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Theaterwerkstatt : Pilkentafel leitet eine neue Ära ein

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Theatermacher denken über die künftige Betreiberart und Finanzierungsform nach. Sie sehen Stadt und Land in der Pflicht für finanzielle Unterstützung.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Seit 32 Jahren gibt es die Theaterwerkstatt Pilkentafel, 30 Jahre davon mit der Doppelspitze Elisabeth Bohde und Torsten Schütte. Sie leben im Vorderhaus und arbeiten im Hinterhaus, sie leben die Pilkentafel als Regisseure und Schauspieler, Bühnenbildner und Techniker, Theaterleiter und -financiers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter. Dabei sind sie immer wieder an Grenzen gegangen.

„So wie wir das machen und gemacht haben, wird es nach uns niemand mehr machen“, sagt Elisabeth Bohde. Sie fangen jetzt langsam an, das Theater auf andere Beine zu stellen, eine Umstrukturierung einzuleiten. Eine gemeinnützige GmbH sei sie schon heute, das könne auch so bleiben. Es geht vielmehr um die Frage, wer das Theater trägt und betreibt. Die Idee ist, dass nicht mehr das Duo Bohde/Schütte die inhaltliche Verantwortung hat, sondern andere, jüngere Theaterleute, die auch heute schon hin und wieder an der Pilkentafel 2 inszenieren.

Da ist zum einen das Theater Kormoran, das sich auf Kinder- und Jugendtheater spezialisiert hat und künftig diesen Teil der Pilkentafel-Arbeit abdecken könnte. Und dann ist da der junge Theatermann Peer Ripberger, der in dieser Woche mit seinem Stück „Herakles“ wieder einmal völlig neue Formen des Theaters in Flensburg präsentiert. Alle drei – Pilkentafel, Kormoran, Ripberger – haben vor wenigen Tagen einen Antrag an den Fonds Darstellende Künste gestellt, damit dieser finanziell hilft, die neuen Formen und Strukturen zu etablieren. Am Ende soll eine Person für die Geschäftsführung und die künstlerische Leitung eingestellt werden, da sowohl Kormoran als auch Ripberger gar nicht in Flensburg leben, sondern von ihren jeweiligen Lebensmittelpunkten aus und mit Hilfe ihrer Netzwerke das Programm vorbereiten und gestalten und nur zu den Arbeitsphasen und den Vorstellungen in der Pilkentafel vor Ort sind.

Allerdings werde das neue Modell mehr Geld kosten als das alte, da ist sich Elisabeth Bohde sicher. „Wir haben teilweise Elterngeld, Arbeitslosengeld und mehr in die Produktionen gesteckt. Das wird die kommende Generation nicht machen.“ Nach Ablauf des dreijährigen Projektzeitraums, für den sie sich die Unterstützung des Fonds erhofft, sieht sie die Stadt und das Land in der Pflicht.

„Herakles“ wird erstmals in Flensburg gezeigt, die Uraufführung war in Hamburg – in einer Galerie. Peer Ripberger nennt es eine Video-Installation. Es geht um das Thema Leistungsgesellschaft, das er mittels der Figur des Herakles beleuchtet. Der wurde zum Held und zum Gott, indem er Aufgaben bewältigte. Das Stück ist am 8., 9. und 10. Oktober jeweils um 20 Uhr zu sehen, der Vorverkauf läuft.

Daneben arbeitet Ripberger an einer weiteren Produktion, die ab dem 5. November zu sehen ist. „Die dritte Gorgone“ geht noch einen Schritt weiter, erneut geht er damit an die Grenzen des Genres Theater – und darüber hinaus.

 

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