbarer Nähe Zeichen auf Hauswänden, Laternenpfahlen oder Gartenzäunen aufgemalt sind – sogenannte Gaunerzinken. „Es handelt sich möglicherweise um organisierte Strukturen“, sagt Matthias Glamann, Sprecher der Polizei Flensburg.

Was steckt hinter den Zeichen? Gaunerzinken, früher auch als Kuckuckszeichen bekannt, sollen potentielle Einbrecher auf Häuser und Wohnungen aufmerksam machen, die sich für einen Einbruch „lohnen“. Außerdem können sie auch Auskunft über geeignete Tatzeiten sowie Fluchtrichtungen geben. Sie werden mit Kreide oder Bleistift aufgemalt.

Erst am Mittwoch sorgte ein Fall in Glücksburg bei Flensburg für Aufruhr: Zwei Kinder klingelten bei einem Haus in einer Reihenhaussiedlung. Als ein Mann ihnen öffnete, sagten sie, sie wollten ihre Hände bei ihm waschen, ihre Eltern seien gerade im Wald – Pilze sammeln. Das wollte der Hausherr nicht so recht glauben. Als er die Polizei rief, flüchteten die Kinder. Später entdeckte der 27-Jährige ein mit Kreide aufgetragenes „X“ am Haus.   

Die Bedeutungen der Zinken können im Internet nachgelesen werden. Beispielsweise steht ein horizontaler Strich mit drei dadurch gezogenen vertikalen Strichen für „Hier gibt es etwas“, ein einzelner horizontaler Strich für „Hier gibt es nichts“. Weitere Zeichen überbringen Botschaften wie „Bissiger Hund“, „Alte Leute“ oder „Kein Mann im Hause“.

Allerdings müssen die Zeichen nicht zwangsläufig immer die gleichen Bedeutungen haben. Agieren die Kriminellen als Gruppe, kommunizieren sie laut Polizei mit eigens kreierten Geheimzeichen, deren Botschaften lediglich innerhalb der Gruppe verständlich sind. „Täter definieren das selbst“, sagt Glamann.

Mittlerweile macht eine Pressemeldung, die die Polizei anlässlich der Gaunerzinken-Vorfälle im Raum Flensburg vor einigen Tagen im Internet veröffentlicht hat, in sozialen Netzwerken die Runde – mit einem positiven Effekt: „Die Bürger wurden wachgerüttelt“, sagt der Flensburger Polizeisprecher. Sie seien für die Thematik sensibilisiert worden und somit für die Polizeiarbeit hilfreich. Bei den Zeichen handele es sich um kein neues Phänomen, „aber jetzt fallen sie auf“, so Glamann weiter.

Wer potentielle Gaunerzinken entdeckt, sollte – wenn möglich – ein Foto davon machen, das Zeichen dann entfernen und sich mit der Polizei in Verbindung setzen. Außerdem wichtig: Sehen Anwohner in der Nachbarschaft fremde Menschen, die – das kommt tatsächlich vor – Fotos von Häusern machen, sollten sie diese direkt ansprechen und ebenfalls die Polizei benachrichtigen.

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