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Niederdeutsche Bühne Flensburg : Penner trifft Karrierefrau – frohes Fest

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Spontaner Jubel und stehende Ovationen bei der NDB-Premiere „Noch mol vun vörn“ im Stadttheater

Allein die grandiose schau-spielerische Wucht und souveräne Perfektion der drei Darsteller ließ die Premiere der Flensburger Niederdeut-schen Bühne am Sonnabend zu einem genussvollen Erlebnis werden. Temperamentvoll bringt Regisseur Klaus Esch die Komödie „Noch mol vun vörn“ des französischen Erfolgsautors Antoine Rault auf die Bühne des Stadttheaters.

Die nachvollziehbare, witzige, in der Tiefe bittere und berührende Geschichte der Begegnung zwischen dem Penner Michel und der Karrierefrau Katrin fesselt. Amüsant und spannend vollzieht sich die Wandlung der handelnden Personen. Spontan gab es nach der Aufführung Jubel und stehende Ovationen.

Flensburg erlebte eine niederdeutsche Erstaufführung. Gesa Retzlaff, die im perfekten Karrierelook (Kostüme Barbara Büsch) in der riesigen Rolle der allein erziehenden, nicht gerade gefühlvollen Katrin brilliert, hat die niederdeutsche Fassung des Stückes geschrieben. Bewundernswert frei spielt Carlotta Bauer die pubertierende Tochter Sarah, Teenager-Dramen und Sehnsucht nach mütterlicher Wärme inklusive. Direkt vor die Wohnungstür der stylisch sterilen Welt spült der Zufall Penner Michel, einfühlsam gespielt von Ralf Behrens. Das ansprechende Bühnenbild samt „Fahrstuhl“ schuf Katja de Vries.

Aus der Laune eines eskalierenden Streits zwischen Mutter und Tochter heraus bittet Katrin den Clochard zum Weihnachtsabend hinein. Welten prallen aufeinander. Michel erhält im turbulenten Geschehen seine zweite Chance. Doch die innere Wandlung geschieht auf allen Seiten. Kleine optische Zei-chen, Katrin in Jeans etwa, Blumen, das bunte Kissen auf dem Sofa, künden auch äußerlich davon. Katrin wagt sich aus ihrem Panzer der Stärke heraus, zeigt erste Empathie. Innerlich beteiligt verfolgt der Zuschauer das Geflecht, das Säen und Ernten der Beziehungen. Ob es gelingen kann, das „Noch mol vun vörn“? Für den obdachlos arbeitslosen Informatiker Michel? Für Mutter und Tochter? Für das Glück und vielleicht sogar die Liebe? Ein schöner, spannender Stoff. Die Zeit der Aufführung ver-geht wie im Fluge.

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