Personalrat steht TBZ-Chefin bei

Das waren noch Zeiten! Bürgermeister Henning Brüggemann und Maren Reinmann packen gemeinsam an.  Jetzt   will man die Karriere-Beamtin gerne los werden. Foto: pohl
Das waren noch Zeiten! Bürgermeister Henning Brüggemann und Maren Reinmann packen gemeinsam an. Jetzt will man die Karriere-Beamtin gerne los werden. Foto: pohl

Versetzung der entlassenen Geschäftsführerin Maren Reimann abgelehnt / Stadt hat keine adäquate Ersatzstelle

shz.de von
06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Flensburg | Rückschlag für das Rathaus: Maren Reimann ist nicht so einfach zu entsorgen wie geplant. Die am 20. Juni abberufene Geschäftsführerin des Technischen Betriebszentrums (TBZ) sollte sich eigentlich schon im Rathaus mit ihrem neuen Aufgabenfeld - Bewertung des Sanierungssondervermögens nach doppischen bzw. kaufmännischen Gesichtspunkten - unter direkter Führung des Oberbürgermeisters beschäftigen. Doch der Personalrat des TBZ setzte dem einen Riegel vor und widersprach der Abordnung durch den Dienstherrn.

Es gibt offenbar Probleme mit der Stellenbeschreibung. Dem Personalrat war die eigens eingerichtete Stabsstelle nach Informationen unserer Zeitung zu diffus beschrieben und Reimann als Beamtin mit A 16-Besoldung möglicherweise überqualifiziert. Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf bestätigte gestern auf Anfrage den Vorgang. Der neue Verwaltungsrat wird die Personalie jetzt an die Arbeitnehmervertretung zurückgeben. Sollte der Personalrat bei seiner Position bleiben, käme der Fall Reimann vor die Schlichtungsstelle. "Solange dieses Verfahren läuft", so Teschendorf, "ist Frau Reimann freigestellt."

Um die in Ungnade gefallene Geschäftsführerin ranken sich derweil weiter die Legenden. Eines der umlaufenden Gerüchte besagt, die Stadtwerke wollten das TBZ oder wesentliche Teile desselben übernehmen. Reimann habe Widerstand geleistet. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, sei ein in Konkurrenz zu den Stadtwerken für die Übernahme des Glücksburger Kanalnetzes abgegebenes Gebot gewesen.

Die Verschwörungstheorie wird genährt durch die aktuellen Personalien: kommissarischer Vertreter Maren Reimanns ist Stadtwerkedirektor Mike Render. Und der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende im TBZ ist in Personalunion Aufsichtsratsvorsitzender bei den Stadtwerken: Rolf Helgert, der zum Ende der letzten Legislaturperiode aus der Ratsversammlung ausschied. Der SPD-Mann kennt die Gerüchteküche, aber er kann keines der kolportierten Gerüchte bestätigen. "Die Stadtwerke sind weit davon entfernt, das TBZ übernehmen zu wollen", sagt Helgert. "Es gibt auch diese Geschichte der konkurrierenden Angebote um das Glücksburger Kanalnetz nicht. Die Stadtwerke haben definitiv kein Angebot abgegeben. An der Geschichte der ewigen Rivalität ist nichts dran", betont der Verwaltungsrat. "Die Stadtwerke werden das TBZ garantiert nicht übernehmen." Eine durch den Verwaltungsrat eingesetzte Findungskommission kümmere sich gerade um die Reimann-Nachfolge.

Die Musik spielt woanders. Und der Hinweis kommt von Helgert selbst. Seit gut einem halben Jahr befinden sich alle Ableger der Stadt - von den Stadtwerken bis hin zur Flensburg Fjord Tourismus in einer von der Politik verordneten und begleiteten Strategiediskussion. Vorweg genommen haben diesen Prozess die Stadtwerke mit ihrer Neuausrichtung auf das regionale Versorgungsgeschäft. Eines der Schlagworte in dieser Debatte entfacht vor diesem Hintergrund eine gewisse Brisanz. Man diskutiere durchaus, ob es nicht sinnvoll sei, alle Netze durch eine Hand führen zu lassen, sagt Helgert. Die Erfahrungen aus der durchs TBZ betriebenen Kanalsanierung und der durch die Stadtwerke parallel betriebenen Sanierung des Fernwärmenetzes hätten gezeigt, dass teilweise erhebliche Reibungsverluste erzeugt wurden. Das TBZ sei für die Bereiche Straße, Kanalnetz und Dienstleistung zuständig. "Wir diskutieren durchaus, ob diese Dreiteilung gut gewählt ist", so Rolf Helgert. Als Teil der künftigen strategischen Entwicklung des TBZ werde das zu prüfen sein. "Das wird kein leichtes Geschäft!"

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen