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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 01:53 Uhr

Plädoyer für ein Freilichtmuseum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Historische Hafen vor dem nächsten Entwicklungssprung: Vor dem Schifffahrtsmuseum gibt es noch viel Entwicklungspotenzial

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2016 | 00:32 Uhr

Was bringt das Jahr 2016 für Flensburg? In einer sechsteiligen Interviewreihe hat die Tageblatt-Redaktion Zukunftsfragen gestellt – es geht um Finanzen, Verkehr, Flüchtlinge, Ausbildung, den Hafen – sowie um Glücksburg und sein Verhältnis zum großen Nachbarn. Heute: Thomas Overdick, Leiter des Schifffahrtsmuseums, berichtet über die Zukunft und die Pläne des Historischen Hafens.

Herr Overdick, erläutern Sie bitte kurz Entstehung und Konstrukt des Historischen Hafens.
Es handelt sich dabei um eine Dachorganisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die verschiedenen Akteure der maritim-historischen Szene, die insbesondere am Westufer des Hafens, an der Schiffbrücke tätig sind, zueinander zu bringen und so die Kräfte zu bündeln. Die Grundidee fällt mit den Anfängen des Museumshafens zusammen, der mit dem Schifffahrtsmuseum die Keimzelle bildete. Im Laufe der Jahre haben sich andere Vereine hinzu gesellt, der Förderverein Salondampfer Alexandra, der Verein Klassische Yachten oder ganz frisch das Motorgüterschiff Gesine mit Schlepper Flensburg.

Ist diese Gemeinschaft problemlos zusammengewachsen?
Nun ja, 2007 ist ein Punkt erreicht gewesen, an dem man gemerkt hat, dass das Entstandene zusammengefügt werden muss, damit die unterschiedlichen Potentiale besser aufeinander abgestimmt werden können, durchaus auch mit Blick auf mögliche Förderszenarien. Es sollte für große Projekte nur einen Ansprechpartner geben. 2008 wurde dann eine gemeinnützige GmbH gegründet. Die oben genannten Akteure sind damit auch formal enger zusammengerückt.

Was waren damals die vordringlichsten Aufgaben?
Es ging erstmal darum, Strukturen aufzubauen, damit diese Gesellschaft nicht nur ein Name ist, sondern effektiv arbeiten kann, Verantwortlichkeiten sind neu geordnet worden: Liegegebühren, Einbringen des organisatorischen Geschicks beim Dampf-Rundum, bei der Entwicklung der Kongelig Classics, Zuarbeiten bei der Rum-Regatta.

Wo generiert die Gesellschaft seine Einnahmen, werden die Förderungsmöglichkeiten optimal ausgeschöpft oder gibt es noch Potenzial für die Zukunft?
Von großer Wichtigkeit sind EU-Förderprogramme wie Interreg. Hier konnte der Historische Hafen beispielsweise im Rahmen der Kongelig Classics 1855 als Projektpartner dabei sein. Es gab das Zukunftsprogramm Wirtschaft, damit wurde zwei Jahre lang die Professionalisierung des Historischen Hafens gefördert. Es sind ganz unterschiedliche Förderkulissen, in denen man sich bewegt.

Also für Infrastruktur und Veranstaltungen, Projekte auch, wie der Workshop zur Neugestaltung des Parkplatzes an der Schiffbrücke...
Genau, das gehört ja zum Grundkonzept, eine Art offenes Freilichtmuseum an der Küste zu entwickeln. Dazu gehören die diversen Flotten, also die Traditionsschiffe im Museumshafen, die klassischen Yachten, die Dampfersammlung rund um die „Alex“, das Schifffahrtsmuseum als Archiv, Kultur- und Ausstellungszentrum – und es gibt als erweitertes Angebot zwei Stadtrundgänge, die Rum & Zucker Meile und den Kapitänsweg. Die Überlegungen, die Parkflächen so zu entwickeln, dass sie in das Gesamtkonzept des Historischen Hafens passen, gibt es schon seit etwa zehn Jahren. Es soll andere Nutzungsweisen ja nicht komplett ausschließen. Wir stellen uns da beispielsweise die Präsentation größerer Exponate vor, den Kessel der Alexandra etwa, alte Eisenbahnwaggons, darin oder dazu Kleingastronomie. Ganz wichtig ist uns, dass diese Fläche den Bürgern dieser Stadt und Touristen zugute kommt – und nicht unbedingt dem Blech.

Das eine schließt das andere aus, oder?
Nicht unbedingt, man muss die Autos woanders unterbringen. Ein schwieriges Thema, das ist uns wohl bewusst.

Wie stehen Sie denn zu den Protesten, die sich besonders unter den Gewerbetreibenden und Anliegern entlang der Schiffbrücke manifestiert haben?
Es geht in keiner Weise darum, Parkplätze zu streichen. Besonders Kurzzeitparkplätze sollte man an der Schiffbrücke belassen. Dann muss man überlegen, ob sich Möglichkeiten für den Bau eines Parkhauses auftun.

Wo sollte denn das stehen, und wer soll das bezahlen?
Eine große Investition, keine Frage. Im Übrigen gibt es in diesem Bereich doch genügend Baulücken? Und es geht um lediglich rund 120 Parkplätze. Das kleine Parkhaus an der Segelmacher Straße bietet in etwa so viele Plätze, um einmal die Dimension deutlich zu machen. Für das neue Hotel „Kayser’s Hof“ wurde eine Tiefgarage gebaut – unter Umständen auch eine Option. Die Möglichkeiten einer Umschichtung müssen untersucht werden. Man darf da ruhig einmal nach Lübeck mit seinem dezentralen Parkkonzept blicken. Das hat bislang keine Besucher abgeschreckt.

In puncto Flanierflächen, Cafés und Aufenthaltsqualität gibt es deutlichen Nachholbedarf gegenüber der Ostseite...
Auf jeden Fall. Aber es darf nicht zugebaut werden. Wir brauchen die Freiflächen für Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Dabei sollten die Hafenfeste an oberster Stelle stehen. Das wird auch künftig unentbehrlich für den Stadttourismus sein. Aber alternativen, experimentellen Ideen darf man sich nicht verschließen.

Ist der Historische Hafen gegenwärtig gut aufgestellt – sehen Sie weitere Optionen für Synergien? Gibt es vermeidbare Reibungsverluste?
Die Synergie-Effekte liegen auf der Hand. Also, die Absprachen zwischen den einzelnen Akteuren funktionieren schon deutlich besser. Es macht nicht jeder alles, die Spezialisierung ist in verbindlicher Kooperation gestärkt worden. Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile. Die Vermarktung dürfte ein Zukunftsthema sein. Es liegen Konzepte vor, es fehlt bislang noch an der Machbarkeit. Wir müssen uns da stärker mit den Touristikern vernetzen, keine Frage. Auch die Nähe zur Tourismus-Agentur Flensburger Förde kann intensiviert werden. Ebenso die Vernetzung mit Nachbarn wie dem Forum Hafenquartier. Die nördliche Altstadt ist ganz wichtig für die maritime Stadtkultur.

Haben Sie persönliche Visionen?
Der Historische Hafen hat bewiesen, dass er überlebensfähig ist, er hat Handlungsspielraum, um Projekte zu realisieren, er ist in der Lage, Fördergelder zu akquirieren und diese auch sinnvoll einzusetzen. Das Existenzielle also ist gesichert. Der nächste Schritt wird sein, das entwickelte Grundkonzept strategisch weiterzuentwickeln. Wir wollen weiterhin Impulse für die Stadtentwicklung setzen und als großer, starker Partner wahrgenommen werden. Immerhin repräsentieren die beteiligten Vereine zusammen rund 1700 Mitglieder, die sich mit unermüdlichem Engagement für das maritime Kulturerbe unserer Stadt einsetzen.




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