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Krankenhäuser : Pflegenotstand und Sanierungsstau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die beiden Flensburger Krankenhäuser bilden seit sieben Jahren einen Verbund und stecken trotzdem in einem Kostendilemma

Es war ein zwiespältiges Bild der Flensburger Krankenhaus-Landschaft, das da in einem über einstündigen Vortrag gezeichnet wurde. „Situation der Flensburger Krankenhäuser“ hieß der Tagesordnungspunkt im Sozial- und Gesundheitsausschuss ganz lapidar; Vorlagen dazu gab es nicht. Während Karl-Heinz Vorwig (Vorstand Diako) eine Erfolgsbilanz der seit sieben Jahren währenden Kooperation zwischen Diako und Franziskus zog, führte sein Kollege Klaus Deitmaring (Vorstand Franziskus) ein Drama in sieben Akten mit dem Titel „Krankenhäuser im Dauer-Dilemma der Kosten-Erlösschere auf“.

Vieles von dem, was Deitmaring sagte, war bekannt. Doch in dieser geballten Form dargereicht verfehlte es seine Wirkung nicht. So seien in diesem Jahr allein 650 000 Euro aus den erwarteten Tarifsteigerungen von 4 Prozent beim Franziskus-Hospital nicht finanziert. Die Prämie für die Krankenhaus-Haftpflichtversicherung verdoppele sich und führe zu Mehrkosten von 230 000 Euro. Aufgrund der unterschiedlichen Krankenhausfinanzierung in den Bundesländern müsse das Franziskus mit 2,8 Millionen Euro weniger auskommen als ein Krankenhaus in Rheinland-Pfalz mit exakt den gleichen Leistungen.

Als „grotesk“ bezeichnete der Geschäftsführer die immer weiter um sich greifende Bürokratisierung. Für Codierung, Abrechung und Prüfungen druch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen müsse sein Haus heute 0,75 Millionen Euro mehr ausgeben als noch 2003. „Wir benötigen immer mehr Leute in den sekundären Berufsgruppen und haben dadurch zu wenig Personal für die Pflege.“ Ergo: Die Überbürokratisierung verschärfe den Pflegenotstand.

Kosten in zweistelliger Millionenhöhe kommen durch anstehenden Um- oder Neubauten auf beide Krankenhäuser zu. Auf 500 Millionen Euro bezifferte Deitmaring den Sanierungsstau der Krankenhäuser in Schleswig-Holstein. 40 Prozent aller Krankenhäuser in Schleswig-Holstein seien defizitär – und: „Es gibt zu viele Krankenhäuser im Lande“, stellte Deitmaring fest. „Wir brauchen Ihre Unterstützung, wenn wir nach Neubauten rufen“, sagte er an den Gesundheitsausschuss gewandt.

Diako-Chef Vorwig hatte zuvor das große Leistungsspektrum der beiden Häuser und die Aufteilung der Disziplinen vorgestellt. Die Konkurrenz früherer Jahre und die daraus resultierende Überlappungen im Angebot seien passé. Mit 60 000 Fällen pro Jahr habe man eine der größten Zentralen Notaufnahmen in ganz Deutschland. Als Verbund sei man hinter den Regio-Kliniken Itzehoe das größte Krankenhaus im Lande, so Vorwig.

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erstellt am 22.Okt.2013 | 18:58 Uhr

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