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Europa-Universität Flensburg : Europa-Universität Flensburg: Plagiats-Vorwurf gegen Uni-Professorin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Analyse von „VroniPlag Wiki“: Flensburger Professorin soll sowohl bei der Habilitation als auch bei der Doktorarbeit abgeschrieben haben.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2017 | 08:11 Uhr

Flensburg | „No office hours until further notice“ – bis auf Weiteres keine Sprechstunde. So steht es auf der Webseite der Flensburger Professorin unterm Dach der Europa-Universität Flensburg. Nach Analyse der Plagiatsjäger der Plattform „VroniPlag Wiki“ soll die Juristin der Abteilung Europa- und Völkerrecht sowohl in ihrer Doktorarbeit („Die Eingliederung der ehemaligen DDR in die Europäische Gemeinschaft unter dem Aspekt der staatlichen Beihilfen“) als auch in ihrer Habilitationsschrift („Das Recht der Europäischen Zentralbank. Unabhängigkeit und Kooperation in der Europäischen Währungsunion“) wörtlich und sinngemäß Texte übernommen, die Quellen jedoch nicht gekennzeichnet haben.

Prominenteste Beispiele für Plagiatsaffären sind der CSU-Politiker und frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Beiden wurde der Doktortitel aberkannt.

Als „trauriges Novum“ bezeichnet die Frankfurter Allgemeine Zeitung diesen und einen weiteren Fall des Doppelplagiats. Beide Arbeiten der Flensburger Professorin sind an der Goethe-Universität Frankfurt angenommen worden. Dr. Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der hessischen Hochschule, teilt auf Anfrage mit, dass die „Goethe-Universität durch einen Studierenden über den Verdacht eines Plagiatsfalles im Hinblick auf die Habilitation der Flensburger Professorin informiert“ worden sei. Umgehend habe sich die Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten der Goethe-Uni mit dem Verdacht befasst „und der Hochschulleitung nach eingehender Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt empfohlen, den Fachbereich Rechtswissenschaften über den Plagiatsverdachtsfall zu unterrichten“. Der Fachbereich habe „unverzüglich ein entsprechendes Verfahren eingeleitet“, fährt Kaltenborn fort und ergänzt, dass „auch bezüglich der Promotion durch den Fachbereich Rechtswissenschaften die Einleitung eines Verfahrens geprüft wird“.

Im Rahmen der Eröffnung des ersten Prüfverfahrens zur Habilitation sei die Europa-Universität informiert worden, sagt deren Pressesprecherin Kathrin Fischer. Die Vorwürfe bezüglich der Dissertation seien der Uni erst Anfang Mai bekannt geworden. Zum laufenden Verfahren äußert sich die Uni nicht. „Die Bewertung der Vorwürfe obliegt alleine den titelverleihenden Institutionen. Dies ist im Fall der Flensburger Professorin die Goethe-Universität Frankfurt“, sagt Kathrin Fischer. Deshalb müsse man abwarten, zu welchem Ergebnis die Uni Frankfurt komme.

Auf den bisher analysierten Seiten hat die Plattform „VroniPlag Wiki“ in der Dissertation einen Anteil von 41 Prozent an Plagiaten und in der Habilschrift rund 38 Prozent dokumentiert. Hochgerechnet auf die gesamte Arbeit im Hauptteil schätzen die Analysten die Anteile auf dann 22 beziehungsweise 17 Prozent.

Die Professorin übernahm 2009 die Leitung des Studiengangs „European Studies“ an der Uni Flensburg. Die Professorin, 1965 in München geboren, hat in Frankfurt 1993 promoviert und habilitierte 2004. Ende 2012 war die Juristin für drei Jahre als Vizepräsidentin für Europa und Internationales an der Universität Flensburg gewählt worden – die Vizepräsidentschaft war seinerzeit für die Ausrichtung als Europa-Universität geschaffen worden. Ende Februar 2015 war die Professorin von diesem Amt zurückgetreten – aus persönlichen Gründen, die sie nicht näher erläuterte.

Das „VroniPlag Wiki“ entstand aus dem Umfeld des „Guttenplag Wikis“ und ist nach der Tochter von Edmund Stoiber, Veronica Saß, benannt, deren Dissertation als erste untersucht wurde. Bis Ende November 2016 wurden 164 Dissertationen und elf Habilitationsschriften analysiert. 41 Personen wurde der Doktorgrad von der zuständigen Fakultät aberkannt, darunter die der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und des CDU-Politikers Matthias Pröfrock.

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