Flensburg : „Pistole am Kopf“ – Jürgen Vietor am Alten Gym

Jürgen Vietor zeigt Schülerinnen und Schülern die Einschusslöcher im künstlichen Horizont der Lufthansa „Landshut“.
Jürgen Vietor zeigt Schülerinnen und Schülern die Einschusslöcher im künstlichen Horizont der Lufthansa „Landshut“.

Jürgen Vietor war der Co-Pilot der Lufthansa „Landshut“, die 1977 in Mogadischu von der GSG9 befreit wurde

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27. Juni 2018, 06:13 Uhr

Wer sonst hat den Terror der RAF und verbündeter Terrorgruppen so hautnah miterlebt wie er? Jürgen Vietor war der Co-Pilot der Lufthansa „Landshut“, die am 13. Oktober 1977 auf einem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt durch palästinensische Terroristen entführt und fünf Tage später durch die GSG 9 in Mogadischu befreit wurde. Im Verlauf der Entführung wurde Pilot Jürgen Schumann ermordet und die übrigen über 90 Geiseln mehrfach mit dem Tode bedroht.

Die Schüler der 9. Klassen am Alten Gymnasium hatten sich in den Wochen zuvor gründlich auf diesen Besuch vorbereitet. Gemeinsam wurden Themen wie „68er-Bewegung“ oder „Ulrike Meinhof“ erarbeitet und strittige Punkte wie „Begnadigung von RAF-Terroristen“ diskutiert. Parallel zu einer Dokumentation über den „Deutschen Herbst“ und zu Auszügen aus dem Spielfilm „Mogadischu“ notierten die Jugendlichen Fragen, die sie an Jürgen Vietor richten konnten. Dabei hatten die Geschichtslehrer sie ausdrücklich dazu ermuntert, auch persönliche Fragen nach Gefühlen und Einschätzungen zu stellen.

Nachdem Vietor sich kurz vorgestellt und seinen Flensburg-Bezug (Marineschule, Sohn auf dem Alten Gym) dargelegt hatte, eröffneten die Schülerinnen und Schüler die Fragerunde. „Wann hatten Sie die größte Angst?“ – „Haben Sie die überlebende Terroristin noch einmal wiedergesehen?“ – „Finden Sie, dass man die Terroristen von damals heute begnadigen sollte?“ – „Waren Sie wütend auf die Regierung Schmidt, weil sie nicht nachgeben wollte?“ Die größte Angst habe er gehabt, als der Anführer der Terroristen ihn „wegen seiner ‚jüdischen Uhr‘“ erschießen wollte. Da habe er „die Pistole schon am Kopf“ gehabt. Aus heutiger Sicht sei die Entscheidung richtig gewesen, berichtete Vietor den gebannt zuhörenden Schülern. Die Terroristin habe er 1996 beim Prozess in Hamburg wiedergesehen, danach nicht mehr.






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