zur Navigation springen

Illegale Raubkopien auf DVD und Blu-Ray : Polizei stoppt Hardcore-Handel in Harrislee und Pattburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Durchsuchungen in Harrislee und Pattburg: Polizei stellt 80.000 illegale Raubkopien indizierter Filme auf DVD und Blu-Ray sicher.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2015 | 08:00 Uhr

Harrislee/Pattburg | Als die Fahnder kamen, fanden sie geordnete Verhältnisse vor. 80.000 DVD und Blu-Ray-Discs, nach Titeln sortiert, gleich in mehrfacher Ausfertigung vorhanden, scheinbar originalverpackt in ihren Schubern. Was die Verhältnisse betrifft: Ordnung herrschte schon – aber mit rechten Dingen ging es in der kleinen Halle auf dem Pattburger Gewerbegrundstück nicht zu. Dänische und deutsche Polizisten waren gekommen, um dort einen regen Versandhandel mit Raubkopien zu beenden. Außer der Halle wurden vier weitere Objekte in Harrislee und Pattburg durchsucht.

Nach unbestätigten Informationen nahmen die Ermittler einen Online-Versand vom Netz, der sich auf indizierte Hardcore-Videofilme spezialisiert hatte. Weil die obligatorische Alterskontrolle in Dänemark nicht ausgeübt wurde, war der Versand besonders bei minderjährigen Kunden natürlich sehr beliebt. Weil aber die Qualität der Filme häufig noch horrender gewesen sein soll als ihr Inhalt, geriet die deutsch-dänische Firma mit Niederlassung im Frösleer Weg und Firmensitz in einem britischen Briefkasten ziemlich schnell unter Beschuss. Die Kunden lobten zwar die Preisgestaltung, aber die lieblose Hülle und die lausige Filmqualität ließen darauf schließen, dass nicht Originalfilme, sondern Raubkopien geliefert worden waren. Nicht unwahrscheinlich, dass eine der zahlreichen Ankündigungen von Forumsteilnehmern, die Behörden einzuschalten, tatsächlich umgesetzt wurde. Kriposprecher Matthias Glamann will Details nicht erörtern, teilt aber mit, dass die Ermittlungen durch eine Strafanzeige der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) angestoßen worden seien. Mit den Verletzungen scheint es vorbei zu sein. Die Homepage der betroffenen Firma jedenfalls ist vom Netz. „Unser Shop ist aufgrund von Wartungsarbeiten im Moment nicht erreichbar“, heißt es dort.

Beschuldigt werden ein 51-Jähriger in Harrislee wohnender Deutscher und ein 57 Jahre alter Landsmann mit Wohnsitz in Pattburg. Über ein Rechtshilfeersuchen wurden am Dienstag Durchsuchungsbeschlüsse der Flensburger Staatsanwaltschaft vollstreckt – der Zeitpunkt erklärt sich möglicherweise aus einer neuen Rechtslage. Peter Petersen, Leiter des K3 bei der Bezirkskriminalinspektion Flensburg: „Die Tatverdächtigen haben offenbar gezielt den grenznahen Raum und die früheren Unterschiede zwischen dem deutschen und dänischen Rechtssystem, die die Strafbarkeit des gewerblichen Handelns betreffen, ausgenutzt“, sagt er. Seit 1. Januar aber ist diese Rechtslücke geschlossen.

Bei ihrer Durchsuchung fanden die Beamten allein in der Pattburger Halle rund 80.000 DVD, von denen 60.000 durch die dänische Polizei beschlagnahmt wurden, weil der Verdacht besteht, dass ein Großteil von ihnen illegal kopiert bzw. hergestellt worden ist. Daneben beschlagnahmten die Ermittler diverse Rechner, Brennstationen und Akten der Buchhaltung sowie einen fünfstelligen Bargeldbetrag, immerhin soll die beschlagnahmte Ware einen 7,5-Tonner gefüllt haben. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden Filmhändler über mehrere Jahre einen Gesamtumsatz von rund drei Millionen Euro generiert haben. Genaue Zahlen, so Glamann, verspricht sich die Kripo jetzt durch Auswertungen von Wirtschaftskriminalisten und IT-Spezialisten. Die beiden Beschuldigten wurden wegen fehlender Haftgründe nach ihren Vernehmungen wieder auf freien Fuß gesetzt.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen