Kontrollen von Jugendlichen : Polizei stuft Teile Flensburgs als „gefährlichen Ort“ ein

Verfeindete Jugendgruppen lieferten sich in der Flensburger Innenstadt Auseinandersetzungen im Bereich des Holms, der beiden Parkhäuser und Passagen.
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Verfeindete Jugendgruppen lieferten sich in der Flensburger Innenstadt Auseinandersetzungen im Bereich des Holms, der beiden Parkhäuser und Passagen.

Nach Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen darf die Polizei jetzt Personen in Bereichen der Innenstadt kontrollieren.

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23. März 2018, 14:54 Uhr

Flensburg | Die Polizei in Flensburg intensiviert ihre Kontrollen von Jugendlichen und erklärt einen umgrenzten Bereich der Innenstadt zum „gefährlichen Ort“. Der am Wochenende beginnende Jahrmarkt steht ebenfalls im Fokus der Beamten. Für die Innenstadt gilt die Einstufung seit Freitag und dauert bis zum 20. April an, teilte die Polizei am Freitag mit.

Mit der Einstufung eines umgrenzten Bereiches der Innenstadt zum „gefährlichen Ort“ darf die Polizei verdachtsunabhängig jede dort anwesende Person kontrollieren.

Die Polizeidirektion will damit die Situation in der Flensburger Innenstadt beruhigen, die sie „mit Sorge“ betrachte. Hintergrund sind zahlreiche Vorkommnisse, an denen maßgeblich polizeibekannte Jugendliche beteiligt gewesen seien. Bereits am Dienstag hatte die Polizei ihre Präsenz im Zentrum spürbar erhöht. Betroffen ist der Bereich zwischen den Straßenzügen Holm/Südermarkt und Süderhofenden mit der nördlichen Begrenzung der Hafenspitze und der südlichen Begrenzung Angelburger Straße.

An den Orten genügt alleine die Anwesenheit der Personen, um kontrolliert zu werden. Eine konkrete Gefahr wird nicht vorausgesetzt. Die Maßnahme kann nach weiterer Prüfung verlängert werden.

„Schwerpunkt der zielgerichteten Kontrollen sind Jugendliche, die im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen und Straftaten stehen könnten“, teilt die Polizei mit. „Aber auch Mitläufer und Schaulustige sollen dabei identifiziert werden. Rädelsführer sollen isoliert, Auseinandersetzungen und Straftaten verhindert werden.“ Die Polizei will Unruhestifter des Ortes verweisen. Jugendliche, die den Platzverweisen nicht nachkommen, werden in Polizeigewahrsam genommen und können von den Eltern auf der Polizeiwache abgeholt werden. Aggressives Verhalten wird nicht geduldet und sofort unterbunden. „Außerdem sollen sich möglicherweise anbahnende Strukturen erkannt und verhindert werden“, teilt die Polizei mit.

Störer erhalten komplettes Jahrmarktsverbot

Der am Wochenende beginnende Jahrmarkt auf der Exe steht ebenfalls stark im Fokus der Polizei. Der Jahrmarkt ist ein Anziehungspunkt für viele Jugendliche und es sei zu erwarten, dass die für Störungen und Straftaten verantwortlichen Personen sich ebenfalls dort hinbegeben werden, teilte die Polizei mit. Deshalb werden die Beamten auch dort ihre Präsenz verstärken. Die Polizei hat die rechtliche Möglichkeit, Aufenthaltsverbote auszusprechen. Das bedeutet für identifizierte Straftäter und Störer, dass ihnen ein komplettes Jahrmarktsverbot droht.

Polizei nach der Messerstecherei am Flensburger ZOB.
Foto: Sebastian Iwersen

Polizei nach der Messerstecherei am Flensburger ZOB.

 

Grundlage für die Einstufung zum „gefährlichen Ort“ ist das polizeiliche Lagebild. Die Auswertung hat ergeben, dass in den festgelegten Bereichen seit Jahresbeginn eine Häufung von Straftaten verzeichnet wurde. Darunter fallen Raubdelikte, Körperverletzung und Diebstähle. Ein Großteil dieser Straftaten ist den auffälligen Jugendlichen zuzuordnen.

Jugendgruppen ohne feste Strukturen

Verantwortlich für diese Taten ist ein kleiner Kreis von Jugendlichen, die der Kriminalpolizei bekannt sind. Einige dieser Intensivtäter sitzen aktuell in Haft oder haben bereits Haftstrafen hinter sich. Bei den polizeibekannten Jugendlichen handelt es sich um junge Menschen im Alter von 13 bis 21 Jahren. Es sind unterschiedliche Nationalitäten vertreten. Feste Strukturen innerhalb der Jugendgruppen sind nicht erkennbar. Es kann in diesem Zusammenhang laut Polizei nicht von rivalisierenden Banden gesprochen werden.

Die Auseinandersetzungen werden in der Regel zwischen den Gruppen gesucht. Dabei entwickeln sich nichtige Anlässe, angereichert durch Provokationen, zu Körperverletzungsdelikten. „Die Rädelsführer scharen bewusst Mitläufer um sich, die in erster Linie erlebnisorientiert sind und nicht von vornherein auf strafbare Handlungen aus sind“erklärt die Polizei. „Diese könnten von den bekannten Straftätern jedoch beeinflusst werden.“

Aggressive Stimmung

Nach einer angeblichen Verabredung zu einer Auseinandersetzung zwischen Jugendgruppen am Montagnachtmittag wurden fünf deutsche Jugendliche in Gewahrsam genommen. Es wurden an unterschiedlichen Orten 30 bis 50 junge Menschen angetroffen. Die Rädelsführer traten durch aggressives Verhalten offen hervor.

Die Stimmung bei den Mitläufern und Schaulustigen war latent aggressiv. Diese Personen kamen den Aufforderungen der Polizei nach. In den Folgetagen gingen wiederum Meldungen über geplante Auseinandersetzungen bei der Polizei ein. An verschiedenen Orten in der Innenstadt stellte die Polizei Personengruppen fest, die offensichtlich darauf warteten, dass es zu Streit und Straftaten kommen wird. Die Beamten erteilten in den vergangenen Tagen Platzverweise. Am Mittwochabend wurde zudem ein 17-Jähriger in Gewahrsam genommen, der den Anordnungen der Polizei nicht nachkam.

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