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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 15:58 Uhr

Gelting : Polder-Planung läuft ins Leere

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Formfehler bei der Auslegung der Planung führt dazu, dass das ganze Verfahren im Frühjahr 2017 wiederholt werden muss. Die Auslegungsfrist im Amtshaus Geltinger Bucht hätte den doppelten Zeitraum umfassen müssen.

Das ist ein herber Rückschlag in Sachen Hochwasserschutz für den Wasser-und Bodenverband Geltinger- und Stenderuper Au: Ein Formfehler der Wasserbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg hat dazu geführt, dass das bisherige Planfeststellungsverfahren für den Bau des langersehnten Polders, der den Kneippkurort vor einer weiteren Überschwemmung schützen soll, ins Leere gelaufen ist. Genauer gesagt: Die Auslegungsfrist im Amtshaus Geltinger Bucht für die Abgabe der Einwendungen der Polder-Gegner hätte den doppelten Zeitraum umfassen müssen, nämlich vier an Stelle von zwei Wochen nach der Auslegung der Planungsakte.

Dem Rabenholzer Vorsitzenden Hans Asmus Martensen des Wasser-und Bodenverbandes und seinem Stellvertreter Hinrich-Uwe Lorenzen aus Bosiek bereitet die Tatsache, dass im Frühjahr 2017 das ganze Verfahren wiederholt werden muss, große Sorgen. „Fest steht schon jetzt, dass der von uns im nächsten Jahr erhoffte Baubeginn für den Polder nicht stattfinden kann, sondern sich bis auf unbestimmte Zeit verzögert“, beklagt Martensen. Er fürchtet zudem, dass sich das Projekt durch diese Verzögerung verteuern könnte.

Bei dem erneuten Planfeststellungsverfahren behalten dem Vernehmen nach sämtliche eingegangenen Einwendungen ihre Gültigkeit. Doch während der Auslegung besteht dann seitens der Kritiker der Polderlösung noch einmal die Möglichkeit, in ergänzenden Stellungnahmen ihre Vorbehalte und Bedenken zu formulieren. Martensen weiß, dass bislang rund 50 Widersprüche aktenkundig gemacht wurden, darunter welche mit der bizarr klingende Furcht vor Mückenschwärmen, die von ihrer künftigen Brutstätte im Riesen-Rückhaltebecken aufsteigen und in Gelting „zustechen“ könnten. Die Interessengemeinschaft für Land-Gewässer und Hochwasserschutz (LAWA) Gelting favorisiert weiterhin die „Kanal-Lösung“.

Dass die Neuauflage des Verfahrens noch einen weiteren Pferdefuß enthält, wird vom Verbandsvorstand nicht verschwiegen, aber mit deutlicher Zurückhaltung formuliert, um kein Porzellan zu zerschlagen. Es geht dabei um neu aufgetauchte Probleme beim Grundstückserwerb für die sogenannte Verwallung des Polders. Die Gemeinde Gelting habe zwischenzeitlich eine Fläche von sechs Hektar aus Privatbesitz erworben, hauptsächlich für ein Neubaugebiet im Nahbereich der Birkhalle, so Martensen und Lorenzen. Die Kommune werde dem Verband 2,5 Hektar für das Polder-Projekt zur Verfügung stellen. Es fehlen nach Angaben der Verbandsspitze aber noch 3000 Quadratmeter Fläche, für deren Erwerb es derzeit vom Eigentümer keine Zusage gibt. Möglicherweise führt diese Situation dazu, das neue Planfeststellungsverfahren in Frage zu stellen, weil es der Regel nach nur dann in Gang gesetzt werden kann, wenn zuvor sämtliche Grunderwerbsverhandlungen positiv verlaufen sind.

Die ganze Misere hätte laut Martensen von vornherein vermieden werden können, wenn nicht – ohne Zustimmung des Wasser- und Bodenverbandes – im Jahre 1971 die offene Geltinger Au am Norderholm auf einer Länge von rund 400 Metern mit zu engen Leitungen verrohrt worden wäre. „Wahrscheinlich hat damals der Bund die Kosten in Verbindung mit dem Straßenausbau zur Kaserne nach Nieby getragen“, vermutet er.

Fazit heute: Den Bürgern von Gelting bleibt vorerst die Angst vor dem nächsten großen Hochwasser nicht erspart.

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