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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 11:59 Uhr

Politischer Dauerlutscher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

 Es gibt in dieser Stadt kommunalpolitische Dauerlutscher, an denen sich Generationen von Oberbürgermeistern, Stadtplanern und Ratsmitgliedern die Zähne ausgebissen haben. Die Zustände am Südermarkt gehören dazu.

Vor etlichen Jahren gingen die Herrschaften mit dem „alternativen Lebensentwurf“ – um die bösen Worte Penner, Trinker, Kokser und Pöbler nicht zu verwenden – ihren Mitmenschen schon einmal gehörig auf den Wecker. Damals gab es im Rathaus den Sozialdezernenten Hans Leppin, der die Lage nicht nur durch die sozial-rosa Brille sehen wollte, sondern schon mal zupackte. Und auch andere Abteilungen im Rathaus zogen mit.

Das Ergebnis damals war handfest und hätte diese Stadt und ihren wichtigen Marktplatz schöner gemacht: Weg mit der Südermarktplattform, weg mit Unterstand, den unappetitlichen Klos und dem anderen Drumherum. Stattdessen wurde die Maschine angeworfen, die das Problem zu einem ganz großen Knoten wickelt. Wenn die Plattform wegkommt, muss dort was Neues hin, ein Architekt setzte sich ans Zeichenbrett. Schön war der Entwurf nicht gerade, die Flensburger waren nicht begeistert, der erste Anlauf für den schönen, neuen Markt blieb stecken.

Der damalige Oberbürgermeister Stell bat danach die Bürger in die nebenstehende Kirche zur Ideensammlung. Ideen kamen viele, verwirklicht wurden keine, stattdessen schlug das Rathaus das ganz große Rad und veranstaltete einen Architektenwettbewerb. Der Sieger hatte mit dem Entwurf eines mehrstöckigen, achteckigen Gebäude gewonnen. Daraus wurde bis heute – man weiß es ja – nix. Erst einmal sollte der Neubau der Südermarkt-Galerie abgewartet werden. Die hat inzwischen schon ihr erstes Lifting erreicht. Der Südermarkt wartet immer noch darauf.

Nun haben die Menschen mit dem alternativen Lebensentwurf es wieder geschafft, die Toleranzschwellen zu überschreiten. Also war es wieder Zeit für eine Diskussion mit Betroffenen, Bürgern, Experten und Mitarbeitern der Verwaltung.

Erklärt wurde, was alles nicht geht, um das Problem zu lösen. Vorschläge, was geht, gab es wenige. Und so durfte sich mancher betroffene Markt-Nachbar allein gelassen fühlen. Es geht ja nicht zwingend darum, die „Szene“ zu vertreiben. Wenn ihre Angehörigen nicht mehr alles, was einen halben Meter über Grund herausragt, als Aufforderung zum öffentlichen Urinieren verstehen würden und sich die Pöbeleien verkneifen, wäre die Problematik entschärft. Aber sowohl Sozialarbeiter als auch Diakoniepastoren scheinen überfordert. Und so wird das Problem nach Flensburger Art wohl – ausgesessen.

Vielleicht sollte man noch mal nachdenken: Müssen die Gleise vom Innenstadt-Bahndamm wirklich weg? Gibt es Alternativen zum angedachten Radweg? Andere Ecken Deutschlands liefern Beispiele, wie mit alten Bahndämmen umgegangen werden kann. Betrieb einstellen geht ja fix – dann ist die neue Zukunft oft eine Draisinenbahn. Die auf der alten Bahn Flensburg-Niebüll ist ein Beispiel. Für das richtige Gefühl gibt es Fahrraddraisinen.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 11:17 Uhr

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