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Bürgerärger : Plötzlich war der Spielplatz weg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

TBZ erkannte am Sünderuper Weg keinen Bedarf mehr: Die entsetzten Nachbarfamilien sahen es anders – und konnten die Politik umstimmen

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2016 | 18:50 Uhr

Pünktlich zum Sommer könnte der ehemalige Spielplatz am Ende des Sünderuper Wegs maximal als Rodelberg taugen. Denn wo bis vor wenigen Wochen noch Wippen und Rutsche, Schaukel und Karussell standen, sind auf der abschüssigen Grünfläche nur noch Sandflecken geblieben. Hier haben nicht etwa Diebe abgeräumt, sondern das Technische Betriebszentrum – ganz legal und im Auftrag des zuständigen Fachbereichs bei der Stadt.

Ein anonymer Beschwerdeführer spricht von einer Nacht- und Nebelaktion. Die aufgebrachten Anwohner haben sich daraufhin organisiert und im Rathaus beschwert. Julia und Roland Flüge aus der Nachbarschaft waren beim gut besuchten Ortstermin Anfang des Monats dabei, als die Verantwortlichen den Vorgang erklärten. Ein stählerner „Piraten-Ausguck“ zum Beispiel, der in seinen Augen noch völlig in Ordnung war, sei offenbar wegen des schlechten Zustandes verschrottet worden wegen, erzählt Roland Flüge, von Beruf Ingenieur, verwundert. Und die Schaukel ist weg, ergänzt Julia Flüge. „Dann müssen wir eine bauen“, schlägt Felicia ihren Eltern vor, „aus Holz!“ Die Sechsjährige spricht auch für ihren zweijährigen Bruder Frederic, wenn sie sagt, dass sie „richtig oft“ hier waren. Ein paar Mal in der Woche und manchmal auf dem Weg vom Kindergarten haben die Kinder hier gespielt, präzisiert Julia Flüge.

Vor allem habe ihre Tochter zusammen mit den gleichaltrigen Freundinnen gerade begonnen, ohne Erwachsene den ruhig am Ende einer Sackgasse gelegenen Spielplatz aufzusuchen. Insgesamt fünf Plätze sollen von der Stadt aufgegeben worden sein, sagt Julia Flüge, vier Mal sei das ohne Protest geschehen. Nicht so am Sünderuper Weg: Hier sind die Betroffenen auf die „Barrikaden“ gegangen, schreibt der Beschwerdeführer ohne Namen in seinem Brief an die Redaktion und behauptet, dass mit dem Rückbau 20  000 Euro gespart werden sollten.

Rathaussprecher Clemens Teschendorf will sich jedoch nicht auf einen Wert festlegen. Der geht auf in der jährlichen Pauschale für die Unterhaltung der derzeit 80 städtischen Spielplätze, und die belaufe sich aktuell auf 560  000 Euro. Diese rund 80 Spielplätze werden jede Woche einmal begangen und überprüft, um festzustellen, wie es um die Sicherheit der Geräte bestellt ist und um die Nutzung. Wenn unter einer Schaukel schon jede Menge Gras wachse, könne das ein Zeichen sein, dass hier lange niemand mehr gespielt habe, gibt Teschendorf ein Beispiel. Vierteljährlich erfolge eine „Verschleißkontrolle“ und einmal im Jahr die „Hauptuntersuchung“ nach Din-Normen, also eine Art Tüv. „Die Sicherheit muss gewährleistet sein“, darauf liege das Hauptaugenmerk. Auch wichtig sind die Abnutzungserscheinungen und die Wohngegend – Stichwort demografischer Wandel –, die darauf schließen lassen, ob ein Spielplatz noch gebraucht wird. Der am Sünderuper Weg habe den Eindruck gemacht, „als ob er nicht mehr genutzt wird“, erklärt Clemens Teschendorf den Rückbau und bezeichnet einen solchen Vorgang als „Alltagsgeschäft“. In der Vergangenheit habe man mit der Einschätzung „immer richtig gelegen“. Nur dieses Mal, so geben die Verantwortlichen selbstkritisch zu, liege man falsch, erklärt der Stadtsprecher.

„Aber wir sind lernfähig“, sagt Teschendorf, und deshalb werden Karussell, Kleinkinderrutsche, Federwipper und Sandkasten auch in Kürze zurückkehren. Nur Stehwippe und Schaukel werden nicht wieder aufgebaut. Ausgerechnet die Schaukel: Die sei sehr lange kaputt gewesen und doch erst kürzlich repariert worden, erinnert Julia Flüge.

Inzwischen hat sich auch der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit dem Sünderuper Weg befasst. Der Vorschlag, den Rückbau kurzfristig rückgängig zu machen, sei mit großer Zustimmung aufgenommen worden, sagt die Vorsitzende Ellen Kittel-Wegner. Konsens habe darüber bestanden, damit eben nicht bis zum Herbst zu warten, wenn das große Spielplatzkonzept für die gesamte Stadt erwartet wird.

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