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Großeinsatz in der Batteriestraße : Polizei löst Rockertreffen auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr als 100 Polizeibeamte gegen 200 Rocker im Einsatz: bei Kontrolle rund um das ehemalige Hells Angels-Hauptquartier werden Schlagringe, Schläger und Messer sichergestellt / Keine Zwischenfälle

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Kaum ein Außenstehender weiß so genau, was geplant war für diesen Abend – aber ein Beisammensein mit einer Polizei-Hundertschaft war es sicher nicht, was die Teilnehmer eines Rockertreffens am Sonnabend erwartet hatten. Nach Angaben der Flensburger Polizei wurden in einem Großeinsatz bis gestern früh mehr als 200 Rocker in der Batteriestraße kontrolliert. Dort stand – bis zu deren Verbot – das Clubhaus des Flensburger Charters der Hells Angels. Sicher kein Zufall, dass es hier zum bislang größten Aufeinandertreffen von Rockern und Polizeikräften kam. Die neuen Hausherren im Angels-Clubheim heißen jetzt Red Devils.

Und auch die haben viele Freunde. Die Polizei nennt offiziell 200 Teilnehmer, die aus dem gesamten norddeutschen Bereich angereist sein sollen, inoffiziell ist gar von 500 Teilnehmern die Rede, die freilich gar nicht mehr weiter gefahren sind, als sie die Einlasskontrolle in der Batteriestraße entdeckten.

Die Polizeikräfte – das örtliche Personal war massiv durch Kollegen der Einsatzhundertschaft der Eutiner Bereitschaftspolizei verstärkt worden – überprüften die Besucher ausgesprochen pingelig. Und ganz anders als bei einer normalen Einlasskontrolle, durften die Besucher kommen, aber nicht ohne weiteres wieder gehen. Vielmehr hatten die starken Einsatzkräfte die Batteriestraße auf beiden Seiten abgeriegelt, um die Gäste und ihre Fahrzeuge intensiv zu überprüfen. Dabei wurden nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Glamann eine ganze Reihe nicht erlaubter Gegenstände und Waffen gefunden und beschlagnahmt: Schlagstöcke, Schlagringe, Springmesser und andere gefährliche Sachen, die man auf einer friedlichen Party nicht unbedingt erwarten würde. Die Träger verbotener Gegenstände wurden des Platzes verwiesen. Sie erwartet außerdem ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Die Polizei hatte frühzeitig Hinweise über ein größeres Treffen von Rocker-Clubs in Flensburg bekommen, die als „Supporter“ den verbotenen Hells Angels nahe stehen. „Wir hatten ausreichend Zeit, uns darauf vorzubereiten“, sagt Glamann. Er sagt auch, dass die Aktion in der Batteriestraße friedlich verlief. „Es gab keine Zwischenfälle. Aber dazu war das polizeiliche Aufgebot dann auch zu groß“, so Glamann. „Wir setzen bei solchen Aktionen konsequent auf die Null-Toleranz-Strategie.“

Die war ausgerufen worden, als 2009 auch von Flensburg ausgehend die Rivalität mit den Bandidos in lebensgefährliche Situationen abglitt. Der damalige Anführer der Flensburger „Höllenengel“ hatte angeblich – bewiesen wurde das nie – mit seinem Audi A 8 einen Bandido aus Neumünster von der A 7 gedrängt und lebensgefährlich verletzt. Bei einer darauf folgenden Razzia in einer KFZ-Werkstatt bei Flensburg, die dem Milieu der Hells Angels zugerechnet wurde, stießen Beamte des Landeskriminalamtes Kiel und der Flensburger Polizei auf ein umfangreiches Arsenal aus Maschinenpistolen, Schrotflinten, Pumpguns, Revolvern, Pistolen, Munition und Sprengstoff. Was folgte war das Verbot des Flensburger Angels Charters und der Bandidos, die ihr Hauptquartier in Neumünster hatten. Seither begegnet die Polizei des Landes den Rockern im Zuge ihrer Null-Toleranz-Strategie kompromisslos und grundsätzlich mit massiven Kräften. Das mussten im März auch Mitglieder der Rockergruppierung Mongols feststellen, denen die Polizei ein Treffen in einem Burger-Drive-In vermieste.

Auch die Reise nach Flensburg dürfte den wenigstens Besuchern gefallen haben. Glamann zufolge dauerten die Kontrollen von etwa 17 Uhr Sonnabend bis in den frühen Sonntagmorgen.

 

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