Niederdeutsche Bühne : Plattdüütsch-Premiere – vergnüglich, aber verstörend

Wert der Freundschaft:  Bengt Reepschläger (Lars Petersen, Mitte) freut sich über das erste Wort von Paul Gebhardt (Manfred Schrader, lrechts), ganz links der skeptische Herbert Traulsen (Günter Herrmann).
Wert der Freundschaft: Bengt Reepschläger (Lars Petersen, Mitte) freut sich über das erste Wort von Paul Gebhardt (Manfred Schrader, lrechts), ganz links der skeptische Herbert Traulsen (Günter Herrmann).

Das treue Publikum honoriert die NDB-Uraufführung von Ünner’t Lüchtfüer von Arne Christophersen und Elmar Thalmann.

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17. März 2014, 17:00 Uhr

Das ansprechend detail-schöne Bühnenbild schuf Norbert Drossel: In die gefühlte Höhe des Runds einer Leuchtturmwärter-Wohnung entführte am Sonnabend im Stadttheater die Uraufführung von „Ünner’t Lüchtfüer“ des hiesigen Autors Arne Christophersen bei der Niederdeutschen Bühne Flensburg. Spürbar gespannte Erwartung im Publikum kennzeichnete das von Elmar Thalmann inszenierte Stück.

Locker vergnüglich gestalten sich noch die ersten Szenen: Der freundlich junge Assistent Bengt, der 46. nach 45 vergraulten Kandidaten, trifft auf den abweisend schweigsamen Leuchtturmwärter Paul. Spaß macht es, Lars Petersen und Manfred Schrader in ihren herrlich gegensätzlichen Rollen zu erleben, bewährt sympathisch ergänzt von Günter Herrmann als Postbüddel.

Mit dem Besuch von Pauls niedlicher Tochter Nina (Lisanne Goldkamp) kommt Sonnenschein in die trübselige Männerwelt im Turm, die die rote Tesa-Demarkationslinie in zwei Teile separiert, wo Pauls elektrische Sägensammlung dröhnt und anschaulich der Regen an den Scheiben herunter rinnt.

Erste Schatten tauchen auf. Wohltuend empfindsam und schön wirkt die Krankenbettszene im Kerzenlicht. Wo jetzt der Zuschauer jedoch wahre Tiefe erhofft, wirkt das dargebotene Geschehen in Passagen konstruiert, unschlüssig, wird zum merkwürdig unstimmigen Wechselbad, das Fragen offen lässt. Verstohlen nimmt Nina Medikamente. Was hat es mit Pauls unerklärlicher Liebe zu Kinder-DVDs auf sich? Für an sich wertvolle Handlungsdetails fehlt der sensible Kitt der Wort- und Gestik-Nuancen, der das Theaterstück zu einem in sich harmonischen, nachvollziehbaren Ganzen werden ließe.

Christophersen will den Wert der Freundschaft herausarbeiten. Doch dass etwa angesichts größter Trauer zu Dschungelbuchtönen getanzt wird, auch wenn es den Blick in die wärmere Zukunft öffnen will, verstörte viele Zuschauer im Flensburger Stadttheater.

Trotzdem: Mit viel Zwischenapplaus dankte das Publikum für wohldosierte amüsante Szenen. Großer Schlussapplaus und Bravo-Rufe für Autor und Darsteller kündigten von der tiefen Verankerung des niederdeutschen Theaters beim hiesigen Publikum.

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