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Direktkandidaten : Piratin mit Schwäche für Godzilla

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Flensburgerin Nadine Lindenberg fand über den Allgemeinen Studentenausschuss (Asta) den Weg in die Politik. Jetzt kandidiert sie für den Bundestag.

Wer wird Nachfolger von Wolfgang Börnsen als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 1 Flensburg/Schleswig? Unsere Zeitung stellt die Kandidaten vor. Heute: Nadine Lindenberg (Piratenpartei).

 

Sie twittert unter dem Pseudonym „Godzilla“ – doch so furchterregend wie das legendäre japanische Filmmonster sieht sie gar nicht aus. Markante Brille, schwarzes Haar mit blondem Pony, bunte Tattoos auf den Unterarmen – das ist Nadine Lindenberg, Spitzenkandidatin im Wahlkreis 1. Sie will für die Piraten den Bundestag entern.

Die 30-Jährige mit dem Hang zu extravaganter Filmkunst ist politisch ein relativ unbeschriebenes Blatt. Seit fünf Jahren ist sie im Asta der Fachhochschule Flensburg aktiv, erst 2012 entdeckte sie die Piratenpartei für sich. „Hier habe ich das Gefühl, noch etwas bewegen zu können“, sagt die Studentin der Medieninformatik. Grundsatz- und Wahlprogramm seien viel umfangreicher und fundierter als die meisten vermuteten, das Ambiente offen und nicht so verkrustet wie bei den etablierten Parteien. „Hier habe ich nicht das Gefühl, inmitten alter Herren zu sitzen, die seit 30 Jahren die gleiche Meinung verbreiten.“ Und ihren Ideen stehe man toleranter gegenüber als anderswo, findet die Piratin, die aus einem kleinen Dorf nahe Cuxhaven stammt.

Welche Ideen? Der propagierten Freiheit und Transparenz im weltweiten Netz zum Trotz wendet sich Nadine Lindenberg wie ihre Parteikollegen gegen Vorratsdatenspeicherung, Wohnungs- und Telefonüberwachung. Hände weg von privaten Mails, Chats oder Telefonaten, so das Credo der Kandidatin. „Dafür hat der Staat sich nicht zu interessieren.“ Es sei denn, es gebe ein begründetes, richterlich untermauertes Interesse – etwa im Falle einer zu befürchtenden Straftat, für die es eindeutige Indizien gebe. Allerdings könne es nicht angehen, so die Flensburgerin, dass man, wie geschehen, bei Twitter ein falsches Wort eingibt und dann mit einem Einreiseverbot in die USA rechnen müsse.

Ein wichtiges Anliegen ist der Piratin eine Änderung in vielen Bereichen der Bildungspolitik. Sie fordert ein vernünftiges, bundesweit einheitliches Bildungssystem. „Ein völlig unterschiedliches Niveau in gleichen Jahrgangsstufen ist genauso wenig zeitgemäß wie ein gegliedertes Schulsystem.“ Auch der Weg zum Studium müsse vereinfacht werden. Heißt: individuelle Zugangstests statt Numerus Clausus, Abschaffung der Studiengebühren und Eliteuniversitäten.

Was steht noch auf der Agenda? Die Durchsetzung eines bundesweit gesetzlichen Mindestlohnes von 9,02 Euro für unbefristete und 9,77 Euro für befristete Arbeitsverhältnisse. Des weiteren keine Unterscheidung von Arbeitnehmern in Festanstellung, Leih- oder Zeitarbeit. Ergo: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Das „Bedingungslose Grundeinkommen“ (BGE) müsse per Volksentscheid auf den Weg gebracht werden.

In Sachen Umweltpolitik spricht sich die Direktkandidatin vehement gegen die Gasförderung mittels Fracking aus, für ökologische Energiegewinnung und für einen Stopp von Atom- sowie Kohlekraft.

Nadine Lindenberg ist bei allem Idealismus realistisch genug, um ihre Chancen für einen Einzug in den Bundestag als marginal einzuschätzen. „Doch was nicht ist, kann ja noch werden.“ Dafür will sie ihre Stärken in die Waagschale werfen, die ihr von Parteikollegen attestiert werden: Kompromissbereitschaft, Zuverlässigkeit und Eigeninitiative. Als Schwäche bezeichnet sie ihren Hang zur Unpünktlichkeit. Diese Einschätzung führt sie allerdings selbst ad absurdum: Zum Pressegespräch erscheint sie neun Minuten zu früh.

 

Morgen: Hans-Ulrich Post (AfD)


Am Dienstag, 17. September, lädt unsere Zeitung die Direktkandidaten ab 18.30 Uhr zur Diskussion in die Flensburger Phänomenta. Der Eintritt ist frei.

 

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