Freizeitbad Tarp : Plötzlich arbeitslos: "Wir wurden einfach abserviert"

Sind frustriert und wissen nicht, wie es ohne Job nun weitergehen soll: Christel Gandt (links) und Anja Petersen-Nissen.  Foto: Kahlen
Sind frustriert und wissen nicht, wie es ohne Job nun weitergehen soll: Christel Gandt (links) und Anja Petersen-Nissen. Foto: Kahlen

Zwei langjährige Mitarbeiterinnen sind ihren Job im Tarper Freizeitbad los - und wissen gar nicht genau warum. Beide kritisieren das Vorgehen der Gemeinde. Die Bürgermeisterin verweist auf ein Missverständnis.

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15. April 2013, 11:29 Uhr

Tarp | Anja Petersen-Nissen und Christel Gandt sind zutiefst enttäuscht, aber auch sehr wütend. "Das ist demütigend", sagt Petersen-Nissen. "Wir wurden abserviert, einfach so", ergänzt Christel Gandt und schnippt mit dem Finger. Eigentlich würde es am 9. Mai für beide wieder losgehen, wenn die Saison im Tarper Freizeitbad beginnt. Petersen-Nissen war dort seit 2010 Kassiererin, Gandt seit 2001 Reinigungskraft. Doch jetzt sind beide ihren Job los. Und was für sie noch schlimmer ist: Sie haben keine Ahnung, warum. Und sie wissen nicht, wovon sie nun leben sollen. Petersen-Nissen ist 48, erkrankte mit 25 Jahren an Krebs, hatte zwei Bandscheiben-Vorfälle und leidet an Rheuma, ist zu 50 Prozent schwerbehindert. Gandt ist 58, weiß nicht, wo sie jetzt noch Arbeit finden soll.

Beide erheben schwere Vorwürfe gegen ihren früheren Arbeitgeber, die Gemeinde Tarp, die das Freizeitbad betreibt, und gegen den zuständigen Personalrat. Sie hatten als Angestellte im öffentlichen Dienst einen Arbeitsvertrag - wurden aber nicht entlassen. Denn Anfang des Jahres wurden alle Stellen für das Bad neu ausgeschrieben. "Das hat es zuvor nie gegeben, und uns gewundert. Aber gut, dann haben wir uns neu beworben", so Gandt. Beide reichten ihre Bewerbung ein, gingen Mitte März zum Vorstellungsgespräch, das als "rein pro forma" angekündigt worden sei - wurden letztlich aber nicht wieder eingestellt, als einzige vom ganzen Team.

Vorwürfe gegen neue Chefin

Die Hintergründe sind äußerst undurchsichtig. "Was sich 2012 im Bad abgespielt hat, haben wir noch nie erlebt", sagt Petersen-Nissen. Das Problem sei die neue Bad-Leiterin gewesen. "Zuvor war Rainer Müller 27 Jahre lang Leiter. Er war ein toller Chef." Bei der Nachfolgerin aber habe man schnell gemerkt: "Da stimmt was nicht." Petersen-Nissen behauptet, von zahlreichen Vorfällen zu wissen: Aus ihrer Kasse sei Geld verschwunden, als die Leiterin sie einmal vertrat, diese habe Familienangehörigen Saisonkarten zugeschustert, Arbeitszeiten nicht eingehalten, und Abrechnungen hätten nicht gestimmt. Die Leiterin habe sämtliche Vorwürfe abgestritten, auch vor dem Gemeinderat - wurde letztlich aber gekündigt.

Das alles sei "schlimm genug" gewesen, sagt Petersen-Nissen, doch noch entsetzter sei sie über das, was folgte. Vor allem das Verhalten von Bürgermeisterin Brunhilde Eberle sei nicht fair gewesen. Diese habe beim Saison-Abschlussgrillen allen Mitarbeitern versichert, dass sie 2013 wieder dabei seien - doch letztlich habe ausgerechnet diese ihr mitgeteilt, sie habe den Job nicht wieder. "Frau Eberle sagte mir, der Personalrat sei dagegen."

Callcenter-Job aufgegeben

Das Brisante: Bevor sie sich neu bewarb, hatte sich Petersen-Nissen wegen der Vorfälle mit der Bad-Leiterin selbst entschlossen, nicht wieder im Bad anzufangen, dies der Gemeinde schriftlich mitgeteilt. Sie suchte sich einen neuen Job in einem Callcenter. Im Februar aber habe Rainer Brick, der inzwischen die Bad-Leitung übernommen hatte, sie angerufen und gesagt, alles sei "dumm gelaufen", er solle sie von der Bürgermeisterin fragen, ob sie nicht wieder anfangen wolle. Petersen-Nissen entschied sich nach langem Grübeln für einen Neuanfang im Freizeitbad. "Denn ich habe den Job eigentlich immer geliebt." Nun aber hat sie gar keine Arbeit mehr: Den Callcenter-Vertrag verlängerte sie aufgrund der Versprechungen nicht.

Christel Gandt ist fast noch ratloser. Sie sei mit der Begründung abgelehnt worden, die Arbeit im Freizeitbad sei nicht mit ihrem kleinen Nebenjob vereinbar. "Dabei habe ich den schon mehrere Jahre." Man hätte ihr ja im Vorstellungsgespräch sagen können, dass er ein Problem ist, findet sie, "dann hätte ich ihn dem Freizeitbad zuliebe aufgegeben. Aber nach zwölf Jahren war ich plötzlich weg wie eine Fliege".

"Sozialauswahl" gegen langjährige Mitarbeiterin

Auf Nachfrage erklärt Dorothea Nissen-Daus, seinerzeit Vorsitzende des Personalrats: "Die beiden Damen missverstehen das. Dem Personalrat wurden von der Gemeinde nie Arbeitsverträge vorgelegt, die wir hätten ablehnen können." Die Gemeinde entscheide, ob ein Arbeitsvertrag entsteht. Warum diese sich gegen Petersen-Nissen entschied, wisse sie nicht. Sie sagt aber: "Jede Saison-Kraft muss nicht denken, dass es im nächsten Jahr unbedingt das Gleiche ist." Zum Fall von Gandt sagt sie, die Gemeinde sei wohl nach der "Sozialauswahl" vorgegangen. "Frau Gandt hat ja noch einen Nebenjob gehabt, und es gab fünf Bewerber, von denen einige eine Behinderung hatten."

Die Bürgermeisterin wollte sich nicht dazu äußern, warum genau Gandt und Petersen-Nissen nicht wieder eingestellt wurden, Personalangelegenheiten würden "nicht in der Öffentlichkeit diskutiert". Sie weist aber da rauf hin, dass "der Personalrat nicht nur ein Informations-, sondern auch ein Mitwirkungsrecht" hat, "gemeindliche Entscheidungen beeinflussen bzw. verhindern" kann - bleibt also dabei, dass der Personalrat gegen die Einstellungen ein Veto eingelegt hat. Weiter sagt Eberle, sie habe beim Abschluss-Grillen nur ihrer Hoffnung Ausdruck gegeben, "dass wir uns alle in der nächsten Saison gesund wiedersehen", und über Rainer Brick habe sie Anja Petersen-Nissen lediglich ausrichten lassen, "dass sie sich doch wieder bewerben solle".

Diese widersprüchlichen Aussagen helfen Christel Gandt und Anja Petersen-Nissen wohl nicht weiter. Ein Zurück ins Freizeitbad sehen sie nun aber ohnehin nicht mehr. Anja Petersen-Nissen kramt noch ein Bild hervor von einem kleinen Badegast: "Du bist die beste Schwimmbad-Anja der Welt."

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