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Tatort Flensburg : „Plötzlich hatte ich ein Messer am Hals“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach einer Partynacht wird ein 25-Jähriger ausgeraubt. Nachts kommen solche Überfälle in der Flensburger Innenstadt häufiger vor.

Flensburg | Es ist 4.30 Uhr am Sonntagmorgen. Für Jan Laurenz* war es eine lange, lustige Partynacht mit seinen Freunden. Weil es von der Kneipe bis zu seiner Wohnung nicht weit ist, macht er sich zu Fuß auf den Heimweg und geht über einen Innenhof an der Speicherlinie in Richtung Große Straße. Auf dem Weg kommt der 25-Jährige an einer Gruppe junger Leute vorbei – drei Männer und eine Frau. Zunächst denkt er sich nichts dabei, aber als Jan Laurenz in eine dunkle Gasse einbiegt, steht plötzlich einer der Männer hinter ihm. „Das ging alles megaschnell. Er hat mich an der Jacke gepackt und an die Wand gedrückt. Auf einmal hatte ich dann ein Messer am Hals“.

Der Unbekannte klopft seine Hose ab und spürt sofort Smartphone und Geldbörse durch den Stoff. „Er hat gesagt, ich soll den ganzen Kram hergeben“, sagt Laurenz, „ich habe gar nicht groß nachgedacht, schon gar nicht daran, mich zu wehren. Ich habe ihm einfach meine Sachen gegeben und dann war es auch schon vorbei.“ Erst als Jan Laurenz wieder alleine in der Gasse steht, wird ihm die Situation so richtig bewusst. „Da ging es mir erst durch den Kopf: Alter – du hast da gerade ein Messer an der Kehle gehabt! Das Gefühl, wie das Messer in seine Haut gedrückt hat, spürt der junge Mann immer noch, als er sicher zuhause angekommen ist. Zur Polizei geht er erst am nächsten Tag – „ich habe gedacht, dass die da jetzt eh´ nichts machen können.“

Dass dies eine falsche Entscheidung war, erfährt Jan Laurenz dann am Sonntagvormittag auf dem Polizeirevier. „Der Beamte hat gesagt, wenn ich sofort gekommen wäre, hätte man die Gruppe vielleicht noch erwischen können.“ Das sagt auch Polizeisprecher Markus Langenkämper: „Die Polizeiwache liegt nahe des ZOB, gerade wenn in der Innenstadt etwas passiert, können die Kollegen in kürzester Zeit vor Ort sein.“ Um die Täter zu fassen, sei die Polizei auf die Mithilfe der Opfer angewiesen: „Hinweise auf Auffälligkeiten wie Tattoos, bestimmte Frisuren oder Kleidung können uns helfen. Auch die Fluchtrichtung ist ganz wichtig.“ Am einfachsten sei es, die Polizei direkt nach der Tat über die 110 telefonisch zu kontaktieren – „die jungen Leute haben ja alle ein Handy. Und wenn das gerade gestohlen worden ist, kann man Passanten um einen Anruf bei der Polizei bitten.“ Einen Tag später kann der Fall dagegen meist nur noch zu den Akten gelegt werden, sagt Langenkämper. Wenn sich der Überfallene noch gut an das Gesicht des Täters erinnern könne, bestehe höchstens noch die Möglichkeit, die Fotos bekannter Straftäter durchzusehen.

Jan Laurenz kann sich kaum noch an den Mann erinnern, der ihn überfallen hat – „ich hatte ja auch vorher einiges getrunken“. Die Täterbeschreibung, die die Polizei schließlich aufnimmt, lautet folgendermaßen: männlich, zirka 22 Jahre, 1,70 bis 1,75 Meter groß, dünn, blonde bis braune kurze Haare, europäisches Erscheinungsbild, osteuropäischer Akzent, dunkler Kapuzenpullover, dunkle Hose.

Beim Überfall hat sich Jan Laurenz genau richtig verhalten, sagt der Polizeisprecher: „Wenn man mit einer Waffe bedroht wird, sollte man tunlichst keinen auf dicke Hose machen. Handy und Geldbörse sind leicht ersetzbar – Organe nicht.“ Damit es gar nicht erst so weit kommt, rät Langenkämper dazu, nachts nie alleine unterwegs zu sein und dunkle, leere Gassen zu meiden. Werde man nicht mit einer Waffe bedroht, sei es wichtig, durch Schreie auf sich aufmerksam zu machen und gegenüber dem Täter selbstbewusst aufzutreten. Trotzdem gelte: „Lieber einmal mehr weglaufen als übermütig vorgehen.“

Gerade nachts werden Partygänger häufiger Opfer von Raubüberfällen, sagt Langenkämper. „Das ist aber nicht nur in Flensburg so. In jeder Stadt passiert so etwas vor allem nachts und in der Innenstadt. Und in Flensburg ist die Zahl der Raubüberfälle eher unterdurchschnittlich.“ Im vergangenen Jahr waren es 44 sogenannte „Raubtaten“, davon ereigneten sich 16 in der Altstadt und 5 auf dem Sandberg. In diesem Jahr gab es von Januar bis Oktober 31 solcher Raubtaten.

Jan Laurenz hat jedenfalls aus dem Vorfall gelernt: „ In Zukunft werde ich um diese Uhrzeit sicherlich nicht alleine durch die Hinterhöfe laufen.“ Er glaubt aber auch nicht, dass man in Flensburg nachts nicht mehr rausgehen kann. „Man muss sicherlich keine Angst haben, wenn man gut beleuchtete und belebte Wege wählt – wie zum Beispiel die Große Straße. So dreist sind die nicht.“

*Name von der Redaktion geändert.

 

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erstellt am 19.Nov.2014 | 08:00 Uhr

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