Flensburg: Brandserie aufgeklärt : Polizei fasst Feuerteufel vom Peelwatt

Schon wieder Feuer am Peelwatt:  Vor einem Jahr brannten ein Triebwagen und ein Waggon - Brandstifter war eine Bahn-Reinigungskraft.
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Schon wieder Feuer am Peelwatt: Vor einem Jahr brannten ein Triebwagen und ein Waggon - Brandstifter war eine Bahn-Reinigungskraft.

Ermittler legen Spuren-Puzzle zusammen: 49-Jähriger gesteht elf Brandlegungen in Bahn-Waggons zwischen 2010 und 2014.

shz.de von
31. Juli 2014, 08:00 Uhr

Am 21. Juni um 1.15 Uhr riss die Serie. Zu diesem Zeitpunkt standen Feuerwehr und Polizei wieder einmal um einen brennenden Regionalzug auf dem dunklen Peelwatt-Gelände. Aber dieses Mal sollte die Brandstelle den entscheidenden Hinweis liefern. Vergangenen Montag fuhren Kripo und Bundespolizei den Lohn jahrelanger Ermittlungsarbeit ein. Ein 49 Jahre alter Flensburger wurde verhaftet – er gestand eine ganze Serie von Brandstiftungen auf dem Bahnbetriebswerk.

Elf Mal hatte der polizeilich bisher unauffällige Flensburger auf dem Bahngelände seit Silvester 2010/2011 gezündelt – teilweise spektakulär. Besonders der Brand in der Silvesternacht stellte die Flensburger Feuerwehren vor erhebliche Probleme. Auf einem abgelegenen Abstellgleis standen zwei Waggons in Flammen. Eis, Schnee und eine schmale Zufahrt waren nicht die einzigen Gegner der Feuerwehr. Weil Hydranten fehlten, musste Löschwasser im Pendelverkehr vom nächst gelegenen Hydranten in der Lise-Meitner-Straße herangefahren werden. Drei komplette Züge waren in Gefahr, ebenfalls abzubrennen. Die Feuerwehr schaffte es so gerade noch, ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Doch dies war erst der Anfang der Serie. Noch zehn Mal rückten die Brandbekämpfer aus, weil der Feuerteufel vom Peelwatt zugeschlagen hatte. Die Bahn geht von einem Millionenschaden im zweistelligen Bereich aus. Unternehmenssprecher Egbert Meyer-Lovis zählt dazu nicht nur fünf total zerstörte Steuer- und zwei Mittelwagen, sondern auch eine ganze Reihe arg in Mitleidenschaft gezogene Waggons plus den enormen Aufwand, den die Bahn für die Kompensation der Ausfälle betreiben musste.

Bei Feuer Nummer 1 und 2 waren noch Feuerwerks-Irrläufer oder technische Defekte eine Option. Doch mit jedem weiteren Brand hatte das K 2 neue Puzzlesteine für das Bild. Schließlich rückte das Personal der privaten Reinigungsfirma in den Fokus, die im Auftrag der DB nachts die Regionalzüge auf dem Betriebsgelände reinigt. Da passten einige Teile gut zusammen – die Einsatzzeiten der Kolonnen und der Feuerwehr in den Brandnächten etwa. Und dass der Brandstifter nach demselben Muster arbeitete. Polizeisprecher Matthias Glamann: „Die Brände sind immer auf die gleiche Art und Weise entstanden. Von einem Tatzusammenhang war auszugehen.“

Obwohl die Brandstellen ziemlich frisch waren, schien der Täter den Fahndern auf dem weitläufigen Gelände immer einige Schritte voraus zu sein. Selbst ein Helikopter-Einsatz mit Wärmebildkamera am frühen Morgen des 18. September 2013 brachte keine Ergebnisse. Aber vielleicht war der Täter ja gar nicht auf der Flucht, vielleicht war er ja mittendrin – in einer der Reinigungskolonnen. Der letzte Brand lieferte der Polizei jedenfalls das entscheidende Teil zum Puzzle. „Danach ließ sich der Tatverdacht konkretisieren“, so Glamann gegenüber unserer Zeitung.

Am Montagnachmittag dieser Woche konfrontierten die Ermittler den 49-Jährigen mit den Vorwürfen. Er legte im Rahmen seiner Vernehmung ein umfangreiches Geständnis ab. Dabei räumte er nicht nur die Brandstiftungen auf dem Bahngelände ein – auch für zwei Feuer im September 2008 und Dezember 2013 in der Jürgensgaarder Straße übernahm er die Verantwortung. Beide Male war vor einem Mehrfamilienhaus brennbares Material angezündet worden, einmal im Hausflur.

Über die Motive des 49-Jährigen herrscht indessen Rätselraten. Hass auf die Bahn spielte eigenen Angaben zur Folge keine Rolle, sagt Glamann. Der Flensburger sitzt jetzt erst einmal in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht erließ Haftbefehl.

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