Marineschule Mürwik : Pinassen-Rundfahrt statt Gorch Fock

Stephanie und Frank Koch aus Trier mit Frederik und Moritz beim Einstieg in die Pinasse.
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Stephanie und Frank Koch aus Trier mit Frederik und Moritz beim Einstieg in die Pinasse.

Für einen dritten Tag der offenen Tür in diesem Sommer öffnete sich die Marineschule Mürwik. Knapp 1000 Besucher kamen vorbei.

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29. Juli 2015, 10:00 Uhr

Flensburg | Ganze 317 Stufen sollen es sein vom Bootshafen hoch zur Aussichtsplattform im Turm der Marineschule Mürwik. Zu überwinden sind dabei eine kräftezehrende große Freitreppe sowie die ungezählten Stufen im Turm; deren letzte fünf Treppenabsätze aus quasi transparenten Gitterrosten können durchaus mulmige Höhengefühle auslösen. Dies alles und die leicht zum Schmunzeln anregende Aufforderung zur „Selbstständigen (sic!) Besteigung“ des Turms konnten jedoch knapp 1000 Besucher nicht davon abhalten, der traditionellen Ausbildungsstätte für den Offiziersnachwuchs in der Bundesmarine einen lebhaften Besuch abzustatten – am gestrigen dritten Tag der offenen Tür in diesem Sommer.

Bei laufendem Ausbildungsbetrieb konnten Neugierige sich frei auf dem Gelände bewegen und bekamen landseitig viel Interessantes zu sehen: Zum einen das grandiose Schulgebäude selbst aus der Kaiserzeit zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, im Stile der norddeutschen Backsteingotik erbaut und 1910 eingeweiht. Bei geführten Besichtigungen (beispielsweise von Stabsbootsmann Himmes) „atmeten“ die Besucher echte Geschichte gleich im Portalbereich sowie im Treppenhaus mit Exponaten wie Galionsfiguren, in der Offiziersmesse und in der etwas düsteren Aula. „Es ist schon faszinierend, die junge Smartphone-Generation in dieser geschichtsträchtigen Umgebung zu beobachten“, sagte Gisela Seeck. Sie war mit Ehemann Eckehard aus der ’Nachbarschaft’ Sonwik in die Marineschule gekommen, wo der ehemalige Heeresoffizier sie eigentlich auf das ankernde Segelschulschiff „schleppen“ wollte.

Im ersten Stock des Schulgebäudes fand die Ausstellung über den Widerstand der Reichswehr gegen Hitler zahlreiche Besucher. Das Wehrgeschichtliche Ausbildungszentrum lud ebenso zum Rundgang ein wie die beachtliche Bibliothek. Die Turmplattform zeigte sowohl baumgrüne wie maritim gefärbte Ausblicke über Flensburg und die Förde bis zur dänischen Küste.

Seeseitig wurden windige fünf Beaufort Stärke zur leichten Herausforderung, wo zwei ’Kraftboote’ Gelegenheit zum Mitfahren boten: Vom Anleger „Hansabrücke“ durch den Bootshafen an der Gorch Fock vorbei in die offene Förde und zurück. Der Andrang war so groß, dass sich kleine Warteschlangen bildeten. Jeweils zehn bis fünfzehn Besucher durften sukzessive an Bord der Pinassen P19 und P20.

Geduldig wartete auch Familie Koch aus Trier, die gerade zwei Wochen Urlaub an der Schlei macht. „Wir hatten im Radio von dieser Besuchsmöglichkeit gehört, sind etwas enttäuscht, dass wir nicht auf die Gorch Fock dürfen“, sagten die Rheinland-Pfälzer und machten stattdessen eine Pinassen-Rundfahrt.

Gerne hätte sich auch Sonja Runk das Innenleben des Großseglers angesehen – der aber stand den Besuchern bedauerlicherweise nicht offen. Gleichwohl findet sie die Marineschule Mürwik „beeindruckend, insbesondere deren Architektur“, die sie aber schon kennt. Die ehemalige Flensburgerin lebt derzeit in Mainz und besucht gerade ihren Vater. Den hat es selbst 1957 – noch zu Freiwilligenzeiten – aus Kaiserslautern zur Marine in Mürwik gelockt, aus „Blödsinn“, wie er sich erinnert.

Der nächste Tag der offenen Tür in der MSM ist für den 25. August angekündigt.

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