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Flensburger Tageblatt

21. September 2017 | 07:14 Uhr

Flensburg : Poco, der Spaltpilz von der Bleiche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Möbelhandel im Baumarkt? Darf sich das Einrichtungshaus Poco im ehemaligen Max-Bahr-Gebäude ansiedeln? Der Flensburger Planungsausschuss ist darüber tief zerstritten. Die CDU kündigt eine neue Initiative für die Ratsversammlung an.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 00:00 Uhr

Flensburg | Beschlossene Sache ist die Ansiedlung des Einrichtungshauses Poco in den Mauern des ehemaligen Max Bahr-Marktes an der Bleiche offensichtlich noch nicht. Zwar gab’s im Planungsausschuss nach hitziger Debatte eine winzige Mehrheit für die dafür erforderliche Änderung des Flächennutzungsplanes, doch die ist in der Ratsversammlung am 22. Mai alles andere als sicher. SPD und Grüne wollen statt der von der Verwaltung bevorzugten Ausnahmeregelung für eine Einzelhandelsansiedlung an diesem Standort Wohnen und Gewerbe, die CDU als stärkste Fraktion behält sich ihre Entscheidung noch vor. Ratsherr Arne Rüstemeier kündigte für die Ratssitzung eine neue Initiative seiner Fraktion an.

Die CDU will eine andere Entscheidungsgrundlage – nämlich ein aktualisiertes Einzelhandelskonzept. In der jetzigen Fassung ist der Bahr-Standort für Einzelhandel nicht vorgesehen. Rüstemeier will vor einem Beschluss gutachterlich geklärt haben, ob dieser weitere Standort mit dem vorhandenen Konzept zu vereinbaren ist. „Das ist nicht gegen Poco gerichtet“, erklärte Rüstemeier gestern. „Wir wollen aber faire und belastbare Beschlussgrundlage.“

Damit greift die CDU-Fraktion das große Unbehagen auf, das angesichts der Planungsparameter an der Bleiche die Vertreter auch von SPD und Grünen befällt. Planerisch darf auf dieser Fläche nur ein Baumarkt stehen. Brät aber die Stadt dem Investor hier eine Extrawurst, fürchtet ein großer Teil der Teil der Politik auch anderenorts Begehrlichkeiten entstehen, die man nicht mehr wegdiskutieren kann. Pelle Prieß und Stefan Thomsen von den Bündnisgrünen warnten wiederholt und eindringlich. „Wir sind hier nicht im Investorenerfüllungsausschuss“, wetterte Prieß. „Wenn wir hier eine Sonderregelung schaffen, wie können wir dann unser Einzelhandelskonzept glaubwürdig nach außen tragen?“ Das sich in der Verwaltungsvorlage abzeichnende Verfahren öffne der Spekulation Tor und Tür. „Dann brauchen wir am Ende keinen Planungsausschuss, dann können die Investoren gleich zu Herrn Schroeders gehen und den B-Plan selbst aufstellen.“

Die Schärfe hat direkt mit dem Auftritt des Investors in Flensburg zu tun, der die Immobilie offenbar blind aus der Insolvenzmasse erwarb und die Unvereinbarkeit eine Möbelhauses mit den planerischen Festsetzungen an dieser Stelle durch einen forschen Auftritt überspielte. Die Stadt fühlt die Pistole auf der Brust und den Schwarzen Peter in der Hand: Poco verspricht 70 Arbeitsplätze und Weiterbeschäftigung der Bahr-Belegschaft. „Wenn ihr nicht zustimmt, sind 70 Arbeitsplätze futsch. Dieses Verhalten ist Erpressung, unterste Schublade“, schimpft Rüstemeier. Viel freundlichere Worte finden auch Befürworter der Ansiedlung nicht. Edgar Möller (SSW) bemängelt einen schlimmen Mangel an Fingerspitzengefühl, hat aber lieber den Spatz in der Hand als eine leer stehende Immobilie an der Bleiche. Der Ausschuss sei es der Rude schuldig, wo viele der ehemaligen Bahr-Beschäftigten leben.

Christian Koch (FDP) verwies auf die von der Verwaltung vorgesehenen vertraglichen Steuerungsinstrumente. „Pro Arbeitsplatz zu sein, ist das Vernünftigste, was wir tun können. Wenn es schief geht, können wir hier immer noch Wohnen und Gewerbe umsetzen.“

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