Flensburger Frauennotruf : Plakate gegen sexualisierte Gewalt

Frauen gegen Gewalt: Ute Morgenroth (links) und Ursel-Marie Thomsen vor einer der rund 80 Litfaßsäulen in der Helenenallee mit dem Kampagnen-Plakat (oben rechts).
Frauen gegen Gewalt: Ute Morgenroth (links) und Ursel-Marie Thomsen vor einer der rund 80 Litfaßsäulen in der Helenenallee mit dem Kampagnen-Plakat (oben rechts).

Am Tag der Menschenrechte macht der Frauennotruf erneut auf den zu reformierenden „Vergewaltigungsparagraphen“ aufmerksam.

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10. Dezember 2014, 16:00 Uhr

1000 Männchen reihen sich senkrecht und waagerecht auf der Postkarte und auf den Plakaten. Neun der Piktogramme sind pink gefärbt und mit dem Wort „verurteilt“ versehen, 100 tragen ein zartes Rosa und stehen für angezeigte Vergewaltiger. Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) als Urheber dieses Motivs geht bei diesen Relationen von einer „optimistischen Schätzung aus“, dass gerade mal jede zehnte Vergewaltigung angezeigt wird. 2012 seien nur rund 9 Prozent der Tatverdächtigen auch verurteilt worden.

Weil für dieses Missverhältnis aus Sicht der Frauenrechtler und nicht weniger Justiz-Angehöriger auch der Paragraph 177 des Strafgesetzbuchs verantwortlich gemacht wird, wünschen sich bff, Landesverbände und lokale Einrichtungen eine Sensibilisierung für das Problem und eine Gesetzesreform. Der Plakat- und Postkartenkampagne „Vergewaltigung verurteilen!“, die schon seit Ende November läuft und am heutigen Tag der Menschenrechte zu Höchstform aufläuft, hat sich auch der Flensburger Frauennotruf angeschlossen. 500 Kontakte zu Klientinnen gebe es im Jahr, weiß Ute Morgenroth, Vorstand vom Verein Hilfe für Frauen in Not (zu dem der Notruf gehört). „Der Tag der Menschenrechte ist natürlich auch ein Tag der Frauenrechte“, betont Ursel-Marie Thomsen vom Frauennotruf. Vergewaltigung sei „immer noch keine öffentliche Sache“, obwohl die gesamte Gesellschaft betroffen sei. Das Problem des Paragraphen 177 StGB sei, dass er eine Vergewaltigung nicht als strafrechtlich relevant verfolge, „wenn eine Frau in Erstarrung geht vor Angst oder nur ’nein’ sagt“. Dabei, so findet Thomsen, sollte ein „Nein“ reichen – und nicht auch noch die Voraussetzung „Nötigung“ notwendig sein für die Verurteilung. „Beweise gibt es meist sowieso nicht.“ Ute Morgenroth stimmt zu: „Eine Willensäußerung wie auch immer muss ausreichen.“

Beide Flensburger Frauen sind sich einig, dass das Reformvorhaben „auf gutem Wege“ sei, denn Bundesjustizminister Heiko Maas habe sich dahingehend schon positioniert. Auf der Website seiner Behörde ist das Stichwort „Änderung des § 177 StGB in Planung“ zumindest hinterlegt, wenngleich noch ohne sichtbaren Inhalt.

Thomsen und Morgenroth rechnen im nächsten Jahr mit Fortschritten in ihrem Sinne auf Bundesebene. Doch bleiben sie bis dahin nicht untätig, sondern haben sämtliche – rund 80 – Litfaßsäulen in Flensburg mit den Hingucker-Plakaten bekleben lassen und auch eine Postkarte nach Kiel zu Anke Spoorendonk verschickt. Der Förderverein des Notrufs habe sich der Kosten angenommen, sagt Ute Morgenroth. Schon im Oktober seien zudem in Bussen auf den Flächen im Rücken des Fahrers die Plakate mitgefahren. Sie habe deshalb ebenfalls häufiger den Bus genommen, berichtet Ursel-Marie Thomsen, um Reaktionen einzufangen. „Die Leute finden das Design klasse“, hat die Notruf-Mitarbeiterin beobachtet. Öffentliche Wahrnehmung ist ein Anfang.

www.frauen-gegen-gewalt.de

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