Sterup : „Platt stärkt das Selbstvertrauen“

Mit dem pensionierten Lehrer Heinzjürgen Klotz  haben sich Nele, Merle. Josie, Linda, Hanno und Janne (v.li.) auf den Vorlesewettbewerb vorbereitet und die plattdeutsche Sprache lieben gelernt.
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Mit dem pensionierten Lehrer Heinzjürgen Klotz haben sich Nele, Merle. Josie, Linda, Hanno und Janne (v.li.) auf den Vorlesewettbewerb vorbereitet und die plattdeutsche Sprache lieben gelernt.

Viertklässler Hanno Buck siegt bei Vorlesewettbewerb der Steruper Grundschüler.

shz.de von
24. Januar 2018, 13:18 Uhr

Für Birgit Müller, Leiterin der Steruper Grundschule, ist es Ehrensache, dass ihre Schüler am Vorlesewettbewerb „Schölers leest Platt“ teilnehmen. Schließlich war der Namensgeber der Grundschule, Heinrich Andresen, ein plattdeutscher Dichter, und das verpflichtet. Dabei ist sich Birgit Müller sicher, dass Andresen (1875 in Brunsbüllund geboren – 1958 in Hamburg-Bergedorf gestorben) seine Freude daran gehabt hätte, zu erleben, wie die plattdeutsche Sprache auf dem Vormarsch ist und sich Kinder für diese oft für sie fremde Sprache begeistern – ganz genau artikulieren, es nicht an Lesefertigkeit, Aussprache, und Ausdruck fehlen lassen.

Bei dem Vorlesewettbewerb unter Schirmherrschaft von Bildungsministerin Karin Prien galt es jetzt, den diesjährigen Lesebesten der Steruper Grundschule zu ermitteln. Gelesen wurde erstmals vor Publikum, und da war die Aufregung groß. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Jungen und Mädchen Platt entweder von den Großeltern gelernt haben, daheim mit den Eltern aber kaum sprechen. Erst in der Schule haben sie sich gemeinsam mit Heinzjürgen Klotz aus Westerholz in die Sprache „hinein gekniet“. Der kommt einmal in der Woche nach Sterup, um das Verstehen und Sprechen zu verbessern und die Kinder besser mit dieser Sprache vertraut zu machen. Der 82-jährige ehemalige Pädagoge hatte sich bei seinem Realschullehrer-Examen mit dem Thema „Gebrauch des Niederdeutschen in den ersten Grundschuljahren“ auseinander gesetzt. Er weiß, dass es einst nicht opportun war, in der Schule Platt zu sprechen. Da war Hochdeutsch angesagt.

Das Platt jetzt wieder stark im Kommen ist, freut ihn sehr. „Das, kommt nicht nur dieser Sprache zugute, sondern stärkt auch das Selbstvertrauen der Kinder“, sagte Klotz jetzt anlässlich des Lesewettbewerbs – und zeigte sich dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund dankbar dafür, dass er diese Wettbewerbe veranstaltet.

Die Vorlesenden erzählten gerne, wie das bei ihnen daheim mit Platt ist. Da wurde immer wieder deutlich, dass den Großeltern eine große Rolle beim Vermitteln der Sprachen zukommt.

Die Kinder, die sich in der Schule in diese Sprache vertieft haben, wenden sie im Alltag allerdings kaum an, aber können sie aber gut verstehen. Platt-Schnacken, das mache sie nur mit ihrer Schwester, wenn diese sie mal wieder geärgert habe, gestand eine Drittklässlerin und ein Viertklässler berichtete, dass er am liebsten mit Opa Erwin, von dem er Platt gelernt habe, schnacke.

Für die „Leoparden“ – Schüler der dritten Klasse – waren es Nele und Merle, die von Pippi Langstrumpfs erstem Schultag und von „Een Dag an de See“ vorlasen. Eine beliebte Lektüre, die auch von den „Eulen“ und „Tigern“, Schülern der vierten Klasse, vorgetragen wurden – von Josie und Janne. Außerdem erzählte Linda von „De grote Unkel Max“, und Hanno beschwerte sich, dass „ümmer up de Lütten“ geschimpft werde.

Da hatten die Juroren, allesamt von Hause aus Platt-Schnacker, bei der Bewertung keine leichte Aufgabe.

Schließlich jedoch kürten sie – Amtsvorsteher Thomas Johannsen, für die Gemeinde Sterup Christian Timm, der ehemalige Leiter der Steruper Grundschule, Ulrich Kallsen, und die ehemalige Lehrerin Inge Jacobsen – als Sieger Hanno Buck, der die Grundschule nun auf höherer Ebene vertreten wird. Und die Juroren betonten, stolz „auf unsere Platt-Leser“ zu sein. Nicht nur für Heinzjürgen Klotz, der die Plattdeutsch-AG leitet, sondern auch für die Juroren ist es, wie sie sagten, eine Herzensangelegenheit, dass die Sprache wieder lebendiger wird.

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