Musik in Flensburg : Physik und Musik des schönsten Instruments der Welt

Physik ist Musik: Mit jeder Röhre, die er aufsteckt, werden mehr Töne möglich. Bernard (vorn) und Thibauld Le Pogam laden zum Horntag.
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Physik ist Musik: Mit jeder Röhre, die er aufsteckt, werden mehr Töne möglich. Bernard (vorn) und Thibauld Le Pogam laden zum Horntag.

Beim Horntag am Sonntag in der Musikschule werden Bernard und Thibauld Le Pogam garantiert neue Fans gewinnen

shz.de von
22. März 2017, 15:45 Uhr

An dieser Stelle fehlt der Zeitung der Lautsprecher. Welche Töne Bernard Le Pogam verschiedenen Seemuscheln und einem Didgeridoo entlockt, aus einem nach und nach wachsenden Metallrohr herausholt, wie die Veränderung mit Trichter klingt und wie er Wind mit gespitzten Lippen nachstellt – all das ist überaus unterhaltsam und hörenswert.

Und er spricht in einer Sprache, die allein wie Musik klingt. Der französische Musiker aus Angers ist gerade aus dem Pays de la Loire mit dem Auto angereist in die Heimat seines gleichermaßen Horn-begeisterten Sohnes Thibauld Le Pogam. Dieser ist Mitglied des Ensembles des Landestheaters und seit 2001 in Flensburg zu Hause. Die beiden Profis sind die Strippenzieher des Flensburger Horntages, der am Sonntag in Kooperation mit der Musikschule Flensburg eben da stattfindet und zu dem Kollegen des norddeutschen Netzwerks kommen.

Der Horntag verfolgt vor allem zwei Ziele: „Es geht um die Chance, mit Dozenten zu musizieren“, sagt Thibauld Le Pogam vor allem an jene gerichtet, die ohnehin schon ihre Liebe zum Horn entdeckt haben. Das bekommen, zum anderen, beim Abschlusskonzert am Abend all jene zu hören, die erst noch Horn-Enthusiasten werden wollen. Solche zu gewinnen, wird für Vater und Sohn ein Leichtes und auch, mit ihrer Faszination für das „schönste Instrument der Welt“, wie sie behaupten, anzustecken. Zum Beispiel mit einer 40-teiligen Hornsammlung. Die hat der Senior mitgebracht und gibt eine Kostprobe seines (öffentlichen) Vortrags „Das Horn durch die Zeit“.

Sein Sohn übersetzt ins Deutsche. Fast wie ein Magier zaubert der gewitzte Senior bei der Vorstellung des Programms immer wieder ein neues Requisit hervor, reist mit Hörnern jeder Art über den Globus und durch die Zeit und liefert einen Aha-Effekt nach dem anderen. Er kehre zur Ursprünglichkeit des Horns zurück, sagen beide: Bevor das Instrument überhaupt aus geschwungenem Metall, mit Mundstück, Ventilen und Trichter entstand, sei es ein Rufgerät zur Kommunikation gewesen, abgeguckt aus der Tierwelt. Ob die Seemuschel von den Malediven, Horn von Rind oder Gazelle oder die von Termiten ausgefressene Eukalyptus-Wurzel (Bernard Le Pogam schmatzt zur Anschauung das Didgeridoo entlang): Ursprung ist immer ein „pft“, die Formen wirken wie Lautsprecher.

Dieser Vortrag und das Abschlusskonzert sind öffentlich. Darin werden die Lernenden und Dozenten unter anderem Stücke von Wagner und Händel spielen, eine Komposition der Norwegerin Frøydis Ree Wekre und beim Bolero von Ravel „an die Lippen denken“, beruhigt Thibauld Le Pogam. Von Gioacchino Rossini, dessen Vater Hornist war, steht „Le rendez-vous de chasse“ auf dem Programm. 28 Anmeldungen für die Proben gibt es schon, und die Anmeldefrist ist eigentlich verstrichen. Aber Thibauld Le Pogam sagt ganz leger: „Wir sind flexibel.“ Wer sich wirklich fürs Musizieren mit Horn interessiert, soll einfach Kontakt aufnehmen.

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