Strukturreform in Flensburg : Polizei schließt zwei Stationen

Pflicht erledigt: Die Station in der Harrisleer Straße wird geschlossen. Polizeihauptmeister Andreas Ihlenburg zieht zurück in die Neustadt. Foto: Staudt
Pflicht erledigt: Die Station in der Harrisleer Straße wird geschlossen. Polizeihauptmeister Andreas Ihlenburg zieht zurück in die Neustadt. Foto: Staudt

Die Polizei muss sparen. Eine schlankere Aufstellung im Zuge der Strukturreform steht in Flensburg an. Zwei Standorte in der Innenstadt und im Norden werden geräumt.

Avatar_shz von
10. Juli 2012, 11:58 Uhr

Flensburg / Kiel | Ende der 90er Jahre war Flensburgs Polizei Trendsetter: Da ging sie mit einem Netz von acht Stadtteilstationen unter die Leute. 13 Jahre später wird die Uhr ein kleines Stück zurückgedreht. Von den acht Stadtteilstationen verschwinden zwei: Die vier Dienststellen in der Harrisleer Straße, Am Ostseebad, in der Großen Straße und in der Angelburger Straße werden geschlossen bzw. zu dann nur noch zwei Stationen zusammengeführt. Ab 1. Januar 2014 soll die neue Struktur greifen, die dem neuen Innenminister Andreas Breitner momentan zur Prüfung vorliegt.
Das ist dem Spardiktat des Landes geschuldet. Seit März vergangenen Jahres bereitet ein Führungsstab um Jörn Tietje die Fusion der beiden nördlichen Polizeidirektionen mit Sitz in Husum und Flensburg zu einer großen Polizeidirektion Nord vor. Das hat auf die Polizei vor Ort in Flensburg unmittelbare Auswirkungen. Die Direktion verliert 22 Beamte, muss aus dem verbleibenden Personal gar die Kooperative Regionalleitung verstärken, die unterbesetzt ist. Dennoch geht Tietje davon aus, dass sich an der öffentlichen Präsenz nicht viel ändern wird: "Gleich bleibende Präsenz war in der Planung ein wesentlicher Schwerpunkt", sagt er. "Im ländlichen Bereich werden im Gegenteil noch mehr Kollegen unterwegs sein."
Statistiken geben keinen Grund mehr für Stationen
Die vier Außenposten mitten in den sozialen Brennpunkten der späten 90er Jahre haben ausgedient. Die Kriminalstatistiken geben für den Norden und die Innenstadt den Betrieb von vier eigenständigen Stationen nicht mehr her. Folge: Die Polizei räumt die Quartiere. Im Norden ziehen die Beamten zurück in die alt angestammte Neustadt, für die beiden Innenstadt-Stationen - auch sie werden zu einer Einheit zusammengelegt - muss bis 2014 noch ein Quartier gefunden werden.
Vielleicht in der Munketoft? Dort ist im Moment noch das Polizeibezirksrevier zu Hause, dessen Beamte sich schwerpunktmäßig um das Verkehrsgeschehen und Umweltdelikte kümmern. Nach den Plänen des Führungsstabs wird sich für die aktuell noch 17 dort tätigen Beamten einiges ändern. "Der Umweltschutztrupp steht auf dem Prüfstand", sagt Tietje. "Das Flensburger Polizeibezirksrevier wird es ab 2014 in dieser Form nicht mehr geben."
"Niemand muss mit Ende 50 wieder zurück in den Schichtdienst"
Nach dem neuen Konzept wandern diese Aufgaben nach Schleswig - in ein noch zu schaffendes Polizei-Autobahn-Bezirksrevier mit Dienststellen in Schuby, Husum und Schleswig. Tietje zufolge steuern die Flensburger Verkehrspolizisten einen Großteil der einzusparenden 22 Posten bei - freilich nicht auf Schlag und unter Zwang, sondern sozialverträglich, wie der Stabs-Chef betont. "Niemand muss mit Ende 50 wieder zurück in den Schichtdienst und keiner wird nach St. Peter-Ording zwangsversetzt." Fluktuation und Feinjustierung bei den Einstellungen sollen es richten. Beispiel: Gut 50 Prozent aller Neueinstellungen wandern auf Dienststellen in Nordfriesland, wo der größte Personalbedarf herrscht.
Im ländlichen Bereich greifen die Neujustierungen im Aufbau der Polizei teilweise noch tiefer als in der Stadt. So werden 16 Reviere und die großteils selbstständigen Zentralen Polizeistationen zu acht Revieren zusammengefasst. Damit endet die Zeit der einsamen Polizeiposten. "Wir wollen dadurch schnellere Reaktionszeiten und eine größere Ansprechbarkeit erreichen", sagt Tietje. Dies zum einen. Zum anderen will die Polizei angesichts immer häufiger eskalierender Alltagssituation den Eigenschutz erhöhen. "Niemand fährt dann mehr allein zu einem Fall von häuslicher Gewalt. Wenn man als einsamer Polizist einem angetrunkenen 130-Kilo-Koloss gegenübersteht, kann man schnell verlieren. Und wir verlieren nun mal nicht gern."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen