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Europa-Universität Flensburg : Philosophieren im Krankenhaus und in der Schule

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

David Schweikard und Anne Reichold starten Veranstaltungsreihe „Philosophie mittenmang“

Darf der Staat die Beihilfe zum Suizid kriminalisieren? Oder greift er damit in die individuelle Freiheit der Bürger ein? Brauchen Schüler mehr philosophische Diskurse im Unterricht? Würde sie das vielleicht sogar zu besseren Menschen machen? Und hat Deutschland als eines der wirtschaftlich stärksten Länder der EU eine besondere Verantwortung gegenüber ökonomisch schwächeren Mitgliedsstaaten?

Diese und weitere Fragen werden in der Veranstaltungsreihe „Philosophie mittenmang“ zur Diskussion gestellt werden, die Anne Reichold und David Schweikard von der Europa-Universität Flensburg organisiert haben.

„Mittenmang, das heißt mittendrin. Wir wollen mit gesellschaftlich relevanten Themen aus der Uni heraus und in die Stadt hinein gehen und zeigen, dass sich die Philosophie mit kritischen Standpunkten eben nicht nur ’von oben aus’ beschäftigt“, erklärt Anne Reichold den Grundgedanken der Reihe.

Genau deswegen finden die Veranstaltungen auch mittendrin im gesellschaftlichen Leben statt: Im Haus Pniel des Diakonissenkrankenhauses wird am Mittwochabend über Beihilfe zum Suizid gesprochen werden, eine Diskussion über Philosophieunterricht findet am 21. Juni in der Goethe-Schule statt (jeweils 18 Uhr). Eben mitten im Leben, dort, wo sich manche Fragen überhaupt erst ergeben.

„Interessant wird auch der Diskurs über die Zukunft des Eurosystems und Deutschlands Rolle dabei“, meint Anne Reichold. Die Veranstaltung findet nämlich in der Dänischen Zentralbibliothek statt, „obwohl unsere dänischen Nachbarn ja nicht wie wir den Euro als Währung haben und Dänemark offiziell teilweise andere politische Auffassungen als Deutschland vertritt. Hier ist Flensburgs Grenzlage spannend.“

Eingeladen sind Experten, die sich mit ganz verschiedenen Disziplinen der Philosophie beschäftigen. Universale Antworten sollte das Publikum aber nicht erwarten. Anne Reichold macht deutlich: „Zunächst müssen die Begriffe normativ erklärt werden. Also zum Beispiel: Was ist überhaupt ein ’guter Mensch’? Und welches Argument wird mit diesem Begriff bedient? Hat man das geklärt, kann man aber durchaus Antworten bekommen.“ Die Philosophie soll hier also als Hilfe verstanden werden, um komplexe Themen und schwere Debatten, wie es sie um die Charakterbildung junger Menschen in der Schule oder assistierten Suizid gibt, besser zu verstehen.

„Die Philosophie wird oft als abstrakte und komplizierte Wissenschaft wahrgenommen, aber das ist nicht das ganze Bild: Sie beschäftigt sich auch mit drängenden sozialen und wirtschaftlichen Fragen“, so David Schweikard. Und er ergänzt: „Von der Veranstaltungsreihe können beide Seiten profitieren. Zum einen die Universität, weil man so die Anbindung an die Interessen der Bürger schafft. Und zum anderen das Publikum, denn wir zeigen durch die ganz konkreten Themen, dass die Philosophie nicht weltfern ist.“

Drei Termine stehen bereits fest, doch auch nach dem Sommer soll es weitere Gesprächsrunden geben. Von den Abenden erhoffen sich Anne Reichold und David Schweikard rege Diskussionen. „Es ist ein echtes Experiment und es werden heiße Themen besprochen“, sagt Reichold. „Und es ist ganz klar keine Vorlesungsreihe“, so Schweikard. „Wir hoffen auf kontroverse Standpunkte und einen Austausch des Publikums mit den eingeladenen Experten.“ Die Veranstaltungen sind kostenlos und für alle Interessierten offen.

Das Programm ist zu finden auf www.uni-flensburg.de (Suchbegriff: Mittenmang).

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