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Schwierige Bedingungen Für Studenten : Pendel-Studium in der Kritik

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das dänische Unterrichtsministerium hat den Alltag der deutsch-dänischen Studiengänge schwerer gemacht. Es finanziert keinen Lehrbetrieb mehr im Ausland.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Sonderburg/Flensburg | Sieben Studenten steigen gestern Morgen um 8 Uhr am Flensburger Zob in den Bus nach Sonderburg. Normalerweise wetteifern zwischen 50 und 120 von ihnen um Sitzplätze. Pro Woche sind rund 300 Studenten unterwegs. Aber derzeit sind Semesterferien, weswegen nur ein kleiner Teil der Veranstaltungen stattfindet. Mehr als 20 Jahre lang gab es zu der Pendelei eine einfache Alternative: Lediglich der Dozent fuhr umgekehrt von Sonderburg nach Flensburg, um in den gemeinsamen deutsch-dänischen Studiengängen zu unterrichten. Doch seit Kurzem finanziert das dänische Unterrichtsministerium keinen Lehrbetrieb mehr im Ausland.

Patrick Lange (24) nimmt deshalb jetzt zweimal pro Woche den Bus nach Sonderburg. Es ist sein erstes Jahr im Masterstudiengang. Er ist froh, dass er zumindest noch nicht während der vorhergehenden Bachelor-Ausbildung andauernd in die Stadt am Alsensund fahren musste. „Da hatte ich viel mehr Wochenstunden, da wäre es noch ungünstiger gewesen.“ Zurück nach Flensburg geht die erste Abfahrt um 16.15 Uhr. Hat man nur wenige Stunden, entsteht also Wartezeit. „Die Tage mit einer Stunde mag ich nicht“, sagt Lange. „Ich habe lieber möglichst gebündelten Unterricht, denn dann fühle ich mich produktiver.“

Anders Johnsen, fachlicher Berater für die grenzüberschreitenden Studiengänge an der Flensburger Uni, weiß wiederum, dass auch möglichst vollgepackte Unterrichtstage nicht nur von Vorteil sind. Dies werde durchaus oft versucht, um alle von der dänischen Seite verantworteten Veranstaltungen möglichst auf nur zwei Wochentage zu verteilen. Gegen Ende der zweiten Tageshälfte sei die Effektivität dann teils eingeschränkt, meint Johnsen. Er findet es „ein verkehrtes Signal der dänischen Regierung“, dass sie keinen Unterricht mehr auf dem Campus südlich der Grenze zulässt. „Das macht es für die Hochschulen schwieriger.“

Auch von anderer Seite kommt Kritik. „Es macht keinen Sinn, wenn die Zusammenarbeit bei einem grenzüberschreitenden Studiengang an der Grenze stoppt“, moniert Hanno Kinkel, Projektleiter der Wissensregion Süddänemark-Schleswig-Holstein, eines regionalen Netzwerks von Hochschulen in beiden Ländern. Sollte sich in Kopenhagen nicht mehr Flexibilität erreichen lassen, kann er sich anstelle der Pendelei vorstellen, dass die in Flensburg eingeschriebenen Studenten komprimiert ein komplettes Semester in Sonderburg verbringen. Hans Philip Tietje, Vorsitzender des Ausschusses der Region Süddänemark für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, nennt die Situation „verrückt“. Für ihn ist sie „ein klares Hindernis der Universitäts-Zusammenarbeit“.

Änderung ist einstweilen nicht in Sicht. Auch auf neuerliche Nachfrage lehnt es Unterrichtsministerin Sofie Carsten Nielsen ab, dass der dänische Staat Studienangebote jenseits dänischen Bodens finanziert. Aus Gleichbehandlungsgründen könne sie davon für eine einzige Hochschule – hier die Süddänische Universität – keine Ausnahme machen.

Eva Kjer Hansen, Folketingsabgeordnete der rechtsliberalen Oppositionspartei Venstre in Sønderjylland, meint: „Es muss sich trotzdem eine Lösung finden lassen. Wenn wir uns nicht erneuern, orientieren sich die jungen Leute in die Metropolen und kommen nicht zurück.“

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