Platt-Oscar für Annemarie Jensen

Förderverein des Plattdeutschen Zentrums in Leck würdigt die Botschafterin des Niederdeutschen mit "Dat grote P"

shz.de von
10. Juni 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Mit viel Prominenz ausgestattet, am Akkordeon untermalt von Rolf Appelles, begleitet von Hörfunk und Fernsehen und gebührend feierlich war der Rahmen im Studio der Niederdeutschen Bühne Flensburg gewählt worden: Aus den Händen von Helmut Wree, dem Vorsitzenden des Fördervereins Plattdeutsches Zentrum Leck sowie Landtagspräsident Klaus Schlie erhielt Dr. Annemarie Jensen am Freitag "Dat grote P", den "plattdeutschen Oscar" für ihre Lebensleistung.

Das dreidimensional geformte "grote P", Anfangsbuchstaben von Plattdeutsch, steht für "grote" Leistungen und Verdienste zum Erhalt der niederdeutschen Sprache und Kultur und wird alle zwei Jahre mit einer Spende von 500 Euro, jetzt zum sechsten Mal, vergeben. Die Ehrung solle Vorbild- und Signalwirkung haben und zum Nachahmen anregen, verstehe sich als Anerkennung verdienstvoller künstlerischer und praktischer Arbeit für das Niederdeutsche im alltäglichen Leben und Wirken, so Wree und Ingwer Oldsen, Leiter des Zentrums für Niederdeutsch in Leck.

Das große P stehe auch für Persönlichkeit und ein großes Plus, lobte Schlie: "Ik heff groten Respekt vor so veel Arbeit un Knööv", sagte er op platt. "Leve Anwesende" - ebenfalls teils auf platt dankte Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber Jensen im Namen der Stadt Flensburg für den unermüdlichen Einsatz für die niederdeutsche Sprache: "Mok man wieder so!" In seiner Laudatio führte Robert Langhanke, Germanist und Lehrer für Niederdeutsch an der Universität Flensburg, die vielfältigen Verdienste der einstigen Anästhesistin an der Diako und Aktivistin der plattdeutschen Sprache vor Augen. Plattdeutsch aufgewachsen auf einem Bauernhof in Sillerupfeld hat sich Jensen vor allem seit dem Ruhestand der Sprache ihrer Heimat verschrieben. Sie verfasste die niederdeutsche Formenlehre für "Flensburg un Schleswig" (2007), "Nordfreesland" (2009) und "Dithmarschen" (2011). Durch ihre sh:z-Kolumne "Gedanken över plattdüütsche Wöör" wurde sie weit im Lande bekannt. In ihren Büchern "Plattdüütsch leevt" (2012) und "Dit un dat op Platt besnackt" (2013) greift sie in gemütlichem Schnackton liebenswerte Besonderheiten der hiesigen Sprache auf. Jensen sei Motor und Organisatorin der "Düütsch-amerikanischen Plattdüütschkonferenz", habe den regelmäßigen Flensburger Plattdeutschen Stammtisch ins Leben gerufen und mit ihrem Engagement vielen Plattdeutschen die Scheu, wedder platt to snacken, genommen. Mit ihrem großen Netzwerk "wiest Annemarie jedeen sein Weg to de plattdüütsche Spraak. Plattdüütsch hört so lang nich op to leven, so lang Minschen as Annemarie Jensen dat snacken", sagte Langhanke.

"Dat sall en Utteken för de verdeenstvulle Arbeit um de plattdüütsche Spraak un Kultur sien. Wenn een dat wöörtli nimmt, denn is de Pries bi mi ane verkehrte Adress kamen", bedankte sich Annemarie Jensen herzlich für den Plattdeutsch-Oscar: "As Arbeit heff ik dat, wat ik in Tosamenhang mit Platt-düütsch maakt heff, nie ansehen. Vunt Geföhl her weer dat immer en Vergnögen un Freud för mi. Mit son Lüüd man eenfach Plattdüütsch schnacken un se sodennig mit langs nehmen un dorbi uk noch Frünnen fört Leven kennenlehren - dat is doch keen Arbeit." Vor allem durch die Zeitungskolumne sei sie mit vielen Lesern "ins Schnacken" gekommen. "Dat hett wunnerbor funktioneert."

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