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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 08:56 Uhr

„Plattdeutsch muss man leben“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Schuljahresbeginn gibt es das Fach Niederdeutsch an der Zentralschule Harrislee – einzigartig im Flensburger Raum

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 19:06 Uhr

„Harfst, Harfst, kummt över’t Land, Harfst, Harfst, giff mi dien Hand“: Günter Herrmanns fröhliche Gitarrenklänge zum plattdeutschen Lied erfüllen das Klassenzimmer und ziehen die Schar Erstklässler in den Bann. Die ersten singen mit, spielen das Gesungene nach: „Treck de lang’ Stewel an und lat uns gaan“. Günter Herrmann, pensionierter Wasserschutzpolizist und in der Region bestens bekannter und beliebter Schauspieler der Flensburger Niederdeutschen Bühne (NDB), hat die Plattdeutsch-Patenschaft für die Kleinen dieses Jahrgangs übernommen. „Wir wollen über die Musik eine Anschub-Energie schaffen“, erklärt er motiviert. Denn: Seit Beginn des Schuljahrs gibt es das Fach Niederdeutsch an der Zentralschule Harrislee.

Vergangenes Jahr habe es einen Aufruf des Bildungsministeriums gegeben, Bewerbungen für das Fach Niederdeutsch samt Konzept zu Gestaltung und Angebot, organisatorischer Umsetzung, regionalen Bezügen und Verknüpfung mit anderen Unterrichtsfächern vorzulegen, erläutert Schulleiter Jürgen Bethge. Vor allem mit der engen Kooperation mit der hiesigen Niederdeutschen Bühne konnte die Harrisleer Schule punkten. Bethge selbst ist leidenschaftlicher Plattdeutscher, stand dort schon in vielen Rollen auf der Bühne. Bei 44 Bewerbungen gehört die Zentralschule zu den 27 auserwählten Grundschulen in Schleswig-Holstein, die ab diesem Schuljahr je zwei Wochenstunden für eine Niederdeutsch-AG in Klasse eins erhalten haben. Bis zum 4. Schuljahr werden zwei Lehrerwochenstunden anschließen. Ziel seien Spracherwerb und die spielerische Begegnung mit der Regionalsprache Plattdeutsch.

35 der Schulanfänger haben sich für Platt bei Dörte Magnussen, Muttersprachlerin und Fachlehrerin für Niederdeutsch, entschieden: „Die Kinder sind hochmotiviert, begegnen dem Plattdeutschen offen und erfreuen sich an ihren ersten Sprachversuchen“, berichtet sie.

„Wir sind freudig überrascht“, betont Bethge; angesichts einer solch großen Zahl wurden zwei Gruppen eingerichtet. Die gute Symbiose zweier Institutionen sei eine Win-win-Situation, eröffne Möglichkeiten, freuen sich Bethge sowie Rolf Petersen, Chef der Flensburger NDB, über die Verknüpfung Schule – Theater. „Wir führen die Kleinen ans Theater heran; das sind die Zuschauer, die Aktiven von morgen“, sagt Petersen.

Vielleicht gehe mit einer niederdeutschen Kindergesangsgruppe ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Bethge kann sich gut kleine niederdeutsche Aufführungen, gegenseitige Besuche vorstellen: „Was man in der Kindheit erlebt, speichert man ab. Das schafft ein Forum.“ Gerade im Rahmen der Globalisierung sei Plattdeutsch ein emotionaler Anker, der Identität schafft. „Plattdeutsch muss man leben“, ergänzt Herrmann.

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